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Königliche Residenzen im Piemont: Das UNESCO-Erbe des Hauses Savoyen

Redaktion
La Venaria Reale mit dem barocken Garten und dem Herkulesbrunnen: der monumentale Königspalast vor den Toren Turins gehört zu den bekanntesten der 16 UNESCO-Residenzen des Hauses Savoyen.

La Venaria Reale mit dem barocken Garten und dem Herkulesbrunnen: der monumentale Königspalast vor den Toren Turins gehört zu den bekanntesten der 16 UNESCO-Residenzen des Hauses Savoyen.

(Foto: © Consorzio delle Residenze Reali Sabaude)
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Im Herzen des Piemont im Nordwesten Italiens liegt ein europaweit einzigartiges Kulturerbe: die Königlichen Residenzen des Hauses Savoyen. Sechzehn historische Bauwerke, die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert entstanden sind, gehören seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie erzählen die politische und architektonische Geschichte einer Dynastie, die das Piemont über Jahrhunderte prägte und später ganz Italien regierte.

Die Residenzen waren mehr als nur Wohnsitze einer Adelsfamilie. Stadtpaläste, Schlösser, Villen, Parks und Gärten bilden zusammen eine Art architektonische Krone rund um Turin, die Hauptstadt des Piemont und einst Italiens erste Hauptstadt. Sie spiegeln den Repräsentationsanspruch und den Lebensstil eines europäischen Königshauses wider und stehen in einer Landschaft, die selbst als eine der schönsten und identitätsstärksten Italiens gilt.

Das Haus Savoyen und seine Rolle für Italien

Die Savoyer waren eine der ältesten Adelsdynastien Europas. Ihre Wurzeln reichen ins 11. Jahrhundert zurück, ihre politische Blütezeit begann jedoch mit dem Aufstieg des Herzogtums Savoyen im 16. Jahrhundert. Turin wurde 1563 zur Residenz erklärt und wuchs unter den Savoyern zu einer der elegantesten Städte Norditaliens heran. Später, im 19. Jahrhundert, führten sie die Einigungsbewegung an, die 1861 zur Gründung des Königreichs Italien mit Turin als erster Hauptstadt führte. Bis zur Ausrufung der Republik 1946 blieb das Haus Savoyen die königliche Familie Italiens.

Dieser historische Kontext ist entscheidend, um die Residenzen zu verstehen. Sie sind nicht nur beeindruckende Bauwerke, sondern auch die materielle Grundlage eines Herrschaftssystems, das das moderne Italien maßgeblich geprägt hat.

Das Castello del Valentino am Ufer des Po in Turin: die Residenz mit ihrer französisch inspirierten Architektur beherbergt heute die Architekturfakultät der Universität Turin.

Das Castello del Valentino am Ufer des Po in Turin: die Residenz mit ihrer französisch inspirierten Architektur beherbergt heute die Architekturfakultät der Universität Turin.

(Foto: © AVIAREPS Tourism GmbH)

Die wichtigsten Residenzen im Überblick

Zu den sechzehn Residenzen gehören einige der eindrucksvollsten Bauwerke Norditaliens. Der Königliche Palast in Turin war das Herzstück der Dynastie, ein monumentaler Barockbau mit prachtvollen Räumen, der auch die berühmte Cappella della Sindone mit dem Turiner Grabtuch beherbergt. Direkt daneben liegt der Palazzo Madama, ein früherer Wohnsitz der weiblichen Familienmitglieder, heute Sitz des Stadtmuseums für antike Kunst.

Vor den Toren Turins erstreckt sich La Venaria Reale, eines der spektakulärsten Ensembles der Region. Der ausgedehnte Barockkomplex mit seinen weitläufigen Gärten wurde nach jahrelanger Restaurierung 2007 wiedereröffnet und gilt heute als eines der wichtigsten italienischen Kulturdenkmäler. Wer nur eine der Residenzen besuchen möchte, ist hier meist gut aufgehoben.

