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Monterusciello: Der Stadtteil, in den ich immer wieder zurückkehre

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Monterusciello, einst als Notfall-Siedlung für Erdbebenopfer erbaut, ist heute ein lebendiges Viertel mit rauem Charme. Zwischen Betonbauten und Gemeinschaftsgeist hat dieser künstlich geschaffene Stadtteil für mich eine besondere Bedeutung. (Foto: © Bastian Glumm)
Monterusciello, einst als Notfall-Siedlung für Erdbebenopfer erbaut, ist heute ein lebendiges Viertel mit rauem Charme. Zwischen Betonbauten und Gemeinschaftsgeist hat dieser künstlich geschaffene Stadtteil für mich eine besondere Bedeutung. (Foto: © Bastian Glumm)

Monterusciello in Kampanien ist für mich kein unbekannter Ort – ganz im Gegenteil. Ich bin oft dort, fast so regelmäßig, dass es sich wie ein zweites Zuhause anfühlt. Es ist kein Touristenviertel mit malerischen Gassen oder historischen Monumenten, sondern ein Stadtteil voller Leben, mit Ecken, die nicht immer schön, aber dafür echt sind. Wer nur Neapel mit seinen quirligen Straßen kennt, wird hier eine ganz andere Seite der Region entdecken: weniger Chaos, mehr Weite, aber trotzdem mit einer eigenen, rauen Energie. Und ja, im April werde ich wieder dorthin reisen (und im Juli auch).

Monterusciello – ein künstlich geschaffener Stadtteil

Monterusciello – rund 35.000 Menschen leben dort – gehört zur Gemeinde Pozzuoli, unterscheidet sich aber deutlich vom alten Hafen oder dem historischen Zentrum. Es wurde in den 1980er Jahren als Reaktion auf das verheerende Erdbeben in Irpinia 1980 und die geologischen Phänomene der Bradyseismik errichtet. Die Bewohner des gefährdeten Zentrums von Pozzuoli wurden umgesiedelt und Monterusciello wurde als groß angelegte Wohnsiedlung konzipiert, um Tausenden von Menschen eine neue Heimat zu geben.

Das Besondere an diesem Stadtteil ist, dass er nicht organisch gewachsen ist wie viele andere Viertel in der Region, sondern von Grund auf geplant wurde. Man wollte nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch eine funktionale Infrastruktur mit Schulen, Geschäften, Parks und Verkehrsanbindungen. Geplant waren sogar ein Kino-Theater, ein archäologischer Park und ein modernes Fußballstadion – vieles davon wurde allerdings nie vollständig realisiert. Und, ehrlicherweise, Monterusciello ist nicht überall eine Augenweide. Funktionalität stand für die Planer vor der Optik. Und das sieht man.

Das Besondere an diesem Stadtteil ist, dass er nicht organisch gewachsen ist wie viele andere Viertel in der Region, sondern von Grund auf geplant wurde. (Foto: © Bastian Glumm)
Das Besondere an diesem Stadtteil ist, dass er nicht organisch gewachsen ist wie viele andere Viertel in der Region, sondern von Grund auf geplant wurde. (Foto: © Bastian Glumm)

Ein Viertel zwischen Beton und Gemeinschaft

Die Architektur Monterusciellos ist typisch für die 1980er Jahre: große Wohnblocks aus Beton, breite Straßen und ein weitläufiges Straßennetz, das sich von den engen, verwinkelten Gassen Neapels stark unterscheidet. Die grauen Wohnblocks geben dem Stadtbild eine funktionale, aber auch etwas nüchterne Atmosphäre.

Doch trotz seines künstlichen Ursprungs hat der Stadtteil eine lebendige Gemeinschaft. Monterusciello wurde als Notfallmaßnahme geschaffen, doch die Menschen haben sich ihr Leben hier aufgebaut. Es gibt Märkte, Bäckereien, Restaurants und viele kleine Geschäfte, die den täglichen Bedarf decken. Auch Grünflächen sind vorhanden, wenn auch nicht immer in bestem Zustand.

Wie lebt es sich dort?

In Monterusciello lebt man ruhiger als in Neapel selbst. Es gibt mehr Platz, keine endlosen Touristenströme, und die Mieten sind günstiger. Natürlich ist es nicht das Zentrum des Geschehens, und manchmal scheint es, als würde alles Spannende irgendwo näher am Vesuv passieren. Aber wenn man in den Bus oder den Vorortzug Cumana steigt, ist man in 30-40 Minuten mitten im neapolitanischen Trubel.

Dennoch hat der Stadtteil mit Herausforderungen zu kämpfen. Einige der ursprünglich geplanten Einrichtungen wurden nie fertiggestellt und es gibt vernachlässigte Ecken. Die Infrastruktur könnte besser sein und wie in vielen Randbezirken Neapels gibt es soziale Probleme. Dennoch ist Monterusciello mehr als nur ein Ort, der aus der Not heraus entstand – es ist ein Zuhause für viele Menschen, die sich hier eine eigene Identität aufgebaut haben.

Schon oft führte mich mein Weg nach Monterusciello, es ist fast schon eine zweite Heimat für mich. Im April und im Juli werde ich wieder dort sein und freue mich schon. (Foto: © Bastian Glumm)
Schon oft führte mich mein Weg nach Monterusciello, es ist fast schon eine zweite Heimat für mich. Im April und im Juli werde ich wieder dort sein und freue mich schon. (Foto: © Bastian Glumm)

Warum komme ich immer wieder zurück?

Ganz ehrlich? Weil Monterusciello für mich mittlerweile „mein“ Ort ist. Hier muss man sich nicht beeilen, hier kann man einfach man selbst sein. Das Leben folgt einem natürlichen Rhythmus – ohne übermäßige Hektik, aber auch ohne das Gefühl, in einer abgelegenen Ecke zu sein.

Im April werde ich wieder dorthin reisen. Ich werde die vertrauten Straßen sehen, den lokalen Dialekt hören und in dieselben Geschäfte gehen, in denen die Verkäufer mich bereits kennen. Monterusciello ist kein touristisches Paradies, aber es ist ein echter Ort, an dem das Leben ungeschminkt und authentisch ist. Und genau deshalb liebe ich es.

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