
Sonne, Kultur, Küche – und das „Dolce Vita“: Italien gilt für viele deutschsprachige Auswanderer als Traumziel. Doch wer dauerhaft nach Bella Italia umsiedeln will, sollte sich nicht nur vom Charme toskanischer Hügel oder ligurischer Küsten leiten lassen. Ein dauerhafter Umzug bringt Pflichten, Bürokratie – aber auch Vorteile mit sich. Diese fünf Aspekte sollten Auswanderungswillige unbedingt kennen.
1. Aufenthaltsrecht: Auch EU-Bürger müssen sich anmelden
Deutsche Staatsbürger benötigen zwar kein Visum, um nach Italien zu ziehen – doch wer länger als drei Monate bleibt, ist verpflichtet, sich beim örtlichen Einwohnermeldeamt („Anagrafe“) als Residente registrieren zu lassen. Diese Anmeldung ist Voraussetzung für nahezu alle weiteren Schritte: Gesundheitsversorgung, Steuerpflicht, Sozialleistungen oder auch die Zulassung eines Autos.
Nicht-EU-Bürger, die nach Italien auswandern möchten, müssen zusätzlich ein entsprechendes Visum beantragen und innerhalb von acht Tagen nach Einreise die Aufenthaltsgenehmigung („Permesso di soggiorno“) bei der Questura beantragen. Sie ist meist ein oder zwei Jahre gültig und muss rechtzeitig verlängert werden. Weitere Informationen dazu bietet das italienische Außenministerium.
2. Wohnsitz & Meldepflicht: Ohne Residenza kein Status
Ein in Italien angemeldeter Wohnsitz („residenza anagrafica“) ist viel mehr als ein Adresswechsel: Er macht aus einem Auswanderer einen offiziellen Bürger der Kommune. Damit einher gehen Rechte – wie der Zugang zur staatlichen Krankenversicherung – aber auch Pflichten, etwa die Steuererklärung bei mehr als 183 Tagen Aufenthalt pro Jahr.
Die Anmeldung erfolgt im Rathaus der Gemeinde und setzt ein Miet- oder Kaufverhältnis sowie ggf. eine Arbeit oder finanzielle Absicherung voraus. Ohne diese Nachweise kann die Anmeldung verweigert werden. Konkrete Infos zur Anmeldung liefert z. B. Just Landed – Italien-Guide.
3. Gesundheitssystem: Gut ausgebaut, regional unterschiedlich
Italiens staatlicher Gesundheitsdienst (Servizio Sanitario Nazionale – SSN) steht allen regulär gemeldeten Bürgern offen – auch EU-Bürgern mit registriertem Wohnsitz. Der Zugang ist vergleichsweise günstig: Eine Facharztvisite kostet oft nur rund 30 Euro, Medikamente sind stark subventioniert.
In sozialen Härtefällen wird der Eigenanteil erlassen. Italien gehört laut WHO zu den Ländern mit einem der besten Gesundheitssysteme weltweit. Weitere Infos bietet die offizielle Website des italienischen Gesundheitsministeriums: salute.gov.it.
4. Steuern: Sonderregelungen für Zuzügler
Italien erhebt auf Einkommen progressive Steuersätze zwischen 23 und 43 Prozent, hinzu kommen regionale und kommunale Zuschläge. Wer sich in Italien steuerlich ansiedelt – also mehr als 183 Tage im Jahr dort lebt – muss grundsätzlich sein weltweites Einkommen versteuern.
Es gibt jedoch interessante Ausnahmen: Das sogenannte flat tax regime erlaubt es Neuankömmlingen mit Einkommen im Ausland, ihre Steuerschuld auf pauschal 100.000 Euro pro Jahr zu begrenzen – für bis zu 15 Jahre. Details dazu finden sich auf Theitalianlawyer.
5. Visa & Sonderprogramme: Digitale Nomaden willkommen
Seit April 2024 gibt es in Italien ein offizielles Visum für digitale Nomaden. Dieses richtet sich an hochqualifizierte Nicht-EU-Bürger, die online arbeiten und ein gesichertes Einkommen vorweisen können – derzeit mindestens 28.000 bis 30.000 Euro jährlich.
Neben einem Arbeitsnachweis sind unter anderem eine Wohnadresse in Italien, eine internationale Krankenversicherung und ein polizeiliches Führungszeugnis erforderlich. Weitere Infos bietet das Portal Nomad Girl.
Auch das sogenannte Elective Residence Visa bleibt für Ruheständler und Personen mit passivem Einkommen interessant. Die Einkommensgrenze liegt hier bei etwa 31.000 Euro pro Jahr – ohne Erwerbstätigkeit in Italien. Mehr dazu beim Visa-Dienstleister Taxes for Expats.
Auswandern: Ein Umzug sollte gut vorbereitet sein
Italien lockt mit Lebensqualität, Kultur und Küche – doch der Umzug in den Süden sollte gut vorbereitet sein. Wer die rechtlichen, steuerlichen und sozialen Rahmenbedingungen kennt, kann den Start in ein neues Leben entspannter und nachhaltiger gestalten. Ob als Ruheständler, Berufstätiger oder digitaler Nomade: Wer Italien nicht nur liebt, sondern auch versteht, wird sich dort langfristig wohlfühlen. Auswandern ist und bleibt ein Abenteuer, Risiken und böse Überraschungen können aber mit guter Planung minimiert werden.