Start Aktuelles „Tu vuò fa‘ l’americano“ – Wenn Italien über den amerikanischen Traum lacht

„Tu vuò fa‘ l’americano“ – Wenn Italien über den amerikanischen Traum lacht

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Das Lied „Tu vuò fa' l'americano“ von Renato Carosone wurde nicht nur ein Hit – es wurde ein kulturelles Statement. (Bild: Open AI)
Das Lied „Tu vuò fa' l'americano“ von Renato Carosone wurde nicht nur ein Hit – es wurde ein kulturelles Statement. (Bild: Open AI)

Stell dir vor: Neapel, 1956. Das Nachkriegsitalien kommt langsam wieder auf die Beine – auf den Straßen spielt Musik, die Cafés brummen und überall hört man etwas, das nach „Rock’n’Roll“ klingt. Die Amerikaner waren allgegenwärtig – physisch und kulturell. Besonders die Jugend war begeistert vom amerikanischen Lebensstil: Jazz, Whiskey, Cola, Boogie-Woogie-Tänze. Es wirkte modern, frei, cool.

„Tu vuò fa‘ l’americano“ – Ein Klassiker

Und dann kam Renato Carosone – ein neapolitanischer Musiker mit einem herrlich ironischen Blick auf die Dinge. Sein Lied „Tu vuò fa‘ l’americano“ (Du willst den Amerikaner spielen) wurde zu einem musikalischen Spiegelbild dieses Trends – mit einem Augenzwinkern und viel Humor.

Im Song geht’s um einen typischen Italiener, der versucht, wie ein Amerikaner zu wirken: stylischer Anzug, Jazz-Musik, ein paar englische Worte, Whiskey mit Soda. Aber tief im Inneren lebt er noch bei Papa, lässt sich aushalten und geht sonntags brav mit Mama zur Kirche. Er spielt den Amerikaner, bleibt aber in Wahrheit ein echter Neapolitaner.

Das Lied wurde nicht nur ein Hit – es wurde ein kulturelles Statement. Kein Spott, sondern liebevolle Ironie über die, die zu sehr eine fremde Kultur nachahmen und dabei ihre eigene vergessen. Carosone sagte selbst: „Ich habe nichts gegen Amerika. Ich liebe die Italiener – so wie sie sind.“

Dieses Lied ist wie ein neapolitanisches Lächeln

Und das Beste: „Tu vuò fa‘ l’americano“ ist auch Jahrzehnte später noch relevant. Jude Law und Matt Damon sangen es im Film „The Talented Mr. Ripley“, es wurde in Clubs neu aufgelegt, und die Botschaft – sich selbst treu zu bleiben – ist heute genauso aktuell wie damals.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war „Tu vuò fa‘ l’americano“ ein musikalischer Stilbruch. Während die italienische Musikszene damals noch stark von traditioneller Canzone beeinflusst war, kombinierte Carosone plötzlich neapolitanischen Dialekt mit Elementen des Jazz, Swing und sogar Boogie-Woogie. Diese Mischung war revolutionär – sie sprach nicht nur junge Leute an, sondern brachte frischen Wind in die italienische Populärmusik. Carosone wurde dadurch zu einem Wegbereiter moderner italienischer Unterhaltungsmusik.

Verboten – und doch unsterblich

Weniger bekannt ist, dass das Lied in der Frühzeit mancherorts zensiert oder aus Radios verbannt wurde. Der Grund? Einige konservative Kreise fanden es unanständig, über Whiskey, moderne Tänze und ein freies Lebensgefühl zu singen – vor allem im Zusammenhang mit dem amerikanischen Einfluss. Doch das machte den Song nur noch populärer. Heute gilt er als Klassiker, der mit Witz und Charme zeigt, wie kulturelle Selbstreflexion auch unterhaltsam und tanzbar sein kann.

Dieses Lied ist wie ein neapolitanisches Lächeln – gerichtet an alle, die vergessen: Am besten ist man, wenn man man selbst bleibt. Auch wenn man sich manchmal gerne wie ein New Yorker fühlen möchte.

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