Start Aktuelles 400 Jahre Petersdom: Jubiläum zwischen Tradition und Hightech

400 Jahre Petersdom: Jubiläum zwischen Tradition und Hightech

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Petersdom in Rom: Zum 400-jährigen Weihejubiläum setzt der Vatikan auf ein digitales Ökosystem, das Besucherströme besser steuern und das spirituelle Erlebnis modern begleiten soll. (Foto: © Bastian Glumm)
Petersdom in Rom: Zum 400-jährigen Weihejubiläum setzt der Vatikan auf ein digitales Ökosystem, das Besucherströme besser steuern und das spirituelle Erlebnis modern begleiten soll. (Foto: © Bastian Glumm)

Rom wird 2026 zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Jubiläums: Vor genau 400 Jahren wurde der Petersdom feierlich geweiht. Vier Jahrhunderte später verbindet der Vatikan spirituelle Feierlichkeiten mit einem technologischen Großprojekt, das neue Maßstäbe im Bereich des Kulturerbe-Schutzes setzt.

Der Petersdom ist nicht nur geistliches Zentrum der katholischen Kirche, sondern auch ein architektonisches Symbol Italiens, geprägt von Meistern wie Bramante, Michelangelo und Bernini. Das Jubiläum versteht sich ausdrücklich als Brücke zwischen Geschichte und Zukunft.

Kardinal Gambetti: Die Basilika als „lebendiges System“

Kardinal Mauro Gambetti, Erzpriester der Päpstlichen Basilika St. Peter, erklärte, man habe in den vergangenen Jahren begonnen, die Basilika „als ein lebendiges System“ zu verstehen, als ein Bauwerk, das mit zeitgemäßen Instrumenten erforscht, bewahrt und vermittelt werden müsse. Technologie könne helfen, das Zusammenspiel von Geschichte, Kunst und Spiritualität neu zugänglich zu machen, sofern sie verantwortungsvoll eingesetzt werde.

„Beyond the Visible“: Hightech für ein Weltkulturerbe

Zentraler Baustein des Jubiläums ist das Projekt „Beyond the Visible“, das in Zusammenarbeit mit dem italienischen Energiekonzern Eni realisiert wurde. Claudio Granata, Director of Stakeholder Relations & Services bei Eni, sprach von einem Projekt, das für das Unternehmen großen Stolz bedeute. Man habe die eigene Expertise in Geologie, Untergrundanalyse und Präzisionsmessung in den Dienst eines einzigartigen Kulturdenkmals gestellt.

Im Rahmen des Projekts entstand ein hochpräzises dreidimensionales Digitalmodell des gesamten Monumentalkomplexes. Erfasst wurden nicht nur sichtbare Bereiche wie Fassade, Kuppel und Kolonnaden, sondern auch Fundamente, Untergrund, Grotten und archäologische Strukturen. Sensoren messen künftig rund um die Uhr selbst minimale Bewegungen im Millimeterbereich, sodass selbst geringste Veränderungen frühzeitig erkannt werden können.

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Spirituelles Jubiläum mit kulturellem Rahmen

Neben der technologischen Dimension bleibt die geistliche Ausrichtung zentral. Höhepunkt ist eine feierliche Messe am 18. November 2026. Über das Jahr verteilt sind neue liturgische Angebote, ein neu gestalteter Kreuzweg, theologische Konferenzen sowie Veranstaltungen rund um die Figur des Apostels Petrus geplant. Mit einer eigens entwickelten Schrift namens „Michelangelus“, inspiriert von der Handschrift Michelangelos, erhält das Jubiläum zudem eine eigene visuelle Identität. Hinzu kommen eine Gedenkmedaille, eine Sonderbriefmarke und ein offizielles Logo.

Angesichts steigender Besucherzahlen wird außerdem ein digitales Zugangssystem eingeführt, das helfen soll, den Besucherstrom besser zu regulieren. Gerade im Umfeld des Heiligen Jahres 2025 und des Jubiläums 2026 rechnet der Vatikan mit besonders hohen Pilgerzahlen.

Die digitale Brücke des Petersdoms

Mit der offiziellen Plattform des Petersdoms ist im Vatikan ein umfassendes digitales Ökosystem entstanden. Die Website fungiert inzwischen als zentrale Zugangsstelle zu einem System, das Millionen von Gläubigen und Besuchern beim Zugang zum symbolischen Herzen der Christenheit unterstützen soll.

Entwickelt wurde eine digitale Infrastruktur, die nicht nur Informationen bereitstellt, sondern das Besuchserlebnis aktiv steuert und begleitet. Ziel ist es, Kunst, Geschichte und Spiritualität verständlich zu vermitteln und zugleich den Besucherfluss im sensiblen Umfeld der Basilika, der Kuppel und des gesamten Monumentalkomplexes besser zu organisieren.

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Technologie im Dienst der Pilger

Das System basiert auf modernen Technologien wie Künstlicher Intelligenz, Machine Learning und dem Internet of Things. Sensoren und Monitoring-Tools verarbeiten große Datenmengen in Echtzeit. Dadurch können Besucherströme analysiert und flexibel gesteuert werden.

Kernstück ist der sogenannte „Smart Pass“, ein digitales Buchungssystem, mit dem Besucher die Verfügbarkeit prüfen und ihren Zugang auch kurzfristig reservieren können. Ziel ist eine ausgewogenere Verteilung der Besucher und eine spürbare Reduzierung von Wartezeiten, ohne die spirituelle Atmosphäre des Ortes zu beeinträchtigen.

Mehr als Tourismus: Die spirituelle Dimension bleibt zentral

Trotz aller technischen Innovationen betont der Vatikan ausdrücklich die geistliche Dimension. Das digitale Ökosystem soll nicht nur touristische Informationen liefern, sondern den Moment des Glaubens unterstützen.

Vorstellung des Projekts „Beyond the Visible“ im Vatikan: Kardinal Mauro Gambetti und Vertreter von Eni präsentieren die digitalen Initiativen zum 400-jährigen Jubiläum des Petersdoms vor internationalen Medienvertretern. (Foto: © Vatikan/ENI)
Vorstellung des Projekts „Beyond the Visible“ im Vatikan: Kardinal Mauro Gambetti und Vertreter von Eni präsentieren die digitalen Initiativen zum 400-jährigen Jubiläum des Petersdoms vor internationalen Medienvertretern. (Foto: © Vatikan/Eni)

Ein Beispiel dafür ist der digitale Audioguide, der in sieben Sprachen verfügbar ist. Er führt Besucher entlang eines strukturierten Weges durch zwölf zentrale Stationen innerhalb des Petersdoms, von den Vatikanischen Grotten über Michelangelos Pietà bis hinauf zur Kuppel. Dabei geht es nicht allein um historische Fakten. Der Audioguide versteht sich als Einladung zur Reflexion. Besucher sollen den Petersdom nicht nur besichtigen, sondern als Ort der Besinnung, des Gebets und der inneren Einkehr erleben.

Gemeinschaft im digitalen Raum

Geplant ist außerdem eine interaktive „Social Wall“. Pilger und Touristen können dort persönliche Eindrücke, Gebetsanliegen oder Fotos teilen. Die Basilika wird so auch digital zu einem Ort gemeinsamer Erfahrung. Mit diesem digitalen Ansatz zeigt der Vatikan, dass Tradition und Technologie kein Widerspruch sein müssen. Der Petersdom bleibt ein spirituelles Zentrum, wird aber zugleich organisatorisch und technisch auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereitet.

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