Start Aktuelles Italien feiert am 17. Januar den Tag des Pizzaiolo

Italien feiert am 17. Januar den Tag des Pizzaiolo

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Pizzaiolo Ciro Leopardi bei der finalen Zubereitung einer klassischen Margherita im Anticus, Pozzuoli. (Foto: © Bastian Glumm)
Pizzaiolo Ciro Leopardi bei der finalen Zubereitung einer klassischen Margherita im Anticus, Pozzuoli. (Foto: © Bastian Glumm)

Der 17. Januar hat sich in Italien als fester Bezugspunkt für die Pizza-Kultur etabliert. An diesem Tag feiern viele Medien, Pizzerien und Fachverbände den sogenannten Tag des Pizzaiolo. Auch wenn es sich nicht um einen offiziell ausgerufenen internationalen Gedenktag handelt, ist das Datum kulturell tief verwurzelt. Insbesondere in Neapel, der Stadt, in der Pizza mehr ist als ein Gericht.

Sant’Antonio Abate und die Symbolik des Feuers

Der Grund für das Datum liegt im kirchlichen Kalender. Der 17. Januar ist der Gedenktag von Sant’Antonio Abate, einer Figur, die in Süditalien traditionell mit Feuer, Öfen und handwerklicher Arbeit verbunden ist. In der Volkskultur gilt er als Schutzheiliger all jener Berufe, die mit Hitze, Backen und handwerklicher Transformation zu tun haben.

Für die Pizza ist diese Verbindung naheliegend. Ohne Feuer kein Ofen, ohne Ofen keine Pizza. Der Pizzaiolo steht sinnbildlich für diese jahrhundertealte Beziehung zwischen Mensch, Teig und Flamme. In vielen Regionen, besonders in Kampanien, ist der 17. Januar daher ein Tag, an dem das Feuer nicht nur technisch, sondern auch symbolisch präsent ist.

Von der lokalen Tradition zum globalen Pizza-Tag

Lange Zeit war der 17. Januar vor allem ein lokal geprägtes Datum. Erst in den vergangenen Jahren wurde er zunehmend auch international als World Pizza Day oder Giornata della Pizza wahrgenommen. Diese Entwicklung ist weniger das Ergebnis einer offiziellen Institution als vielmehr Ausdruck moderner Kommunikationskultur: Pizzerien, Branchenverbände und Medien haben das Datum aufgegriffen und mit neuen Formaten gefüllt.

Finaler Handgriff an der Nuda e Cruda: Der vorgebackene Pizzateig wird im Anticus mit frischen Zutaten wie Büffelmozzarella, Rucola und Prosciutto belegt – ein kreatives Gericht zwischen Pizza und gefüllter Focaccia. (Foto: © Bastian Glumm)
Finaler Handgriff an der Nuda e Cruda: Der vorgebackene Pizzateig wird im Anticus mit frischen Zutaten wie Büffelmozzarella, Rucola und Prosciutto belegt – ein kreatives Gericht zwischen Pizza und gefüllter Focaccia. (Foto: © Bastian Glumm)

Dabei bleibt der Ursprung klar neapolitanisch. In Italien entsteht kulturelle Bedeutung häufig nicht durch formelle Beschlüsse, sondern durch Wiederholung und Akzeptanz im Alltag. Der Tag des Pizzaiolo ist ein gutes Beispiel dafür.

UNESCO und das Handwerk der neapolitanischen Pizzaioli

Zusätzlichen Auftrieb erhielt der 17. Januar durch die Anerkennung der Kunst der neapolitanischen Pizzaioli als immaterielles Kulturerbe der Menschheit durch die UNESCO. Im Mittelpunkt dieser Anerkennung steht nicht das Endprodukt Pizza, sondern der handwerkliche Prozess: Teigführung, Formgebung, Backtechnik und die soziale Rolle des Pizzaiolo innerhalb der Gemeinschaft.

Gerade in Neapel ist der Pizzaiolo nicht nur Koch, sondern Träger von Wissen, Tradition und lokaler Identität. Der 17. Januar wird deshalb zunehmend auch als Tag dieses Berufsbildes verstanden.

Neapel am 17. Januar: Kein großes Spektakel

In Neapel selbst ist der Tag selten ein großes Spektakel, sondern eher eine stille Selbstverständlichkeit. Viele Pizzerien nutzen ihn für kleine Aktionen, Sondermenüs oder eine bewusste Rückbesinnung auf Klassiker wie Marinara und Margherita. Mancherorts werden alte Bräuche thematisiert, etwa die Tradition oggi a otto – heute essen, in acht Tagen bezahlen – ein Verweis auf die soziale Funktion der Pizzeria im Viertel.

Solche Gesten zeigen, dass Pizza in Neapel immer auch Teil des städtischen Zusammenhalts war und ist.

Moderne Formate und internationale Vernetzung

Parallel zur lokalen Praxis hat sich rund um den 17. Januar eine globale Pizza-Community entwickelt. Organisationen wie die Associazione Verace Pizza Napoletana nutzen das Datum für digitale Events, Masterclasses und internationale Austauschformate. Ziel ist es, Wissen zu teilen, Standards zu vermitteln und die kulturelle Dimension der Pizza sichtbar zu machen.

Der Tag des Pizzaiolo fungiert dabei als gemeinsamer Referenzpunkt. Unabhängig davon, ob man sich in Neapel, Berlin oder Tokio mit Pizza beschäftigt. Buon appetito!

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