Start Aktuelles Arbeiten mit dem Handy aus Italien? Ein Blick hinter Instagram-Versprechen

Arbeiten mit dem Handy aus Italien? Ein Blick hinter Instagram-Versprechen

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Es könnte so schön einfach sein: ein Smartphone, ein Strand in Italien und das Geld kommt von allein. Die Realität sieht meist etwas anders aus. (Foto: © Antonioguillem / Adobe Stock)
Es könnte so schön einfach sein: ein Smartphone, ein Strand in Italien und das Geld kommt von allein. Die Realität sieht meist etwas anders aus. (Foto: © Antonioguillem / Adobe Stock)

Wer sich mit dem Thema Auswandern nach Italien beschäftigt, kennt sie vermutlich: Beiträge auf Instagram, in denen Menschen berichten, sie hätten sich mit ihrem Smartphone ein freies Leben aufgebaut. Arbeiten am Strand, ein Cappuccino in der Hand, ein paar Stunden Social Media und das Einkommen kommt angeblich fast von selbst. Gerade in den vergangenen Monaten sind uns solche Angebote mehrfach begegnet.

Kontaktaufnahme über Kommentare und Direktnachrichten

Der erste Kontakt entsteht meist ganz unscheinbar. Ein Kommentar unter einem unserer Reels, ein Like unter mehreren Beiträgen, ein neues Follow. Kurz darauf folgt eine private Nachricht. Die Frage ist oft ähnlich formuliert: Ob wir uns schon einmal mit einem Online-Business beschäftigt hätten. Oder ob wir nicht auch daran interessiert seien, ortsunabhängig uns remote richtig viel Geld zu verdienen.

In einem Fall blieb es nicht einmal bei Textnachrichten. Die betreffende Person schickte auch Sprachnachrichten und erzählte von ihrem angeblich sehr erfolgreichen digitalen Geschäftsmodell. Die Botschaft klang verlockend: Man brauche lediglich sein Smartphone und ein bis zwei Stunden Zeit am Tag. Damit könne man sich ein Einkommen aufbauen. Ganz egal, wo man lebt.

Einladungen zu Calls und Präsentationen

Was dabei ebenfalls auffällt: Konkrete Informationen über das eigentliche Geschäftsmodell bleiben zunächst aus. Stattdessen wird häufig zu weiteren Schritten eingeladen. Mehrfach wurde uns angeboten, an einem Call teilzunehmen – etwa über Zoom – oder sich eine Präsentation beziehungsweise ein Video anzusehen, in dem das System angeblich ausführlich erklärt werde.

Die Formulierung ist dabei meist ähnlich: Man könne „das Ganze einmal in Ruhe durchgehen“, man müsse sich „das System nur kurz erklären lassen“ oder man solle „sich einfach den Film anschauen, dann werde alles klar“. Eine direkte Antwort auf die Frage, worum es eigentlich konkret geht, bekommt man jedoch selten. Stattdessen bleibt vieles zunächst im Ungefähren.

Viel Versprechen, wenig konkrete Antworten

Erst wenn man sich länger auf solche Gespräche einlässt, wird nach und nach deutlicher, worauf das Ganze hinausläuft. In der Regel soll man zunächst selbst ein kostenpflichtiges Programm erwerben. Dabei handelt es sich meist um einen Onlinekurs oder ein digitales Marketing-System. Die Preise liegen häufig im Bereich von mehreren hundert bis über 1.000 Euro. Kurioserweise werden im Zusammenhang mit derartigen Preisen nicht selten Möglichkeiten zur Ratenzahlung direkt mit aufgezeigt.

Das Einkommen entsteht anschließend dadurch, dass man dieses Programm selbst weiterverkauft. Mit anderen Worten: Aus dem Interessenten wird ein Verkäufer.

Das Versprechen vom einfachen Einkommen

Genau an diesem Punkt stellt sich eine entscheidende Frage: Wie realistisch ist das Versprechen, mit wenigen Stunden Smartphone-Nutzung pro Tag ein stabiles Einkommen aufzubauen? Denn tatsächlich funktioniert ein Online-Business – ganz gleich welcher Art – in der Regel nur mit erheblichem Aufwand.

Reichweite muss aufgebaut werden, Inhalte müssen produziert werden, Interessenten müssen angesprochen werden. Wir können davon ein Lied singen! Wer etwas verkauft, betreibt letztlich Vertrieb. Das Bild vom automatisierten Einkommen mit minimalem Zeitaufwand wirkt vor diesem Hintergrund zumindest stark vereinfacht.

