
Meeresfrüchte haben in der italienischen Küche einen besonderen Stellenwert, und der Oktopus nimmt dabei eine herausragende Rolle ein. Er wird in den unterschiedlichsten Varianten zubereitet: gegrillt, geschmort, in Salaten oder sogar als Bestandteil von Pasta-Gerichten. Eine besonders raffinierte Kombination ergibt sich durch die Verbindung von zartem Oktopus mit cremigem Kartoffelpüree und saftigen Tomaten. Dieses Gericht vereint feine Aromen mit mediterranem Charakter.
Polpo e Patate – Oktopus mit gekochten Kartoffeln
Oktopusgerichte haben in Italien eine lange Tradition, insbesondere in den küstennahen Regionen Kampanien, Apulien und Sizilien. Bereits in der Antike fingen römische Fischer Oktopusse, und die Griechen, die Süditalien besiedelten, betrachteten sie als Delikatesse. Im Mittelalter wurde der Oktopus während der Fastenzeit populär, da er nicht als Fleischprodukt galt. Das klassischste Rezept ist Polpo e Patate – Oktopus mit gekochten Kartoffeln, das bis heute in vielen Küstenstädten beliebt ist.
Im Laufe der Zeit begannen italienische Köche zu experimentieren und neue Texturen und Aromen hinzuzufügen – so entstanden Variationen mit Püree, Tomaten und Gewürzen. Dieses Rezept verbindet Tradition mit modernen kulinarischen Techniken.
Oktopus in Sagen und Kultur
Der Oktopus war schon immer ein mysteriöses Wesen, dem in vielen Kulturen besondere Bedeutungen zugeschrieben wurden. In der Antike glaubten mediterrane Fischer, dass der Oktopus Glück auf Seereisen bringt, und seine Abbildungen finden sich sogar in antiken Mosaiken auf Kreta.
In einigen italienischen Küstenstädten existiert der Glaube, dass ein Oktopus, der sich an einem Boot festsaugt, ein Zeichen für einen besonders reichen Fang ist. Gleichzeitig symbolisiert er in der japanischen Kultur geistige Flexibilität und die Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen.
Interessanterweise betrachteten einige mittelalterliche europäische Seeleute Oktopusse als mystische Kreaturen, die mit Legenden über Meeresungeheuer in Verbindung standen. Auf Sizilien hält sich bis heute die Vorstellung, dass ein mit Liebe zubereiteter Oktopus Harmonie in die Familie bringt.
Zutaten
Für dieses Gericht werden folgende Zutaten benötigt:
- 1 mittelgroßer Oktopus (ca. 1–1,5 kg);
- 3 mittelgroße Kartoffeln;
- 100 ml Milch;
- 30 g Butter;
- 200 g Kirschtomaten;
- 2 Knoblauchzehen;
- 50 ml Olivenöl (extra vergine);
- 1 Zweig Rosmarin;
- Salz, Pfeffer nach Geschmack;
- frische Petersilie zum Servieren;
- etwas Zitronensaft.
Zubereitung Polpo e Patate
- Oktopus kochen. Am besten wird er in leicht gesalzenem Wasser mit einem Lorbeerblatt gegart. Ein kleiner Trick: Damit sich die Tentakel schön einrollen, den Oktopus 3–4 Mal in kochendes Wasser tauchen, bevor er vollständig eingetaucht wird. Etwa 45–60 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen, bis er zart ist.
- Kartoffelpüree zubereiten. Während der Oktopus kocht, die Kartoffeln schälen und weich garen. Anschließend zu Püree zerdrücken, heiße Milch, Butter, Salz und etwas Pfeffer hinzufügen. Die Konsistenz sollte cremig und geschmeidig sein.
- Tomaten braten. Eine Pfanne mit Olivenöl erhitzen, zerdrückten Knoblauch und den Rosmarinzweig hinzufügen. Sobald das Aroma freigesetzt wird, die halbierten Kirschtomaten hinzufügen, leicht salzen und pfeffern. Einige Minuten anbraten, bis sie weich sind, aber nicht zerfallen.
- Oktopus braten. Den gekochten Oktopus aus dem Wasser nehmen, etwas abkühlen lassen und die Tentakel abschneiden. In einer heißen Pfanne mit Olivenöl kurz anbraten, bis sie eine goldbraune Kruste bekommen (ca. 1–2 Minuten pro Seite). Mit ein paar Tropfen Zitronensaft beträufeln.
- Anrichten. Das Kartoffelpüree auf den Teller geben, darauf die Oktopusstücke legen und daneben die saftigen Tomaten platzieren. Mit fein gehackter Petersilie bestreuen und mit etwas Olivenöl abrunden.
Ein mediterraner Genuss
Dieses Gericht vereint einfache Zubereitung mit eleganter Raffinesse. Es eignet sich hervorragend für Liebhaber von Meeresfrüchten und kann mit einem Glas trockenem Weißwein, etwa Vermentino oder Pinot Grigio, serviert werden. So lässt sich ein Stück italienischer Genuss in die eigene Küche holen.
Buon appetito!