
Wie kann eine Stadt in der Nähe von Neapel mit einer berühmten Schauspielerin und Sängerin verbunden sein, fragen Sie sich vielleicht. Wurde sie nicht in Rom geboren? Ja, das stimmt – aber Sophia Costanza Brigida Villani Scicolone verbrachte ihre Kindheit in Pozzuoli. Vielleicht war es an einem der örtlichen Strände, wo der Traum eines kleinen, schlanken Mädchens von einer glanzvollen Karriere geboren wurde. Und genau in Pozzuoli trat der Star des „Goldenen Zeitalters Hollywoods“, besser bekannt als Sophia Loren, viele Jahre lang bei Konzerten auf.
Apostel Paulus verbrachte vier Tage in Pozzuoli
Natürlich kann Pozzuoli nicht mit dem großen Neapel und seiner nationalen Bedeutung konkurrieren, aber auch hier findet man malerische Orte zur Erholung, Sand- und Felsstrände sowie unzählige architektonische Denkmäler des mächtigen Römischen Reiches. Pozzuoli ist nicht nur für ein historisches Rätsel aus dem Zweiten Punischen Krieg bekannt, als die Truppen des karthagischen Generals Hannibal die Stadt umzingelten. Die Nähe von Puteoli – wie die Römer die griechische Kolonie Dikaiarcheia umbenannten – zur Via Appia machte die Stadt zu einem bedeutenden Handelshafen. Viele Händler schickten ihre Schiffe voller Edelsteine, Gewürze und Sklaven in diesen Teil des Golfs von Neapel.

Und genau in diesem Hafen lief eines Tages ein Schiff ein, auf dem sich eine bedeutende Persönlichkeit befand. Sein Ruhm stand dem Hannibals in nichts nach. Auf dem Weg nach Rom, wo er hingerichtet wurde, verbrachte der Apostel Paulus sieben Tage in Puteoli. Die Stadt wird im letzten Kapitel der Apostelgeschichte erwähnt.
Viel vulkanische Aktivität rund um Pozzuoli
Im Nordwesten von Pozzuoli befindet sich der Avernersee. Aufgrund der vulkanischen Aktivität, die giftige Dämpfe verursachte, hielten die alten Römer den See und eine nahe gelegene Höhle für einen Eingang zur Unterwelt. Diese wurden von Vergil in seiner Aeneis als Ort des Totenreichs beschrieben.
Aber genug Geschichte – wenden wir uns der Erholung zu. Schon aus dem Fenster des Flugzeugs eröffnete sich ein herrlicher Blick auf Neapel und seine Umgebung, mit den gelben Dächern der Häuser zu Füßen des Vesuvs. Auch wenn der große Vulkan schon lange keine bedrohlichen Geräusche mehr von sich gegeben hat, bleibt die Erinnerung an die unvorhersehbare Natur und die damit verbundene Tragödie zugleich faszinierend und furchteinflößend.
Der letzte Ausbruch des Vesuvs ereignete sich 1944
Wer sind wir Menschen in dieser Welt aus schroffen Bergen, undurchdringlichen Wäldern und endlosen Ozeanen? Klein und manchmal hilflos wie Kinder – wir ignorieren die Warnungen der Natur, wie es einst die Bewohner im Jahr 79 v. Chr. taten. Der letzte Ausbruch des Vesuvs ereignete sich 1944 und 1980 verursachte ein Erdbeben Schäden in Neapel und den Vororten, einschließlich Pozzuoli.
Schon seit vielen Jahren ragen zwischen gepflegten zweistöckigen Häusern graue Betonbauten hervor. Dies ist weder eine Laune noch Nachlässigkeit der Stadtverwaltung. Nach dem Erdbeben wurden viele Häuser zerstört, woraufhin der Staat beschloss, den Betroffenen durch den Bau temporärer Betonwohnungen zu helfen. Diese neuen Wohnungen kann man nicht verkaufen – sie werden nur vererbt.
Viele Thermalquellen in der gesamten Region
Auf dem Weg nach Pozzuoli begegnet man Bergen. Heute sind sie grün und blühend, doch vor Jahrhunderten waren sie aktive Vulkane. Deshalb gibt es entlang der Küste des Golfs von Neapel so viele Thermalquellen. In Pozzuoli gibt es sogar noch einen aktiven Vulkan – die Solfatara. Der Name stammt vom italienischen Wort „zolfo“ – Schwefel. Sobald man sich im Stadtgebiet befindet, riecht man den Schwefelwasserstoff. Neben dem charakteristischen Geruch kann man auch leichte Erschütterungen spüren. Trotzdem werden in der Caldera heute noch Führungen angeboten.
Leider kam es 2017 bei einer dieser Führungen zu einem tragischen Unfall: Ein Kind verließ den sicheren Pfad und wurde von der Erde verschluckt. Seine Mutter versuchte es zu retten, dann der Vater – alle kamen ums Leben. Wer die Solfatara besucht, sollte daher unbedingt alle Sicherheitsregeln einhalten. Derzeit ist ein Besuch aber nicht möglich, aufgrund der enormen seismischen Aktivitäten in der letzten Zeit, ist der Zugang komplett geschlossen.

