Start Aktuelles Sizilien neu entdecken: Langsames Reisen zwischen Kultur und Natur

Sizilien neu entdecken: Langsames Reisen zwischen Kultur und Natur

0
Historische Berglandschaft in Sizilien: Burgen, Felsen und mediterrane Vegetation stehen für die kulturelle Tiefe und landschaftliche Vielfalt der Insel. (Foto: © ANSA / Regione Sicilia)
Historische Berglandschaft in Sizilien: Burgen, Felsen und mediterrane Vegetation stehen für die kulturelle Tiefe und landschaftliche Vielfalt der Insel. (Foto: © ANSA / Regione Sicilia)

Sizilien bietet weit mehr als Meer, Strände und belebte Urlaubsorte. Wer Entschleunigung sucht, findet sie auf der Insel in langen Spaziergängen oder Radtouren, die Altes und Neues, Küste und Berglandschaften miteinander verbinden. Gemeinschaft, Authentizität und stille Momente prägen diese Form des Reisens.

In einer zunehmend schnelllebigen Welt eröffnet Sizilien die Möglichkeit, die Insel bewusst, langsam und nachhaltig zu erkunden. Ohne das soziale und kulturelle Gefüge der Regionen zu beeinträchtigen.

Valle del Belìce: Wiederaufbau und Naturerbe

Das Valle del Belìce – die Betonung liegt auf dem „i“ – zählt zu den geschichtsträchtigsten Landschaften Siziliens. In der Nacht vom 14. auf den 15. Januar 1968 erschütterte eine Serie schwerer Erdbeben das Gebiet zwischen den Provinzen Trapani, Agrigent und Palermo. Orte wie Gibellina, Salaparuta, Poggioreale und Montevago wurden zerstört oder unbewohnbar, Hunderte Menschen kamen ums Leben, Zehntausende mussten evakuiert werden.

Dieses Datum markiert den Beginn eines langen und komplexen Wiederaufbaus, der das Tal nachhaltig veränderte. Die neuen Städte entstanden abseits ihrer historischen Zentren, deren Ruinen bis heute als eindrucksvolle Zeugnisse der Vergangenheit erhalten sind. Besonders Gibellina steht symbolisch für diesen Prozess: Auf den Überresten der alten Stadt schuf der Künstler Alberto Burri das monumentale Cretto, einen weißen Betonguss, der den ursprünglichen Stadtgrundriss nachzeichnet.

Neben diesen Orten der Erinnerung besitzt das Valle del Belìce ein oft unterschätztes Naturerbe. Der Fluss Belìce und seine Nebenläufe durchziehen Wälder, Hügellandschaften und offene Ebenen, die sich ideal für mehrtägige Wander- und Radtouren eignen.

Geschichte im Rocca di Cerere Geopark

Im Herzen Siziliens liegt der Rocca di Cerere UNESCO Global Geopark, ein 1.279 Quadratkilometer großes Gebiet in der Provinz Enna, in dem Erdgeschichte, menschliche Zivilisation und heutige Landschaft aufeinandertreffen. Der Name verweist auf den antiken Kult der Demeter, Göttin der Fruchtbarkeit und der landwirtschaftlichen Zyklen, der in dieser Region besonders ausgeprägt war.

Die enge Beziehung zwischen Land, Produktivität und den Gemeinschaften, die hier über Jahrtausende lebten, wird bei einem Spaziergang durch den Geopark unmittelbar erfahrbar. Innerhalb weniger Kilometer wechseln Feuchtgebiete wie der Pergusa-See mit Stein- und Flaumeichenwäldern sowie aussichtsreichen Höhenzügen wie dem Monte Altesina, dem höchsten Gipfel der Monti Erei.

In diese vielfältige Naturlandschaft eingebettet sind bedeutende Kulturstätten, darunter das ehemalige Bergbaugebiet Floristella-Grottacalda sowie archäologische Stätten von Morgantina bis zur Villa Romana del Casale.

Nachhaltig unterwegs auf der Ciclovia dei Parchi

Für Radreisende bietet die Ciclovia dei Parchi eine nachhaltige Möglichkeit, Sizilien zu durchqueren. Der Fernradweg verbindet den Parco Fluviale dell’Alcantara mit dem Ätna, dem Nebrodi-Park und dem Madonie-Park. Die Route führt über Nebenstraßen und durch abgelegene Dörfer im Landesinneren, die vom klassischen Tourismus kaum berührt werden.

Orte wie Petralia Soprana und Petralia Sottana im Herzen der Madonie stehen exemplarisch für diese Erfahrung: Hier ist der Aufenthalt kein inszeniertes Erlebnis, sondern ein authentisches Eintauchen in den Alltag der Bevölkerung, geprägt von Begegnungen in kleinen Bars, einem ruhigen Lebensrhythmus und gelebter Selbstverständlichkeit.

Auf historischen Pfaden nach Erice

Im Westen der Insel lädt der Sentiero di Sant’Anna zu einer Wanderung mit religiösem und kulturellem Bezug ein. Der Weg führt zum Santuario di Sant’Anna aus dem frühen 17. Jahrhundert und weiter in das mittelalterliche Dorf Erice.

Vor Ort lohnt sich der Besuch der bedeutenden Bauwerke: von der Kathedrale über die Torretta Pepoli bis hin zum Castello di Venere. Nach mehr als fünf Kilometern Anstieg bietet eine kulinarische Spezialität den verdienten Abschluss: Genovesi, ein traditionelles Gebäck aus Mürbeteig mit cremiger Füllung. Auch solche Momente gehören zur Entdeckung einer Kultur im Zeichen des langsamen Reisens.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein