Seit Mittwoch, 9. September 2026, steht Diamante an der kalabrischen Riviera dei Cedri wieder ganz im Zeichen der scharfen Schote. Bis Sonntag, 13. September, verbindet die 34. Ausgabe des Peperoncino Festivals regionale Küche, Konzerte, Straßenkunst, Ausstellungen, politische Diskussionen und Wettbewerbe. Schauplätze sind der Lungomare, der Lungofiume, die Piazza Municipio und die Gassen der Altstadt. Im Mittelpunkt des diesjährigen Programms steht die Anerkennung des Peperoncino di Calabria als geschützte geografische Angabe: Nach rund 25 Jahren Vorarbeit ist der kalabrische Chili 2026 als Peperoncino di Calabria IGP in das europäische Register der geschützten Herkunftsbezeichnungen aufgenommen worden.
Peperoncino di Calabria IGP im Mittelpunkt
Der Peperoncino di Calabria IGP ist in den gastronomischen Ständen entlang des Lungomare und des Lungofiume präsent. Informationsmaterial soll den Besuchern erklären, welche Anforderungen mit der neuen Herkunftsbezeichnung verbunden sind und welche Bedeutung sie für Produzenten, Landwirtschaft und Vermarktung hat.
Die Anerkennung geht maßgeblich auf die Arbeit des Consorzio dei produttori del Peperoncino di Calabria mit Sitz in San Marco Argentano zurück. Unterstützt wurde das Konsortium durch das Landwirtschaftsressort der Region Kalabrien. Konsortiums-Präsident Pietro Serra erklärte, der erreichte Erfolg öffne den Weg zu weiteren Zielen und neuen Entwicklungsmöglichkeiten. Beim Festival beschäftigt sich zudem eine Fachveranstaltung mit den Perspektiven der neuen IGP-Bezeichnung: Angekündigt sind unter anderem Pietro Serra, Fulvia Caligiuri als Direktorin der regionalen Agrarbehörde ARSAC und der kalabrische Landwirtschaftsminister Gianluca Gallo.

Mut zur Schärfe: Beim Peperoncino Festival in Diamante dreht sich fünf Tage lang alles um die feurige Schote.
Eröffnet wurde das Festival am Mittwoch auf der Piazza Municipio. Bürgermeister Achille Ordine übergab dabei symbolisch die Schlüssel der Stadt an Gianni Pellegrino, der seit vielen Jahren als Re Peperoncino durch das Programm führt. Als prominenter Gast war die italienische Fernsehmoderatorin Elisa Isoardi angekündigt.
Kalabrische Küche am Lungomare
Ein großer Teil des Festivals widmet sich der kalabrischen Küche. Unter dem Titel „Mangiare Mediterraneo" präsentieren Produzenten und Gastronomen am historischen Lungomare typische Lebensmittel, handwerklich hergestellte Spezialitäten und neue Kreationen aus der Region. Der Peperoncino spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Geschichte und die Produkte der mediterranen Ernährung. Am beleuchteten Lungofiume befindet sich eine weitere gastronomische Zone mit traditionellen Gerichten, Pizza und regionalen Spezialitäten.

Re Peperoncino begrüßt die Besucher in Diamante: Fünf Tage lang wird die kalabrische Küstenstadt zur Bühne für Kulinarik, Musik und Straßenkunst.
In der Piazzetta San Biagio stellen Köche der Accademia del Peperoncino und die Cuochi Pittagorici bei „Calabria nel piatto" ihre Küche vor. Geplant sind täglich Showcookings, moderierte Verkostungen und Gerichte, bei denen jeweils unterschiedliche Peperoncino-Sorten verwendet werden. Zu den kulinarischen Gästen gehört der neapolitanische Pizzaiolo Errico Porzio, der bei seinem Auftritt Techniken der Pizzazubereitung erläutert und das Publikum seine Kreationen probieren lässt.
Ein weiterer Höhepunkt ist die Verleihung des „Principe Gourmet". Die von dem Fernsehmoderator Ciro Tortorella initiierte Auszeichnung geht 2026 an den aus Kampanien stammenden Koch Ilario Vinciguerra, der für seine mediterran inspirierte Küche bekannt ist. Der kalabrische Goldschmied Gerardo Sacco hat die Trophäe gestaltet. Überreicht wird sie von Alfonso Iaccarino, der als Vorsitzender der Jury an der Auswahl beteiligt war.
Eine Premiere erlebt beim Festival die „BonaZzZa", eine moderne Interpretation der traditionellen kalabrischen Pitta. Entwickelt wurde sie von den drei Köchinnen Annita Ferragina, Rossella Costa und Lidia Cipriani. Für den Teig wird ausschließlich in Kalabrien angebautes Getreide verwendet. Hinzu kommen rote Paprika, Kartoffeln, in Zibibbo marinierte rote Zwiebeln aus Tropea mit IGP-Schutz und Pecorino Romano DOP als einzige nicht-kalabrische Hauptzutat. Bei den italienischen Kochmeisterschaften 2026 erreichte das Team mit der „BonaZzZa" den dritten Platz und gewann eine Bronzemedaille. Vorgestellt wird die Pitta am heutigen Donnerstag, 10. September, um 22 Uhr bei einem Showcooking mit anschließender Verkostung in der Piazzetta San Biagio.
