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Largo di Torre Argentina: Roms vergessener Tempelkomplex

Bastian Glumm6 Min. Lesezeit
Blick über die antiken Tempelruinen der Area Sacra am Largo di Torre Argentina im historischen Zentrum von Rom.
Blick über die antiken Tempelruinen der Area Sacra am Largo di Torre Argentina im historischen Zentrum von Rom. (Foto: © Bastian Glumm)
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Mitten im historischen Zentrum von Rom liegt ein Ort, den viele Besucher zunächst übersehen. Zwischen belebten Straßen, Cafés und Wohnhäusern öffnet sich am Largo di Torre Argentina plötzlich eine große archäologische Fläche mit antiken Säulen, Tempelresten und Mauern aus der Zeit der römischen Republik. Die sogenannte „Area Sacra“ gehört zu den bedeutendsten antiken Fundstätten der Stadt und erlaubt einen unmittelbaren Blick in eine Zeit, in der Rom noch am Anfang seiner Geschichte stand.

Als wir vor einigen Jahren im Sommer zu Fuß durch das Zentrum der Stadt unterwegs waren, sind wir nicht gezielt zu dieser Ausgrabungsstätte gegangen. Vielmehr sind wir eher zufällig darauf gestoßen. Zwischen den Häusern öffnete sich plötzlich der Blick auf eine tieferliegende Fläche voller antiker Säulen und Mauerreste. Gerade dieser unerwartete Moment macht den Ort besonders eindrucksvoll. Die Fotos in diesem Beitrag entstanden ebenfalls bei diesem Spaziergang durch Rom im Sommer 2022.

Ein heiliger Bezirk aus der römischen Republik

Die Anlage am Largo di Torre Argentina ist kein einzelner Tempel, sondern ein ganzer sakraler Komplex. Archäologen haben hier mehrere Tempelbauten identifiziert, die zwischen dem 4. und dem 2. Jahrhundert vor Christus entstanden sind. Die heute sichtbaren Säulenreste, Fundamente und Mauerzüge markieren die Standorte dieser Heiligtümer, die einst verschiedenen Gottheiten gewidmet waren.

Der Begriff „Area Sacra“ beschreibt genau diese Funktion: einen heiligen Bezirk innerhalb der antiken Stadt. Die Tempel standen auf erhöhten Plattformen und waren Teil eines religiösen Zentrums, das in der römischen Republik eine wichtige Rolle spielte. Über Jahrhunderte hinweg wurde die Anlage erweitert und umgebaut, wodurch mehrere Bauphasen sichtbar sind, die heute archäologisch nachvollzogen werden können.

Antike Säulen und Mauerreste der republikanischen Tempelanlage am Largo di Torre Argentina, einer der bedeutendsten archäologischen Stätten im Zentrum Roms. (Foto: © Bastian Glumm)
Antike Säulen und Mauerreste der republikanischen Tempelanlage am Largo di Torre Argentina, einer der bedeutendsten archäologischen Stätten im Zentrum Roms. (Foto: © Bastian Glumm)

Ein Ort mit weltgeschichtlichem Hintergrund

Die Umgebung des Largo di Torre Argentina ist auch mit einem der bekanntesten Ereignisse der römischen Geschichte verbunden. In unmittelbarer Nähe befand sich die Curia des Pompeius, ein Versammlungsgebäude des römischen Senats. Dort wurde im Jahr 44 v. Chr. Julius Caesar von einer Gruppe von Senatoren ermordet.

Der genaue Ort dieser Tat liegt zwar nicht direkt innerhalb der heute sichtbaren Tempelruinen, doch die historische Szenerie befindet sich im unmittelbaren Umfeld der Ausgrabung. Dadurch erhält der Platz eine zusätzliche geschichtliche Bedeutung, die weit über die archäologischen Strukturen hinausgeht.