Mediterranes Klima und paradiesische Landschaften
Das mediterrane Klima, paradiesische Landschaften und köstliches Essen – ideale Bedingungen für Erholung und Gesundheit. Den wahren Charakter Süditaliens lernt man nur kennen, wenn man in das Leben der Einheimischen eintaucht. Pozzuoli als Tourist zu besuchen ist das eine – Teil davon zu werden, das andere.
Dann spaziert man alleine an der Promenade entlang, kauft Lebensmittel im kleinen Supermarkt gegenüber, lauscht dem Plausch des Verkäufers mit den Einheimischen, und passt sich dem Alltag an: frühes Aufwachen wegen der Hitze, Siesta am Nachmittag und späte Abendessen. Man wundert sich über die lauten Gespräche – das ist keine Streiterei, so emotional sind die Italiener eben. Überall sieht man kleine Marienstatuen, umgeben von Blumen und Kerzen – viele bekreuzigen sich beim Vorbeigehen. Jeder Heiligentag wird mit Prozessionen gefeiert, von den Passanten unterstützt – so tief ist die Religiosität hier verwurzelt.
Pozzuoli ist viel ruhiger als Neapel
Der bittersüße Duft von Kaffee durchdringt jede Ecke der Wohnung. Abendessen mit Familie oder Freunden – selbstverständlich mit neapolitanischer Pizza, der besten im ganzen Land – kann kein Luxushotel ersetzen. Und was ist noch besonders an Städten wie Pozzuoli? Es ist viel ruhiger als in Neapel – hier kann man wirklich abschalten und sich vom Meer heilen lassen.
Die große, halbmondförmige Vulkaninsel Nisida liegt im Osten des türkisblauen Meeres von Pozzuoli. Leider konnten wir sie nur von der Promenade aus bewundern. Obwohl eine Straße sie mit dem Festland verbindet, ist sie für Touristen gesperrt – dort befinden sich eine Luftwaffenakademie, eine NATO-Basis und ein Jugendgefängnis.
Jugendgefängnis auf der Insel Nisida
Früher glaubte man, zwischen Nisida und Capri lebten Sirenen – heute sitzen dort junge Straftäter ihre Haftstrafen ab. In den letzten 20 Jahren gab es nur einen Ausbruch. Die Polizei alarmierte sofort die Bevölkerung, Hubschrauber kreisten über der Stadt, mehr Polizisten patrouillierten – denn der geflüchtete Junge hatte seine eigenen Eltern getötet. Glücklicherweise wurde er innerhalb eines Tages gefunden und zurückgebracht.
Wer eine Insel besuchen möchte, sollte lieber nach Ischia oder Capri fahren – dort ist es sicherer. Wir entschieden uns für den Strand von Pozzuoli. Der Juli war heiß, schon nach neun Uhr morgens war es kaum auszuhalten. Wir standen um sechs Uhr auf, frühstückten schnell und fuhren zum Strand – das Auto war bedeckt mit dem Sand, den der lokale Wind „Siracusano“ bringt.
Kleiner Geheimstrand in Bacoli an der Villa Ferretti
Schon um sieben Uhr waren die Liegestühle aufgestellt, erste Badegäste schwammen im Meer. Es gibt auch einen kleinen, felsigen Geheimstrand in Bacoli, den nicht einmal alle Einheimischen kennen. Er liegt bei der Villa Ferretti, einst im Besitz eines Mafia-Clans (Neapel ist ja nicht nur für gutes Essen bekannt, sondern auch für seine Camorra).

Besuch und Parken sind kostenlos – sofern man im Café etwas bestellt. An dem Tag frühstückten wir dort auch. Viele andere machten dasselbe – sie kamen aus Norditalien, hatten Wohnungen gemietet, weil das günstiger ist, und verbrachten mit ihren Familien Urlaub an der Küste. Besonders im vergangenen Jahr, da in der Lombardei heftiger Hagel gefallen war.
Besuch des flavischen Amhitheaters in Pozzouli
Von Pozzuoli nach Bacoli brauchten wir nur 20 Minuten. Die Villa Ferretti, heute ein Symbol der nationalen Wiedergutmachung, steht nicht leer – die Universität Federico II. hat dort ein Institut für Unterwasserarchäologie eingerichtet. Zutritt zum Gebäude gibt es nicht, aber man kann im Schatten des Parks sitzen, auf den Kieselsteinen liegen und im klaren Wasser baden – nach einem Kaffee im Café.
Und wenn es gegen sieben Uhr abends kühler wird, kann man das Flavianische Amphitheater besichtigen (es ist zwar kleiner als das Kolosseum), oder die Ruinen des antiken Marktplatzes. Vergessen Sie nicht, eine echte Margherita zu probieren – mit Blick auf das sanfte Sonnenlicht und das leise Rauschen der Wellen.