Konzerte, Rino Gaetano und ein Musik-Theater
Auch musikalisch ist das Festival breit aufgestellt. Auf dem Cala Stage an der Piazza Municipio und in der Carlomagno Arena am Lungofiume treten unter anderem Marina Rei, Peppe Voltarelli, Amalfitano, Studio Murena und Erica Mou auf. Peppe Voltarelli bringt mit „Onda Calabra – Storia di una canzone" ein musikalisches Theaterprojekt nach Diamante. Im Mittelpunkt steht ein Lied, das Voltarelli für einen Film von Giuseppe Gagliardi schrieb; die Geschichte handelt von einer italienischen Gemeinschaft in Deutschland und beschäftigt sich mit Auswanderung, Identität und Erinnerung.
Ein eigener Schwerpunkt erinnert an den kalabrischen Musiker Rino Gaetano, dessen Tod sich 2026 zum 45. Mal jährt. Eine von Amedeo Fusco kuratierte Kunstausstellung beleuchtet Gaetanos Werk, seine Ironie und seine gesellschaftskritischen Texte. Ergänzt wird sie durch ein Konzert der Tribute-Band Le Bateau Mouche. Zum 30-jährigen Bestehen der Zusammenarbeit zwischen dem Festival und den Raggi Fotonici ist außerdem ein Konzert unter der Leitung von Vince Tempera vorgesehen, der als Dirigent und Komponist unter anderem für zahlreiche italienische Fernsehmelodien und Filmmusiken bekannt ist.

Von mild bis extrem scharf: Beim Peperoncino Festival werden mehr als 200 Capsicum-Sorten aus aller Welt präsentiert.
Straßenkunst zwischen Kalabrien und der Welt
An allen fünf Festivaltagen verwandeln sich die Straßen Diamantes zwischen 19 und 24 Uhr in eine große Freilichtbühne. Clowns, Musiker, Stelzenläufer, Akrobaten, Feuerkünstler und folkloristische Gruppen ziehen durch die Altstadt und beziehen das Publikum in ihre Darbietungen ein. Bei „Settembre in strada" begegnen sich kalabrische Traditionen und internationale Volkskultur.
Tarantella-Gruppen, die Giganti di Monte Poro und Darstellungen rund um die süditalienischen Legendenfiguren Mata und Grifone treffen auf farbenprächtige Tänze und Kostüme aus Bolivien sowie Trommeln und Musik aus Senegal. Zu den internationalen Gästen gehören der senegalesische Botschafter in Rom, Ngor Ndiaye, sowie der Botschafter Burundis. Ergänzt wird das Programm durch Veranstaltungen über regionale Fischertraditionen und den religiösen Kult um die Unbefleckte Empfängnis, die Schutzpatronin von Diamante.
Debatten über 'Ndrangheta, Geopolitik und Geschichte
Der Begriff „piccante" wird in Diamante nicht allein kulinarisch verstanden. Das Festival überträgt ihn auch auf Persönlichkeiten und Themen, die ungewöhnlich, unbequem oder gesellschaftlich brisant sind. In der Reihe „Personaggi Pic" widmet Roberto Pititto dem heiligen Franz von Paola am heutigen Donnerstagabend einen Vortrag. Festivalleiter Enzo Monaco erläuterte dazu, „piccante" könne im übertragenen Sinne auch außergewöhnlich, außerhalb des Normalen, schwierig oder heikel bedeuten; San Francesco di Paola lasse sich deshalb als außergewöhnliche Persönlichkeit seiner Epoche betrachten.
Zu den gesellschaftspolitischen Veranstaltungen gehört die Vorstellung des Romans „I padroni della 'ndrangheta" des Journalisten und Autors Claudio Cordova. Gemeinsam mit ihm diskutieren die RAI-Journalistin Carla Monaco und Domenico Guarascio, leitender Staatsanwalt von Crotone, über die Strukturen und die gesellschaftliche Macht der kalabrischen Mafia. Mit dem Roman „Il tempo del male" von Santo Gioffrè steht ein weiteres Werk über die Wurzeln mafioser Macht auf dem Programm; der Autor wird von der RAI-Journalistin Annarosa Macrì interviewt.
Auch die internationale Politik ist Teil des Programms: Die RAI-Journalistin Chiara Prato spricht mit dem früheren italienischen Verteidigungsstaatssekretär und General Domenico Rossi über die gegenwärtige geopolitische Lage. Antonella Grippo nimmt während ihres Formats „Piccantissimo" zudem Persönlichkeiten aus der nationalen und regionalen Politik ins Kreuzverhör.
