Unsere Familie lebt in Pozzuoli, direkt am Golf von Neapel, und nutzt einen Wasserfilter. Nicht weil das Wasser dort offiziell als unsicher gilt, sondern weil man der Qualität schlicht nicht vollständig vertraut. Ob das repräsentativ für den Süden Italiens ist, lässt sich schwer sagen, aber es spiegelt wider was viele Menschen die dauerhaft in Süditalien leben, ähnlich handhaben. Die Frage ob man in Italien Leitungswasser trinken kann, hat keine einfache Antwort. Sie hängt davon ab wo man sich gerade befindet.
Offiziell ist es trinkbar
Italien ist EU-Mitglied und unterliegt der europäischen Trinkwasserrichtlinie. Laut dem nationalen Kontrollzentrum für Wasserqualität, dem CeNSiA, entspricht das italienische Leitungswasser zu 99 Prozent den gesundheitsrelevanten Qualitätsparametern. Das ist eine beeindruckende Zahl und trotzdem greifen Millionen Italiener täglich zur Flasche. Das hat Gründe.
Nord und Süd sind zwei verschiedene Welten
Im Norden Italiens, besonders in den Alpenregionen und Städten wie Mailand oder Bozen, gilt das Leitungswasser als ausgezeichnet. Es kommt oft direkt aus Bergquellen, ist weich und schmeckt gut. Wer dort Urlaub macht oder lebt, kann bedenkenlos aus dem Hahn trinken.
Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr ändert sich das Bild. Die Infrastruktur ist älter, die Leitungen teils marode, der Chlorgehalt im Sommer höher weil das Wasser aufwendiger aufbereitet werden muss. In Sizilien kommt ein weiteres Problem hinzu: Viele Häuser haben Wassertanks auf dem Dach die bei extremer Hitze zur Brutstätte für Keime werden können. Dazu kommt dass der Süden zunehmend mit Wasserknappheit kämpft. 2024 waren über eine Million Einwohner von Rationierungsmaßnahmen betroffen, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Kampanien, wo Pozzuoli liegt, gehört zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverbrauch in ganz Italien. Das Wasser ist trinkbar, aber der Geschmack und die Leitungsqualität im Altbau können stark variieren.
Das Chlorproblem
Ein Punkt der viele Urlauber überrascht: Selbst dort wo das Wasser technisch einwandfrei ist, schmeckt es oft stark nach Chlor, besonders im Sommer wenn die Temperaturen steigen und die Aufbereitung intensiviert wird. Das ist kein Sicherheitsproblem, aber ein Grund warum viele lieber zur Flasche greifen.
Die Nasoni — Roms flüssiges Erbe
Wer in Rom unterwegs ist, begegnet überall den sogenannten Nasoni, den kleinen gusseisernen Trinkbrunnen die konstant frisches Wasser sprudeln. Das Wasser stammt aus uralten Aquädukten und gilt als ausgezeichnet. Wer eine Flasche dabei hat, füllt sie dort einfach auf, kostenlos, kalt, gut.
Für Urlauber
Wer eine Woche in der Toskana, am Gardasee oder in Norditalien verbringt, kann das Leitungswasser bedenkenlos trinken. Im Süden und auf den Inseln empfiehlt sich mehr Vorsicht, besonders in älteren Gebäuden oder wenn das Wasser ungewöhnlich riecht oder schmeckt. Flaschenwasser ist in Italien günstig und überall erhältlich, ein Liter Mineralwasser kostet im Supermarkt oft weniger als 30 Cent.
Für Auswanderer
Wer dauerhaft in Italien lebt, entwickelt meist schnell ein Gefühl für die lokale Wasserqualität. Ein guter Wasserfilter ist besonders im Süden eine sinnvolle Investition, nicht zwingend aus Sicherheitsgründen, sondern weil er Geschmack und Leitungsqualität deutlich verbessert. Unsere Familie hat diese Entscheidung nicht bereut.