Warum gerade Auswanderer angesprochen werden

Auffällig ist zudem, dass solche Instagram-Accounts gezielt Menschen kontaktieren, die sich mit dem Leben im Ausland beschäftigen. Auswanderer-Communities oder Seiten über das Leben in Italien sind dafür besonders interessant.

Der Grund liegt auf der Hand: Wer nach Italien (oder anderswo) auswandert oder darüber nachdenkt, sucht häufig nach Möglichkeiten, ortsunabhängig zu arbeiten. Genau an diesem Wunsch knüpfen die Versprechen vieler dieser Angebote an. Die Kombination aus Italien, Freiheit und digitalem Einkommen erzeugt ein sehr starkes Bild.

Instagram-Versprechen: Ein genauer Blick lohnt sich

Unsere eigenen Erfahrungen zeigen vor allem eines: Bei Angeboten, die ein scheinbar müheloses Einkommen versprechen, lohnt es sich immer, genauer hinzusehen und kritisch nachzufragen. Ein funktionierendes Geschäftsmodell lässt sich in der Regel klar erklären. Wenn hingegen viele Fragen offen bleiben und konkrete Informationen erst über zusätzliche Gespräche, Calls oder Präsentationen angekündigt werden, ist ein genauer Blick besonders wichtig.

Der Traum vom Leben in Italien ist für viele Menschen ein echtes Ziel. Beim Thema Einkommen gilt jedoch auch hier eine einfache Regel: Nachhaltige Arbeit entsteht selten allein durch ein Smartphone. Und schon gar nicht über Nacht.

Unscheinbare Profile nehmen Kontakt auf und kommen wieder

Interessant ist auch, dass viele der Profile auf den ersten Blick gar nicht als Anbieter eines solchen Geschäftsmodells zu erkennen sind. In mehreren Fällen handelte es sich scheinbar um ganz normale Accounts auf Instagram von Frauen, die ihr Leben in Italien zeigen: kleine Alltagsmomente, kurze Reels über Beauty oder Lifestyle, Eindrücke aus Cafés oder von Spaziergängen. Erst im direkten Kontakt wird deutlich, dass hinter diesen Profilen häufig doch ein geschäftliches Interesse steckt. Die eigentlichen Angebote bleiben dabei zunächst im Hintergrund und werden erst im Verlauf persönlicher Nachrichten angesprochen.

Auffällig war zudem, dass manche Kontakte auch nach längerer Zeit wieder aufgenommen wurden. Selbst nachdem wir deutlich gemacht hatten, dass kein Interesse besteht, meldeten sich einzelne Accounts Wochen oder Monate später erneut. Oft mit scheinbar beiläufigen Fragen auf Instagram wie „Wie geht es euch?“ oder „Wie ist das Wetter bei euch in Italien?“. Solche Nachrichten wirken zunächst harmlos, zeigen aber, dass die Gesprächsanbahnung häufig sehr geduldig und über einen längeren Zeitraum hinweg erfolgt. Ziel scheint es zu sein, den Kontakt aufrechtzuerhalten und zu einem späteren Zeitpunkt erneut über das angebliche Online-Business ins Gespräch zu kommen.

Ein häufiges Muster bei Social-Media-Business-Programmen

Viele der Accounts, die solche Online-Business-Modelle bewerben, bleiben nur für eine begrenzte Zeit dabei. Ein häufiger Grund: Viele Teilnehmer steigen mit der Erwartung ein, mit wenig Aufwand und einigen Stunden Smartphone-Nutzung pro Tag ein Einkommen aufbauen zu können. So, wie es ja auch beworben wird. In der Praxis zeigt sich jedoch oft schnell, dass dafür kontinuierliche Social-Media-Arbeit, Reichweite und vor allem aktiver Verkauf nötig sind.

Hinzu kommt, dass häufig viele Menschen gleichzeitig dasselbe Programm verkaufen. Dadurch wächst die Konkurrenz schnell und es wird zunehmend schwieriger, neue Käufer zu finden. Nicht wenige Teilnehmer ziehen sich deshalb nach einiger Zeit wieder zurück oder wenden sich anderen Projekten zu. Nicht selten mit monetären Verlusten.

Von außen ist das oft kaum sichtbar: Während einige wenige Accounts langfristig aktiv bleiben, verschwinden viele andere Profile nach einiger Zeit wieder aus diesem Umfeld oder verändern ihren Content grundlegend.

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