
Italien hat sein traditionell großzügiges Staatsbürgerschaftsrecht reformiert und den Erwerb der italienischen Staatsbürgerschaft über Abstammung deutlich eingeschränkt. Eine entsprechende Gesetzesänderung wurde im Frühjahr 2025 beschlossen und später vom Parlament bestätigt. Seitdem wird das sogenannte ius sanguinis, also die Weitergabe der Staatsbürgerschaft über Abstammung, deutlich enger ausgelegt.
Ende einer weitreichenden Regelung
Lange Zeit galt Italien als eines der Länder mit den großzügigsten Regelungen zur Staatsbürgerschaft durch Abstammung. Wer seine direkte Linie zu einem italienischen Vorfahren nachweisen konnte, hatte grundsätzlich Anspruch auf einen italienischen Pass, selbst wenn dieser Vorfahre mehrere Generationen zurücklag.
Vor allem in Südamerika nutzten viele Menschen diese Möglichkeit. Länder wie Argentinien oder Brasilien haben eine besonders große italienische Diaspora, da im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Millionen Italiener dorthin auswanderten.
Regierung will Missbrauch eindämmen
Mit der Reform will die Regierung den Zugang zur Staatsbürgerschaft stärker an eine tatsächliche Verbindung zu Italien knüpfen. Außenminister Antonio Tajani erklärte nach der Entscheidung des Ministerrats, das Prinzip des ius sanguinis bleibe bestehen, müsse aber klar begrenzt werden, um Missbrauch und eine Kommerzialisierung italienischer Pässe zu verhindern. Darüber berichtete auch ANSA.
Künftig nur noch bis zu Eltern oder Großeltern
Kern der Reform ist eine deutliche Einschränkung der automatischen Weitergabe der Staatsbürgerschaft. Nach Angaben von ANSA gilt das ius sanguinis künftig grundsätzlich nur noch für zwei Generationen: Italienischer Staatsbürger von Geburt an ist demnach nur noch, wer mindestens einen Elternteil oder einen Großelternteil hat, der in Italien geboren wurde.
Auch Corriere della Sera schrieb unmittelbar nach dem Kabinettsbeschluss, dass Anträge nach den alten Regeln seitdem nicht mehr möglich seien und die Staatsbürgerschaft nur noch bis zur Großelterngeneration weitergegeben werde.
Reform löst in Italien heftige Debatten aus
Die Reform löste in Italien sofort eine politische Debatte aus. Wie La Repubblica berichtete, stellte die Regierung die Neuregelung als Schutz vor ausufernden Ansprüchen ohne echte Bindung an Italien dar. Zugleich gab es Kritik, vor allem mit Blick auf Nachfahren italienischer Auswanderer, deren familiäre Wurzeln zwar in Italien liegen, aber weiter zurückreichen.
Dass das Thema auch innerhalb der Regierungsmehrheit umstritten war, zeigte zudem ein weiterer Bericht von La Repubblica, in dem von Spannungen innerhalb des Mitte-rechts-Lagers die Rede war. Im Mai 2025 wurde das Dekret schließlich endgültig in Gesetzesform überführt. Darüber berichtete erneut ANSA. Damit wurde die Verschärfung beim Zugang zur Staatsbürgerschaft offiziell besiegelt.
Millionen Nachfahren könnten betroffen sein
Für viele Nachfahren italienischer Emigranten dürfte die Reform weitreichende Folgen haben. Wer seine italienischen Wurzeln nur über weiter zurückliegende Generationen nachweisen kann, hat künftig deutlich schlechtere Chancen auf einen italienischen Pass. Besonders stark betrifft das Menschen in Ländern mit großer italienischer Diaspora wie Argentinien, Brasilien oder den USA.
Bereits anerkannte italienische Staatsbürger behalten ihren Status. Für neue Antragsteller aber ist der Weg zur italienischen Staatsbürgerschaft seit der Reform erheblich enger geworden.




































