Start Aktuelles Studium in Italien: Chancen, Strukturen, Kosten und Perspektiven

Studium in Italien: Chancen, Strukturen, Kosten und Perspektiven

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Studium in Italien: Bewerbung, Studiengebühren und Hochschulsystem sind zentrale Themen für deutsche Studentinnen und Studenten. (Foto: © Gorodenkoff / Adobe Stock)
Studium in Italien: Bewerbung, Studiengebühren und Hochschulsystem sind zentrale Themen für deutsche Studentinnen und Studenten. (Foto: © Gorodenkoff / Adobe Stock)

Italien ist nicht nur ein Sehnsuchtsort für Kultur- und Genussliebhaber, sondern auch ein traditionsreicher Hochschulstandort mit internationaler Ausrichtung. Jährlich entscheiden sich tausende Studenten aus dem Ausland für ein Studium zwischen Mailand, Rom, Bologna oder Florenz. Die Kombination aus akademischer Tradition, moderaten Studiengebühren und hoher Lebensqualität macht das Land besonders attraktiv. Doch wie ist das Studium in Italien organisiert, welche Kosten entstehen und was sollten deutsche Studieninteressierte konkret beachten?

Hochschulsystem und Studienaufbau

Das italienische Hochschulsystem ist vollständig in den Europäischen Hochschulraum integriert und folgt dem Bologna-Modell. Das Studium ist in einen dreijährigen Bachelorabschluss, die sogenannte Laurea, gegliedert. Daran schließt sich die zweijährige Laurea Magistrale an, die dem Master entspricht. Wer eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebt, kann im Anschluss ein mehrjähriges Promotionsstudium, das Dottorato di Ricerca, absolvieren. Daneben existieren praxisorientierte einjährige Masterprogramme, die stärker berufsbezogen ausgerichtet sind und nicht mit dem klassischen Masterabschluss gleichzusetzen sind.

Die meisten Universitäten sind staatlich organisiert, daneben gibt es private Hochschulen und spezialisierte Institute etwa für Design, Mode, Architektur oder Wirtschaft. International besonders anerkannt sind italienische Hochschulen in den Bereichen Architektur, Kunstgeschichte, Restaurierung, Ingenieurwesen, Betriebswirtschaft und Politikwissenschaft. Auch Medizin und Pharmazie genießen einen guten Ruf, unterliegen jedoch strengen Zugangsvoraussetzungen.

Bewerbung und Zulassung

Für deutsche Studenten ist der Zugang grundsätzlich unkompliziert, da das deutsche Abitur anerkannt wird. Die Bewerbung erfolgt direkt bei der jeweiligen Universität und zusätzlich über das nationale Portal Universitaly, das als zentrale Plattform für internationale Bewerber dient. Wichtig ist, die jeweiligen Fristen genau zu beachten, da diese sich je nach Hochschule unterscheiden können.

In Studiengängen mit begrenzter Platzzahl, insbesondere in der Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin oder Architektur, ist ein landesweit einheitlicher Aufnahmetest vorgeschrieben. Dieser Test findet einmal jährlich statt und entscheidet maßgeblich über die Zulassung. Für englischsprachige Medizinprogramme existiert ein eigener internationaler Test, der ebenfalls zentral organisiert wird.

Unterrichtssprache und Sprachkenntnisse

Die überwiegende Zahl der Studiengänge wird auf Italienisch angeboten. Entsprechend sind solide Sprachkenntnisse erforderlich, häufig auf dem Niveau B2. Viele Universitäten verlangen einen offiziellen Sprachnachweis. Parallel dazu wächst das Angebot englischsprachiger Studiengänge stetig, vor allem im Masterbereich und in wirtschafts- oder ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Wer auf Englisch studiert, muss entsprechende Zertifikate wie IELTS oder TOEFL vorlegen.

Auch wenn das Studium auf Englisch absolviert wird, erleichtern Italienischkenntnisse den Alltag erheblich. Behördengänge, Wohnungssuche und soziale Integration gestalten sich deutlich einfacher, wenn zumindest grundlegende Sprachkenntnisse vorhanden sind.

Studiengebühren und Finanzierung

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gelten die Studiengebühren in Italien als moderat. An staatlichen Universitäten sind sie einkommensabhängig gestaffelt. Maßgeblich ist dabei die sogenannte ISEE-Erklärung, die das Familieneinkommen berücksichtigt. Für internationale Studenten werden teilweise pauschale Beträge berechnet. Je nach Hochschule und Einkommenssituation bewegen sich die jährlichen Gebühren meist zwischen einigen hundert und etwa dreitausend Euro.

