Für alle, die vom Besitz einer eigenen Insel träumen, hält der italienische Immobilienmarkt derzeit eine überschaubare, aber vielfältige Auswahl bereit. Von der Lagune Venedigs bis zur Westküste Siziliens und zum Golf von Neapel sind aktuell neun Privatinseln in Italien zum Verkauf, mit Preisen zwischen 1,5 und 24 Millionen Euro. Die Angebote reichen von aufwendig ausgestatteten Villen-Anwesen mit Hubschrauberlandeplatz bis zu kleinen, historisch aufgeladenen Inseln mit napoleonischen Forts, spanischen Vizekönig-Festungen und Wachtürmen aus dem 16. Jahrhundert. Der Überblick über die Angebote basiert auf der Datenbank des internationalen Fachportals Island Seeker mit Stand Juli 2026, ergänzt durch aktuelle italienische Immobilien- und Wirtschaftsberichte.
Die teuerste: Isola Santa Cristina in der Venedig-Lagune
An der Spitze der Preisliste steht die Isola Santa Cristina im nördlichen Teil der Venedig-Lagune, zwischen Torcello und Burano. Der Preis: 24 Millionen Euro laut Marktübersicht der Wirtschafts-Tageszeitung Milano Finanza. Die Insel erstreckt sich über rund 29 Hektar und ist etwa 20 Minuten Bootsfahrt von Venedig entfernt. Auf dem Gelände befinden sich eine viergeschossige Villa, ein separates Bauernhaus, eine Kapelle, ein beheizter Salzwasser-Pool sowie ein Bootshaus mit privaten Anlegestellen und ein Hubschrauberlandeplatz. Zu den Grundstücken gehören außerdem ein aktiv bewirtschafteter Weinberg, in dem der Wein Ammiana produziert wird, Olivenhaine, Obstplantagen und traditionelle Fischzucht-Valli, die alte venezianische Praktiken fortführen.
Besonders bemerkenswert: Die Insel ist erstmals seit 1986 wieder auf dem Markt, als sie von der Familie Swarovski erworben wurde. Nach fast vier Jahrzehnten in Familienbesitz sucht das Anwesen also einen neuen Eigentümer. Anders als viele andere Angebote in der Lagune ist die Insel bewohnbar und nicht auf grundlegende Restaurierungsarbeiten angewiesen. Für Interessenten aus dem internationalen Luxus-Immobilien-Segment bedeutet das einen deutlich niedrigeren Zusatzaufwand als bei historischen Objekten, die vor einer Nutzung erst grundlegend saniert werden müssen.
Zweitteuerste: Isola di Santa Maria im Stagnone von Marsala
Der zweite Platz auf der Preisliste geht in den Westen Siziliens. Die Isola di Santa Maria liegt in der Laguna dello Stagnone bei Marsala, einem Gebiet mit flachen Wasserflächen und Salinen, das sich in den vergangenen Jahren zu einem international bekannten Kitesurf-Revier entwickelt hat. Der Angebotspreis liegt bei 15 Millionen Euro. Auf dem Gelände befinden sich eine Villa von rund 460 Quadratmetern, eine Kapelle aus dem 16. Jahrhundert, eine Residenz für die Verwalter und ein Unterstand für Tiere.
Zum Bewuchs der Insel gehören Olivenhaine und die für die Region typischen Kaktusfeigen. Die Verkäufer verhandeln privat und richten sich vor allem an Interessenten mit Projekten im Bereich Wellness und ökologisch nachhaltigem Tourismus, so das sizilianische Magazin BeSicily. Der Kontext der Laguna dello Stagnone mit ihren Salinen und Flamingos macht Santa Maria zu einem der ökologisch wertvollsten Standorte im italienischen Insel-Markt.
Historisches Fort: Isola di Crevan bei Venedig
Der dritte Platz mit einem Angebotspreis von 5,5 Millionen Euro geht wieder in die Lagune Venedigs. Die Isola di Crevan liegt zwischen Sant'Erasmo und Burano, misst rund 5.700 Quadratmeter und beherbergt ein napoleonisches Fort. Vermittelt wird das Objekt über die auf Luxus-Immobilien spezialisierte Agentur Lionard.
