Vivere in Italien

Cioccolata calda: In Italien isst man heiße Schokolade mit dem Löffel

Svitlana Glumm
Die „Cioccolata calda“, die wir während unseres ungeplanten Aufenthalts in Parma probiert haben, war so dick, dass man sie mit dem Löffel essen konnte.

Die „Cioccolata calda“, die wir während unseres ungeplanten Aufenthalts in Parma probiert haben, war so dick, dass man sie mit dem Löffel essen konnte.

(Foto: © Bastian Glumm)
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Wir waren uns sicher, dass es diesmal anders wird. Keine Stopps, keine „traditionellen“ Zwischenhalte in Norditalien wie früher. Kein Bologna, kein Verona und auch kein Florenz. Einfach ins Auto steigen und direkt in den Süden fahren. Doch die Reise hatte andere Pläne. Eine Autopanne zwang uns zu einem ungeplanten Halt in Parma. Während das Auto repariert wurde, hatten wir plötzlich Zeit – Zeit, die wir gar nicht eingeplant hatten. Also machten wir das Beste daraus und gingen einfach durch die Stadt spazieren.

Ein Spaziergang durch das winterliche Parma

Es war ein Wintertag. Ruhig, hell. Wir liefen durch die Altstadt, sahen den Duomo di Parma, das Battistero di Parma, die engen Gassen und Plätze, die ihren eigenen Rhythmus haben. Rund um die Piazza Garibaldi – ein Weihnachtsmarkt, eine Eislaufbahn, Bewegung und diese besondere Stimmung, die man nicht erklären kann, sondern nur spürt.

Und während dieses Spaziergangs gingen wir in ein kleines Café.

Wir bestellten heiße Schokolade.

Und genau hier beginnt das eigentliche Erlebnis.

Was uns serviert wurde, hatte mit der „heißen Schokolade“, die wir kennen, kaum etwas zu tun. Es war cioccolata calda – so dick, dass man sie nicht trinkt, sondern isst. Mit dem Löffel. Langsam, fast wie ein Dessert.

Der Löffel blieb tatsächlich stehen.

Dazu wurde ein Glas Wasser serviert. Zuerst wirkt das ungewöhnlich, aber nach ein paar Löffeln versteht man sofort warum: Der Geschmack ist so intensiv, dass man eine Pause braucht. Und genau diese Pause gehört dazu.

In Italien ist heiße Schokolade eine eigene Kultur. Sie wird nicht aus Kakaopulver gemacht, sondern aus echter dunkler Schokolade. Dazu kommt wenig Milch, manchmal etwas Sahne und oft ein wenig Stärke. Genau diese sorgt für die dicke, fast seidige Konsistenz.

Das Ergebnis ist kein Getränk im klassischen Sinne, sondern etwas zwischen Creme und warmem Dessert. Man nimmt es nicht „to go“. Man setzt sich hin und lässt sich Zeit.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Denn an diesem Tag in Parma passte alles zusammen: der ungeplante Halt, die Stadt, die wir eigentlich gar nicht besuchen wollten, das Winterlicht und diese warme, dichte Schokolade in der Tasse. Plötzlich war klar, dass auch solche Umwege ein Geschenk sein können.


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