Private Universitäten verlangen deutlich höhere Beiträge, die mehrere tausend Euro pro Jahr betragen können. Hinzu kommen Lebenshaltungskosten, die je nach Stadt stark variieren. Während Mailand, Rom oder Florenz vergleichsweise teuer sind, fallen die Kosten in südlichen Regionen oder kleineren Universitätsstädten deutlich niedriger aus. Durchschnittlich sollten Studenten zwischen 800 und 1.200 Euro monatlich für Miete, Verpflegung, Transport und persönliche Ausgaben einplanen.

Finanzierungsmöglichkeiten bestehen über Erasmus+, über deutsche BAföG-Leistungen für ein komplettes Studium im EU-Ausland sowie über italienische Stipendienprogramme der Regionen oder Universitäten. Besonders attraktiv sind regionale Förderungen, die neben finanzieller Unterstützung auch vergünstigte Mensaangebote oder Wohnheimplätze umfassen können.

Studium in Italien: Historische Universitätsgebäude wie in Bologna verbinden jahrhundertealte akademische Tradition mit modernem Hochschulalltag. (Foto: © Bastian Glumm)
Studium in Italien: Historische Universitätsgebäude wie in Bologna verbinden jahrhundertealte akademische Tradition mit modernem Hochschulalltag. (Foto: © Bastian Glumm)

Studienalltag und Prüfungsstruktur

Der Studienalltag unterscheidet sich in einigen Punkten vom deutschen System. Das akademische Jahr beginnt meist im September oder Oktober und ist in zwei Semester gegliedert. Prüfungen finden häufig in mehreren sogenannten Appelli statt, also Prüfungsterminen, die über mehrere Wochen verteilt sind. Studenten können teilweise selbst entscheiden, wann sie eine Prüfung ablegen, was eine flexible Studienplanung ermöglicht, aber auch Eigenverantwortung erfordert.

Vorlesungen sind oft theoretisch geprägt, wobei sich die Lehrformen je nach Fachrichtung unterscheiden. Mündliche Prüfungen sind in Italien deutlich verbreiteter als in Deutschland und machen einen wichtigen Teil der Leistungsbewertung aus. Die Notenskala reicht von 18 bis 30 Punkten, wobei 30 mit Auszeichnung die Bestnote darstellt.

Wohnen und Integration

Die Wohnungssuche ist vor allem in großen Städten eine Herausforderung. Studentenwohnheime sind begrenzt, private Zimmer in Wohngemeinschaften daher die häufigste Wohnform. Frühzeitige Recherche ist entscheidend, da der Markt zu Semesterbeginn stark angespannt sein kann. Viele Universitäten unterhalten internationale Büros, die bei organisatorischen Fragen unterstützen.

Italienische Universitätsstädte zeichnen sich durch ein lebendiges studentisches Leben aus. Cafés, Bibliotheken, kulturelle Veranstaltungen und studentische Initiativen prägen den Alltag. Gleichzeitig erfordert die italienische Bürokratie Geduld, etwa bei der Beantragung der Steuernummer oder bei administrativen Einschreibeverfahren.

Renommierte Universitäten und ihre Profile

Zu den international bekanntesten Hochschulen zählt die Università di Bologna, die als älteste Universität Europas gilt und bis heute ein breites Fächerspektrum von Geistes- über Sozial- bis zu Naturwissenschaften anbietet. In Rom prägt die Sapienza Università di Roma mit ihrer Größe und Forschungsstärke das akademische Leben der Hauptstadt und gehört zu den größten Universitäten Europas. Besonders in den Bereichen Physik, Medizin und Altertumswissenschaften genießt sie internationales Ansehen.

Im Norden Italiens steht das Politecnico di Milano für technische Exzellenz und Innovationskraft. Die Hochschule zählt zu den führenden Adressen Europas für Architektur, Design und Ingenieurwissenschaften und kooperiert eng mit der Industrie. Ebenfalls renommiert ist die Università Bocconi in Mailand, die sich auf Wirtschaft, Management und Finanzwissenschaften spezialisiert hat und stark international ausgerichtet ist. Diese Profile zeigen, wie unterschiedlich die italienische Hochschullandschaft aufgestellt ist und wie gezielt Studenten je nach Fachrichtung ihren Studienort auswählen können.

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