Vivere in Italien

Civita di Bagnoregio: Die "sterbende Stadt" auf dem Felsen

Redaktion
Civita di Bagnoregio in Latium: Das Dorf thront spektakulär auf einem bröckelnden Tuffsteinfelsen und ist nur über eine schmale Fußgängerbrücke erreichbar.

Civita di Bagnoregio in Latium: Das Dorf thront spektakulär auf einem bröckelnden Tuffsteinfelsen und ist nur über eine schmale Fußgängerbrücke erreichbar.

(Foto: © jovannig - stock.adobe.com)
Teilen:

Das kleine Dorf Civita di Bagnoregio liegt in der Region Latium, rund 120 Kilometer nördlich von Rom, unweit der Grenze zu Umbrien. Hoch oben auf einem bröckelnden Tuffsteinfelsen gelegen, wirkt Civita wie aus der Zeit gefallen und steht zugleich im Spannungsfeld zwischen Verfall und neuem Leben.

Ein Dorf, das langsam verschwindet

Civita wird nicht ohne Grund „die sterbende Stadt“ genannt, denn seit Jahrhunderten greift die Erosion den Untergrund des Dorfes an. Regen, Wind und die weichen Tonschichten unter dem Tuffstein führen dazu, dass Teile des Felsens immer wieder abbrechen und die Substanz des Ortes kontinuierlich gefährden. Bereits seit dem 17. Jahrhundert kämpfen die Bewohner gegen Erdrutsche und den schleichenden Verlust ihres Lebensraums, sodass heute nur noch wenige Menschen dauerhaft hier leben, wo einst eine lebendige Siedlung existierte.

Besonders ist nicht nur die Lage, sondern auch der Zugang, denn Civita ist ausschließlich über eine lange Fußgängerbrücke erreichbar. Es gibt keine Straßen, keinen Autoverkehr und keine direkte Anbindung an die moderne Infrastruktur, was den Weg in das Dorf zu einem bewussten Übergang macht. Wer die Brücke hinaufgeht, lässt die Gegenwart Schritt für Schritt hinter sich und betritt eine nahezu unveränderte mittelalterliche Welt, die sich deutlich von vielen anderen touristischen Orten Italiens unterscheidet.

Zwischen Verfall und Wiedergeburt

Civita ist kein statisches Denkmal, sondern ein Ort im Wandel, der in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen hat. Während früher Abwanderung und Bedeutungsverlust das Bild prägten, sorgt heute der Tourismus für eine neue Dynamik und bringt jedes Jahr zahlreiche Besucher in das kleine Dorf. Diese Entwicklung trägt zum Erhalt der historischen Bausubstanz bei, erhöht jedoch gleichzeitig den Druck auf das empfindliche geologische Fundament, auf dem Civita steht.

Im Mittelpunkt aktueller Entwicklungen steht die Bewerbung um den UNESCO-Welterbestatus, die Civita di Bagnoregio zusätzliche internationale Aufmerksamkeit verschafft hat. Entscheidend ist dabei nicht allein die historische Architektur, sondern vor allem das außergewöhnliche Zusammenspiel von Mensch und Natur, das den Ort prägt. Civita ist ein Dorf, das seit Jahrhunderten gegen seine eigene Zerstörung ankämpft, und genau diese permanente Bedrohung verleiht ihm eine besondere Bedeutung im Kontext des kulturellen Erbes Italiens.

Warum Civita mehr ist als ein Fotomotiv

Civita di Bagnoregio hebt sich deutlich von vielen anderen malerischen Orten ab, weil hier nicht nur die äußere Erscheinung zählt, sondern die Geschichte des Ortes spürbar bleibt. Gegründet vor über 2.500 Jahren von den Etruskern, später durch Naturkatastrophen nahezu aufgegeben und heute durch den Tourismus wiederbelebt, vereint Civita mehrere Zeitschichten in einem einzigen Ort. Trotz dieser Entwicklung bleibt der Eindruck bestehen, dass dieser Ort dauerhaft gefährdet ist und seine Zukunft nicht selbstverständlich gesichert werden kann.


Teilen: