Start Aktuelles Taxi oder Uber? Warum Italiens Fahrdienstwelt anders tickt

Taxi oder Uber? Warum Italiens Fahrdienstwelt anders tickt

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Dichter Verkehr in der römischen Innenstadt: Taxis prägen weiterhin das Straßenbild der Hauptstadt, doch die Digitalisierung verändert auch hier die Art, wie Fahrgäste ihre Fahrten buchen. (Foto: © Jerome / Adobe Stock)
Dichter Verkehr in der römischen Innenstadt: Taxis prägen weiterhin das Straßenbild der Hauptstadt, doch die Digitalisierung verändert auch hier die Art, wie Fahrgäste ihre Fahrten buchen. (Foto: © Jerome / Adobe Stock)

Als wir im Sommer 2022 in Rom waren, trafen wir auf ein Bild, das die damalige Mobilitätslage in Italien perfekt zusammenfasste: Die Taxis streikten. Tagelang. Aus Protest gegen Uber und andere digitale Dienste, die die Branche als existenzielle Bedrohung empfand. Für Besucher bedeutete das paradoxerweise: Statt wie gewohnt ein römisches Taxi zu nehmen, blieb oft nur Uber. Und damit ausgerechnet jener Dienst, gegen den die Fahrer protestierten. Die Uber-Fahrten, die wir in dieser Zeit nutzten, waren zuverlässig und komfortabel, aber deutlich teurer als ein normales Taxi. Die Stadt war voll, die Temperaturen hoch und Uber wurde unfreiwillig zur besten Werbung für sich selbst.

Taxi-Streik und Demo in Rome vor zwei Jahren

Ein Jahr später, im Sommer 2023, standen wir wieder in Rom und die Lage hatte sich sichtbar verändert. Der Streik hatte Spuren hinterlassen, nicht nur auf den Straßen, sondern in der gesamten Debatte um Mobilität. Die Partnerschaft zwischen Uber und italienischen Taxi-Verbänden war inzwischen angelaufen. In der App konnte man plötzlich reguläre Taxis bestellen, klar als solche gekennzeichnet und deutlich günstiger als die Premium-Fahrten der NCC-Fahrer („Noleggio Con Conducente“: „Mietwagen mit Fahrer“). Was ein Jahr zuvor noch wie ein unüberbrückbarer Konflikt wirkte, war nun zu einer pragmatischen Mischung geworden: Die traditionelle Taxibranche blieb bestehen, öffnete sich aber erstmals vorsichtig der digitalen Sphäre.

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Den vielleicht deutlichsten Eindruck dieses neuen, hybriden Systems bekamen wir jedoch erst im Sommer 2025 in Bologna. Dort war die Taxi-Option über die App nicht verfügbar, aber die Uber-Fahrzeuge waren dafür umso beeindruckender. Als unser Fahrer in einem makellosen, brandneuen Tesla vorfuhr, elegant im dunklen Anzug, wurde klar: In manchen Städten positioniert sich Uber in Italien inzwischen eher als Premiumdienst denn als alltäglicher Transport. Die Fahrt war angenehm, professionell und spürbar teurer. Genau dieser Kontrast zeichnet die heutige Situation aus: Italien bietet nicht ein einheitliches System, sondern ein Patchwork aus Tradition, Regulierung und digitaler Modernisierung.

Rom: Uber Taxi als Ergänzung zum bestehenden System

Wie dieses Patchwork konkret aussieht, zeigt ein Blick in andere Städte. Mailand etwa ist zu einer Art Schaufenster der neuen Mobilität geworden: Hier sind sowohl Uber Black als auch Uber Taxi verfügbar und die App ist in verschiedenen Städten Italiens präsent, darunter Rom, Neapel, Palermo oder Cagliari. Während in Rom Uber Taxi als Ergänzung zum bestehenden System verstanden wird, ist der Dienst in Neapel früh eingeführt worden und hat dort geholfen, die notorisch knappen Kapazitäten etwas zu entzerren. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Fahrzeuge begrenzt, weil weiterhin nur professionelle, lizenzierte Fahrer zugelassen sind.

Parallel dazu haben sich in anderen Märkten zusätzliche Plattformen etabliert. Die größte Taxi-App Europas Free Now ist inzwischen auch in mehreren italienischen Großstädten vertreten, etwa in Rom, Mailand oder Neapel. Dort bestellt man zwar ebenfalls keine privaten Gelegenheitsfahrer, sondern klassische Taxis oder lizenzierte Mietwagen, aber der Zugang läuft über eine moderne Oberfläche, mit Festpreisoptionen und digitalen Belegen. Für Nutzer bedeutet das: Man wählt nicht mehr nur zwischen Taxi oder Uber, sondern zwischen unterschiedlichen Apps, die alle auf dieselben Berufsgruppen zurückgreifen: kommunal lizenzierte Taxifahrer und NCC-Chauffeure.