Das Jagdschloss Stupinigi südwestlich von Turin ist eine besondere Perle unter den Savoyer-Bauten. Von Filippo Juvarra im frühen 18. Jahrhundert entworfen, war es der bevorzugte Rückzugsort der Königsfamilie für Jagd und höfische Feste. Der sternförmige Grundriss und die reichhaltigen Innenausstattungen machen es zu einem der originellsten Bauwerke seiner Zeit.

Weitere bedeutende Residenzen sind das Schloss Racconigi südlich von Turin mit seinem englischen Landschaftspark, das Schloss Agliè im Canavese-Gebiet und die Villa della Regina, die auf einem Turiner Hügel thront und einen der schönsten Ausblicke auf die Stadt bietet.

Die Landschaft rund um die Residenzen

Das Piemont ist mehr als nur die Kulisse für die Königlichen Residenzen. Turin selbst gilt als eine der elegantesten und zugleich zurückhaltendsten Städte Italiens, gerade wegen ihrer Vergangenheit als Königsstadt. Sie ist der Gründungsort von FIAT und bis heute ein Zentrum der italienischen Autoindustrie, aber auch ein Ort mit Cafés, historischen Kaffeehäusern und einer der reichsten Kulturlandschaften Norditaliens.

Nach Süden hin schließen sich die Weinregionen Langhe-Roero und Monferrato an, die seit 2014 ebenfalls UNESCO-Weltkulturerbe sind und zu den bekanntesten Weinlandschaften der Welt zählen. Von hier stammen Barolo und Barbaresco, zwei der bedeutendsten italienischen Rotweine. Wer die Residenzen besucht, sollte den Abstecher in die Weinregionen unbedingt einplanen.

Im Norden begrenzen die Alpen die Region, mit Gipfeln über viertausend Metern. Und die Quelle des Po, des längsten Flusses Italiens, liegt ebenfalls im Piemont, in der Nähe des Monte Viso.

Das Castello di Moncalieri südlich von Turin: die Königliche Residenz gehört ebenfalls zum UNESCO-Ensemble und diente den Savoyern als Wohnsitz im 19. Jahrhundert.

Das Castello di Moncalieri südlich von Turin: die Königliche Residenz gehört ebenfalls zum UNESCO-Ensemble und diente den Savoyern als Wohnsitz im 19. Jahrhundert.

(Foto: © beppecalgaro@libero.it)

Ein neues Erlebniskonzept: die Italian Royal Experience

Um die Königlichen Residenzen zeitgemäßer zu vermitteln, wurde die neue Marke Italian Royal Experience eingeführt. Das Konzept versteht die Residenzen nicht als isolierte Museumsorte, sondern als lebendiges kulturelles Netzwerk. Verknüpft werden Paläste, Dörfer, Städte, Landschaften, lokale Gemeinschaften, Handwerkskunst und moderne Kulturformen.

Angeboten werden Halbtages- und Ganztagestouren, zu Fuß oder mit dem Bus, teils mit einer kulinarischen Komponente. Zum Programm gehört unter anderem die Merenda Reale, eine höfische Zwischenmahlzeit, die im 18. Jahrhundert an den Savoyer Höfen entstand und heute in mehreren Turiner Kaffeehäusern serviert wird. Die Touren werden auf Italienisch mit Englisch oder Französisch angeboten und starten in Turin. Weitere Informationen bietet die offizielle Webseite des Netzwerks.

Ein Blick, den viele Reisende übersehen

Das Piemont steht bei ausländischen Italienreisenden oft im Schatten der klassischen Ziele wie Toskana oder Amalfiküste. Wer sich aber für Kulturgeschichte, Architektur, Wein und Landschaft interessiert, findet in der Region eines der reichsten Reisegebiete Italiens. Die Königlichen Residenzen sind dabei mehr als ein Zusatzangebot: Sie sind das kulturelle Rückgrat einer Region, in der sich europäische Herrschaftsgeschichte materialisiert hat.

Wer Turin besucht und die Zeit hat, sich für ein oder zwei Residenzen zu entscheiden, sollte diese Zeit nicht scheuen. Anders als die überlaufenen Kulturziele Roms oder Venedigs bieten die Residenzen des Hauses Savoyen die Möglichkeit, in aller Ruhe in eine europäische Adelsgeschichte einzutauchen, die noch heute erstaunlich präsent ist.

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