Die Insel ist ein typisches Beispiel für Objekte im italienischen Insel-Markt, in denen historische Substanz und Naturlage einen erheblichen Teil des Preises ausmachen. Das napoleonische Fort auf der Insel verweist auf die strategische Bedeutung, die die Venedig-Lagune in den europäischen Konflikten des frühen 19. Jahrhunderts hatte. Heute macht diese historische Aufladung das Objekt für Sammler und Kulturliebhaber besonders attraktiv.
Weitere Angebote im Marktüberblick
Neben den drei teuersten Objekten umfasst das aktuelle Angebot mehrere weitere Inseln in unterschiedlichen Regionen. In Sizilien vor der Küste von Palermo, westlich von Mondello, wird die Isola delle Femmine für 1,6 Millionen Euro angeboten. Auf ihr steht ein verlassener Wachturm aus dem 16. Jahrhundert, ein Überrest des historischen Verteidigungssystems gegen Piratenüberfälle. In Friaul-Julisch Venetien liegt die Isola degli Orbi in der Laguna di Grado, mit 3,5 Hektar Fläche. Sie wurde nach einer Zwangsversteigerung erworben und in jüngerer Zeit umfassend renoviert.
Zwei weitere Angebote betreffen die achteckigen Verteidigungsinseln der Serenissima. Der Ottagono San Pietro in der südlichen Lagune (rund 2.833 m²) steht für 1,5 Millionen Euro zum Verkauf, der Ottagono Alberoni (rund 700 Meter vor der Küste, von imposanten Perimeter-Mauern umgeben) mit Preis auf Anfrage. Beide Objekte unterliegen strengen Auflagen der Denkmalschutz-Behörden (Soprintendenza) und benötigen umfassende Restaurierungsarbeiten. Der Logistik-Aufwand für den Materialtransport zu den Inseln macht solche Käufe eher zu Sammler-Investitionen als zu klassischen Immobilien-Projekten.
Ein weiteres Angebot des aktuellen Marktes liegt weit im Süden: der Scoglio di Rovigliano vor dem Golf von Neapel, überragt von einer spanischen Vizekönig-Festung. Das Objekt bietet eine spektakuläre Landschaft, doch die Verhandlungen dürften komplex ausfallen: Die Insel ist zwischen 23 Erben aufgeteilt, und ein weiterer Teil gehört der Region Kampanien. Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie italienisches Erbrecht bei historischen Immobilien zu Eigentums-Situationen führen kann, die einen Verkauf über Jahre hinweg blockieren oder zumindest deutlich verzögern.
Der Markt der italienischen Privatinseln
Der italienische Insel-Markt ist im internationalen Vergleich klein, aber vielfältig. Die neun aktuell auf Island Seeker gelisteten Angebote sind geografisch breit gestreut, so eine Analyse der Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore, mit Schwerpunkten in der Venedig-Lagune, Sizilien und Friaul-Julisch Venetien, ergänzt durch den Scoglio di Rovigliano im Golf von Neapel. Die Preisspanne von 1,5 bis 24 Millionen Euro deckt sehr unterschiedliche Investitions-Größenordnungen ab, von der Restaurierung eines historischen achteckigen Forts bis zum Bezug einer bewohnbaren Villa mit Hubschrauberlandeplatz.
Italienische Privatinseln unterliegen in der Regel besonderen Bestimmungen, insbesondere im Umgang mit Denkmalschutz, Umweltschutz-Auflagen in Lagunen- und Meeresschutzgebieten sowie logistischen Fragen des Materialtransports und der Ver- und Entsorgung. Die im Handel stehenden Objekte werden meist über spezialisierte Luxus-Immobilien-Agenturen wie Lionard oder über internationale Plattformen wie Island Seeker vermittelt, mit oft privaten Verhandlungen zwischen Verkäufer und potenziellen Käufern.