Antike Ruinen im modernen Stadtbild

Besonders faszinierend ist der Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Während unten in der Ausgrabung die Reste antiker Tempel stehen, erhebt sich rund um das Areal das heutige Rom mit mehrstöckigen Häusern, Verkehr und modernen Geschäften. Die Säulen und Mauern wirken dadurch wie ein Fenster in eine andere Epoche.

Viele der Säulen ragen noch mehrere Meter in die Höhe, andere sind nur noch als Basen oder Mauerreste erhalten. Zwischen ihnen lassen sich die Grundrisse der Tempel erkennen, die einst diesen Teil der Stadt prägten. Der Blick über die Anlage vermittelt einen Eindruck davon, wie dicht bebaut und religiös geprägt das republikanische Rom gewesen sein muss.

In unmittelbarer Nähe dieser Ruinen befand sich die Curia des Pompeius – jener Ort, an dem Julius Caesar im Jahr 44 v. Chr. von Verschwörern ermordet wurde. (Foto: © Bastian Glumm)
In unmittelbarer Nähe dieser Ruinen befand sich die Curia des Pompeius – jener Ort, an dem Julius Caesar im Jahr 44 v. Chr. von Verschwörern ermordet wurde. (Foto: © Bastian Glumm)

Ein besonderer Ort im Herzen der Stadt

Wer durch das Zentrum Roms spaziert, erreicht den Largo di Torre Argentina fast automatisch. Der Platz liegt nur wenige Minuten von bedeutenden Sehenswürdigkeiten entfernt und lässt sich leicht in einen Rundgang durch die Altstadt integrieren. Gerade weil die Anlage weniger bekannt ist als das Kolosseum oder das Forum Romanum, wirkt sie überraschend ruhig.

Die Area Sacra zeigt ein Rom, das älter ist als viele der berühmtesten Monumente der Stadt. Hier begegnet man den archäologischen Spuren der Republik. Jener Epoche, in der Rom noch keine Weltmacht war, sondern eine Stadt, deren Geschichte sich gerade erst zu entfalten begann.

Besuch der Area Sacra am Largo di Torre Argentina

Standort
Largo di Torre Argentina, 00186 Rom. Der Zugang zur Ausgrabungsstätte befindet sich in der Via di San Nicola De’ Cesarini, nur wenige Schritte vom Pantheon, der Piazza Navona und dem Campo de’ Fiori entfernt.

Wie man hingelangt
Die Anlage liegt mitten im historischen Zentrum und ist am besten zu Fuß erreichbar. Von der Piazza Venezia sind es etwa zehn Minuten, vom Pantheon rund fünf Minuten. Zahlreiche Buslinien halten in unmittelbarer Nähe, unter anderem an den Haltestellen Torre Argentina und Corso Vittorio Emanuele.

Öffnungszeiten
Geöffnet ist die Anlage in der Regel von Dienstag bis Sonntag. Von Frühjahr bis Herbst etwa von 9.30 bis 19.00 Uhr, in den Wintermonaten mit verkürzten Zeiten bis etwa 16.00 Uhr. Montags bleibt die Area Sacra geschlossen.

Eintritt
Der reguläre Eintritt beträgt etwa 7 Euro, ermäßigt rund 4 Euro. Einwohner der Stadt Rom haben mit entsprechendem Nachweis freien Zugang. Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt im Rahmen der staatlichen Kulturinitiative ebenfalls kostenlos.

Geführte Rundgänge
Die Ausgrabungsstätte kann individuell besucht werden. Zusätzlich werden immer wieder archäologisch begleitete Führungen und Sonderöffnungen organisiert, bei denen Experten die Geschichte der Tempel und der römischen Republik erläutern.

Besonderheit
Die Anlage wurde 2023 umfassend neu erschlossen. Besucher können die Tempelreste heute über einen erhöhten Steg aus nächster Nähe betrachten – ein Perspektivwechsel, der lange Zeit nicht möglich war.

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