Künstliche Intelligenz hält zunehmend auch im Tourismus Einzug. Und zwar nicht mehr nur bei großen internationalen Plattformen. Mit „Maia“ hat nun auch die Ferienregion Lana und Umgebung in Südtirol eine eigene KI-gestützte Reisebegleiterin vorgestellt, die Gästen ebenso wie Einheimischen Orientierung geben und die Urlaubsplanung vereinfachen soll. Die Region südlich von Meran geht damit einen Schritt, der zeigt, wie stark sich touristische Kommunikation derzeit verändert: weg von klassischen Broschüren und statischen Webseiten, hin zu personalisierten digitalen Assistenten, die rund um die Uhr erreichbar sind.
Der Name „Maia“ ist dabei bewusst gewählt. Er greift historische Wurzeln der Region rund um Meran auf. Bereits in der Römerzeit existierten hier frühe Siedlungsstrukturen, später entwickelte sich daraus das sogenannte „Castrum Maiense“. Auch die historische Bezeichnung „Mairania“ aus dem Jahr 837 verweist auf diese Entwicklung. Die neue digitale Assistentin verbindet damit regionale Geschichte mit moderner Technologie.
Antworten statt Informationsflut
Gerade im Urlaub suchen viele Reisende heute schnelle und möglichst präzise Informationen: Welche Wanderung eignet sich bei wechselhaftem Wetter? Welche Busverbindung fährt aktuell? Wo gibt es familienfreundliche Ausflugsziele oder regionale Restaurants? Genau hier soll Maia ansetzen.
Entwickelt wurde das System gemeinsam mit dem Südtiroler Startup Touristinfo.ai. Laut der Tourismusorganisation basiert die KI ausschließlich auf geprüften und aktuellen Inhalten. Ergänzt werden diese durch Wetterdaten, Informationen zum öffentlichen Nahverkehr und weitere offene Datenquellen. Dadurch soll verhindert werden, dass die KI ungenaue oder veraltete Empfehlungen liefert. Ein Problem, das bei vielen frei zugänglichen KI-Systemen immer wieder diskutiert wird.
Ein weiterer Unterschied zu klassischen Tourismus-Webseiten: Maia reagiert dialogorientiert. Die KI stellt Rückfragen, erkennt Interessen und versucht, Empfehlungen individuell anzupassen. Wer beispielsweise mit Kindern unterwegs ist, erhält andere Vorschläge als sportlich orientierte Wanderurlauber oder Gäste, die gezielt Ruhe und Erholung suchen.

Bei Verkostungen, Ausflügen und regionalen Erlebnissen soll die KI-Assistentin „Maia“ Gästen in Lana und Umgebung künftig gezielte Empfehlungen liefern.
Nutzung direkt per WhatsApp
Die Nutzung ist bewusst einfach gehalten. Maia funktioniert direkt über WhatsApp oder alternativ über eine Webversion der Ferienregion Lana. Eine zusätzliche App müssen Nutzer nicht installieren. Gerade im Tourismus könnte dieser niedrigschwellige Zugang ein wichtiger Faktor sein, da viele Reisende unterwegs möglichst unkompliziert Informationen abrufen möchten.
Die KI kennt laut Tourismusorganisation nicht nur die bekanntesten Sehenswürdigkeiten, sondern auch kleinere Orte, Besonderheiten einzelner Gemeinden sowie infrastrukturelle Details der Region. Dadurch sollen Besucher auch weniger bekannte Angebote entdecken können, von kulinarischen Adressen über kulturelle Veranstaltungen bis hin zu ruhigeren Ausflugszielen abseits der klassischen Hotspots.
Digitale Besucherlenkung als Zukunftsmodell
Interessant ist vor allem der strategische Ansatz hinter dem Projekt. Maia soll nicht nur informieren, sondern Besucherströme gezielt lenken. Die Region setzt dabei auf sogenanntes „Nudging“ – also sanfte Empfehlungen, die Nutzer in eine bestimmte Richtung führen, ohne Verbote auszusprechen. Praktisch bedeutet das etwa: Die KI schlägt eher öffentliche Verkehrsmittel vor, empfiehlt regionale Produzenten oder verweist auf weniger überlaufene Orte und Alternativen. Ziel ist ein nachhaltigerer Tourismus, der sowohl die Umwelt als auch die Lebensqualität der Einheimischen stärker berücksichtigt.
Gerade in beliebten Regionen Südtirols wird das Thema Besucherlenkung immer wichtiger. Hohe Gästezahlen bringen wirtschaftliche Vorteile, sorgen gleichzeitig aber auch für Verkehrsprobleme, volle Innenstädte oder Belastungen in Naturgebieten. Digitale Systeme wie Maia könnten deshalb künftig eine größere Rolle dabei spielen, Tourismusströme besser zu verteilen.
Weitere Entwicklung bereits geplant
Die Tourismusorganisation plant bereits, Maia künftig mit zusätzlichen Datenquellen zu vernetzen – unter anderem auch mit Informationen aus dem Raum Meran. Dadurch soll der Service kontinuierlich erweitert und regional stärker verknüpft werden.
Ob sich KI-Assistenten wie Maia langfristig im Alltag von Reisenden etablieren, wird sich zeigen. Klar ist allerdings schon jetzt: Immer mehr Ferienregionen setzen auf digitale Helfer, um Gästen Informationen schneller, persönlicher und aktueller bereitzustellen. Lana und Umgebung gehört damit zu den Regionen in Südtirol, die diesen Wandel früh aktiv aufgreifen.