Über die App unterwegs: In vielen italienischen Städten vermittelt Uber keine Privatfahrer, sondern lizenzierte NCC-Chauffeure. Oft mit deutlich höherem Service-Niveau. (Symbolfoto: © Proxima Studio / Adobe Stock)
Über die App unterwegs: In vielen italienischen Städten vermittelt Uber keine Privatfahrer, sondern lizenzierte NCC-Chauffeure. Oft mit deutlich höherem Service-Niveau. (Symbolfoto: © Proxima Studio / Adobe Stock)

Uber kam 2013 auf den italienischen Markt

Dass das italienische Taxi lange Zeit als in sich geschlossenes System funktionierte, ist ein Grund für diese Besonderheiten. Lizenzen sind knapp, streng reguliert und in vielen Städten über Jahrzehnte unverändert geblieben. Gerade in Metropolen wie Rom führte das zu chronischen Engpässen, die in der Hochsaison oder bei Großereignissen regelmäßig zu Frust bei Touristen und Einheimischen führten. Der nächste freie Wagen war oft weit entfernt, und der Ruf nach Reformen wurde lauter.

Als Uber 2013 auf den italienischen Markt kam, prallten zwei Welten aufeinander. Italienische Taxi-Verbände sahen die Prinzipien ihres Berufsstands gefährdet. Im Gegensatz zu anderen Ländern konnte hier aber nie ein UberX-Modell Fuß fassen: Die italienischen Gesetze erlauben nur professionellen, lizensierten Fahrern die Personenbeförderung. So bestand Uber in Italien von Beginn an aus NCC-Fahrern, chauffeursähnlichen Profis, deren Service zwar hochwertig, aber kostspielig war. Der komplett freie Markt, den Uber in anderen Ländern durchsetzte, blieb in Italien aus.

1.000 neue Taxilizenzen in Rom

Doch die letzten Jahre brachten Bewegung in diese Strukturen. Der Druck der Digitalisierung, die Erwartungen internationaler Besucher und ein allgemein modernisierungsbedürftiges Stadtverkehrssystem ließen auch die Politik reagieren. In Rom kündigte der Bürgermeister 2024 erstmals seit Jahrzehnten die Ausgabe neuer Lizenzen an: 1.000 neue Taxilizenzen und zusätzliche Genehmigungen für NCC-Fahrzeuge sollen die chronische Knappheit lindern. Gleichzeitig professionalisierte sich der Markt weiter: Taxi-Verbände und Uber fanden Wege, gemeinsam zu arbeiten, statt gegeneinander.

Das Ergebnis ist ein System, das sich nicht radikal verändert, sondern sich schrittweise anpasst. In einigen Städten – wie Rom – existiert heute eine bemerkenswerte Koexistenz: günstige Taxis über die Uber-App einerseits, teure Premiumfahrten andererseits. In anderen Städten – wie Bologna – dominiert weiterhin das gehobene NCC-Angebot, das technisch unter dem Uber-Label läuft, aber eher an Limousinenservice erinnert. Dazwischen stehen Orte, in denen Uber Taxi erst seit Kurzem verfügbar ist und die App fast schon als Symbol für den Übergang in ein neues Mobilitätszeitalter wahrgenommen wird. Etwa dort, wo Uber Taxi offiziell verfügbar ist, wie in Rom, Mailand, Neapel oder Palermo.

Neue Art Flexibilität für Reisende

Für Reisende bedeutet das eine neue Art Flexibilität: Wer sparen möchte, wählt das Taxi in der App; wer Wert auf Komfort legt oder zu ungewöhnlichen Zeiten unterwegs ist, findet im NCC-Fahrer über Uber ein zuverlässiges, wenn auch teureres Angebot. Und für Italien selbst symbolisiert diese Entwicklung, dass Tradition und Modernisierung sich nicht ausschließen müssen, solange beide Seiten bereit sind, sich zu bewegen.

ℹ️ Wichtige Infos: Uber & Taxi in Italien

Gibt es Uber in Italien?

Ja – aber nur in bestimmten Städten. Am stärksten vertreten ist Uber in
Rom, Mailand, Bologna und Turin. In vielen anderen Städten ist der Dienst eingeschränkt oder gar nicht aktiv. In Neapel etwa gibt es kaum verfügbare Uber-Fahrten, da die lokalen Behörden die Plattform stark begrenzen. Uber in Italien funktioniert überwiegend als „Uber Black“ statt als typisches „Uber Pop“ / Privatfahrer-Modell.

Wie funktionieren Taxis in Italien?

Offizielle Taxis stehen an klar gekennzeichneten Taxiständen und dürfen festgelegte Tarife pro Stadt nicht überschreiten. In vielen Städten gelten Nachtzuschläge, Wochenendaufschläge oder Flughafenpauschalen.

Wichtig: Vorsicht vor inoffiziellen Fahrern. „NCC“-Fahrzeuge sind zwar legal,
aber nur mit Lizenz. auf der Straße wartende Fahrer ohne Erlaubnis sollte man meiden.

Empfohlene Taxi- & Mobilitäts-Apps

  • Free Now – verfügbar u. a. in Rom, Mailand, Neapel, Bologna
  • itTaxi – die wichtigste Taxi-App Italiens, landesweit verbreitet
  • Wetaxi – besonders in Mailand und Turin sehr populär

Beliebte Preisbeispiele (Richtwerte)

  • Rom Fiumicino → Stadtzentrum: Fixpreis 50 €
  • Neapel Flughafen → Zentrum: 18–25 € (abhängig von Stadtzone)
  • Mailand Linate → Zentrum: ca. 20–30 €
  • Mailand Malpensa → Zentrum: ca. 90–110 €

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