Mehrere Veranstaltungen beschäftigen sich mit offenen Fragen der regionalen Geschichte. Diskutiert wird unter anderem, ob Hannibal auf seinem Weg durch Süditalien die Riviera dei Cedri erreichte und sich im antiken Cerillae, dem heutigen Cirella, aufhielt. Der Historiker Franco Errico geht dieser Frage gemeinsam mit Ivan Larotonda nach, dem Autor des Buches „Si Vis Pacem". Giuseppe Pisano und Antonio Parisi beschäftigen sich mit möglichen Spuren des Ordens von Sion und der Tempelritter in Kalabrien; Gesprächspartner ist Giovanni Cristofalo, Autor des Buches „L'ombra dell'Ordine di Sion e dei Templari in Calabria". Darüber hinaus befasst sich der medizinische Kongress „Peperoncino e cervello" mit der Frage, ob und wie Chili die Gesundheit des Gehirns beeinflussen kann; zu den Teilnehmern gehören der Neurologe Antonio Siniscalchi, Professor Bruno Amantea von der Universität Magna Graecia und die Pharmakologin Francesca Aiello.
Ausstellungen und Karikaturisten-Battle
Mehrere Ausstellungen sind während der gesamten Festivaldauer geöffnet. In Zusammenarbeit mit der Accademia di Belle Arti di Napoli entstand „Peperoncino dal simbolo alla forma": Gezeigt werden 15 Arbeiten von Studierenden aus dem Bereich Fashion Design, die unter Leitung von Anna Corcione den Peperoncino als Symbol für Identität, Kultur und Kreativität interpretiert haben. Die Ausstellung „Peperoncini dal mondo" präsentiert mehr als 200 Capsicum-Sorten aus unterschiedlichen Ländern und erinnert zugleich an Massimo Biagi, der die Schau 1998 für das Festival entwickelte.
Enzo Monacos Ausstellung „Fra le cedriere con i rabbini" mit Fotografien von Luigi Salsini widmet sich der besonderen Verbindung zwischen der Riviera dei Cedri und jüdischen Rabbinern, die in Kalabrien traditionell nach geeigneten Zedratfrüchten für das Laubhüttenfest suchen. Unter dem Titel „Diamante allo specchio" werden Schwarz-Weiß-Fotografien von Oreste Pipolo gezeigt. Weitere künstlerische Akzente setzen die satirischen Tierkreiszeichen von Giovanni Zancolò und die von Alhena Editore kuratierte Schau „Capsicum Art".
Am Lungomare Santa Lucia kehrt zudem „Vignette sul ring" zurück: Von Donnerstag bis Samstag treten Karikaturisten aus verschiedenen Teilen Italiens mit satirischen Arbeiten zu aktuellen Themen gegeneinander an. Über das Ergebnis entscheiden eine Fachjury und das Publikum. Koordiniert wird die Veranstaltung von Gianfranco Tartaglia, der unter seinem Künstlernamen Passepartout bekannt ist. Für musikalische Zwischenspiele sorgen die aus dem Programm von Rai 2 bekannten Raggi Fotonici. Zu den internationalen Gästen des Festivals zählt darüber hinaus Pat Buttino, Generaldirektor des Centro Leonardo da Vinci in Montreal; die Zusammenarbeit zwischen Diamante und der italienisch geprägten Kultureinrichtung in Kanada wird mit einem Freundschaftsabkommen und einem Konzert der Sängerin Emilie Buist gefeiert, die als Gewinnerin des Wettbewerbs „Canta Italia" am Sonntagabend auf dem Cala Stage auftritt.

Bei der italienischen Meisterschaft im Peperoncino-Essen versuchen die Teilnehmer, innerhalb der vorgegebenen Zeit möglichst viele der scharfen Schoten zu verzehren.
Wettessen mit italienischer und europäischer Meisterschaft
Am Wochenende richtet sich die Aufmerksamkeit auf die traditionellen Wettbewerbe der Peperoncino-Esser. Am Samstag findet auf der Piazza Municipio das Finale der italienischen Meisterschaft statt. Die Teilnehmer haben sich zuvor bei Ausscheidungswettbewerben in verschiedenen Regionen Italiens qualifiziert; ausgetragen werden ein Frauen- und ein Männerwettbewerb. Gegessen wird unter Zeitdruck eine kalabrische Peperoncino-Sorte. Als Maßstab gilt der Rekord des mehrfachen italienischen Meisters Arturo Rencricca, der bei einem früheren Wettbewerb mehr als ein Kilogramm Chili bewältigte.
Am Sonntag folgen zwei Wettbewerbe für Spezialisten besonders scharfer Sorten. Um 20 Uhr wird die „Cintura Diamante" vergeben, um 22 Uhr steht das Finale der Europameisterschaft auf dem Programm. Die Wettkämpfe werden gemeinsam mit der League of Fire aus London organisiert; das europäische Finale dient zugleich als Qualifikation für eine Weltmeisterschaft in New York. Durch die Wettbewerbe und zahlreiche weitere Programmpunkte führt Gianni Pellegrino als Re Peperoncino. Den Abschluss des Samstags bildet um Mitternacht ein Feuerwerk über dem Meer, bei dem Pyrotechnik und Musik miteinander verbunden werden. Wer im September in Kalabrien unterwegs ist, findet in Diamante bis Sonntag ein Programm, das weit über ein kulinarisches Stadtfest hinausgeht. Als Unterkunft direkt am Festivalstandort empfiehlt sich die Diamond Residence in Diamante.




