Die Waldbrände in Italien haben in den vergangenen Tagen mehrere Regionen gleichzeitig getroffen. Zwischen Jahresbeginn und Anfang Juli 2026 sind nach den Auswertungen des European Forest Fire Information System (EFFIS) im ganzen Land rund 11.566 Hektar verbrannt, wovon mehr als 5.000 Hektar allein auf Juni und Juli entfallen. Von der Küste Sardiniens über die Alpen im Piemont bis hinunter nach Sizilien sind derzeit gleich mehrere Fronten aktiv, mit Evakuierungen von Stränden, gesperrten Straßen und sichtbaren Folgen für Anwohner und Reisende.
Sardinien: Evakuierte Strände und ein brennender Küstenwald
Am dramatischsten wirken die Bilder aus Norditaliens beliebtestem Ferienziel im Mittelmeer. Am 13. Juli 2026 brach in der Pinie-Kiefernlandschaft von Monti Russu bei Aglientu in der Gallura ein Feuer aus, das rund 20 Hektar Küstenwald zerstörte, wie L'Unione Sarda berichtet. Die Feuerwehr räumte die Strände von Litarroni und Naracu Nieddu, die Provinzstraße 90 zwischen Castelsardo und Santa Teresa Gallura wurde für Stunden gesperrt, und zwei Kanadair-Löschflugzeuge sowie ein Super Puma der Feuerwehr wurden in die Luft geschickt.
Wie die ANSA aus Cagliari meldet, geriet auch eine kleine Feriensiedlung mit Villette in Gefahr. Als Ursache des Brands wird ein defekter Enel-Strommast neben einer Hebeanlage des Ferienresorts Gallura Beach Village vermutet, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Bereits Anfang Juli hatte die Region Cagliari eine ähnliche Serie erlebt: zwischen Selargius und Monserrato brannten in nur zwei Tagen rund 100 Hektar Ackerland, sechs Personen wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht, die Staatsstraßen 554 und 387 zeitweise gesperrt.
Piemont: „Ökokatastrophe" im Verbano-Cusio-Ossola
Weiter im Norden zeigt der Sommer 2026 ein weniger typisches Feuerbild. In den Provinzen Turin, Vercelli, Novara und Verbano-Cusio-Ossola brannten laut einer Mitteilung der Regionalregierung zwischen 800 und 900 Hektar Wald ab, wie Sky TG24 berichtet. Die Regione Piemonte sprach in einer offiziellen Erklärung von einer regelrechten Ökokatastrophe mit erheblichen Schäden für die lokale Biodiversität. Diese Region liegt in unmittelbarer Nähe zum Lago Maggiore, dessen Touristensaison rund um Ereignisse wie das Stresa Festival läuft.
Ursache der Brände waren nach Angaben der Feuerwehr Blitzeinschläge während heftiger Gewitter der Vortage, die sich durch anhaltend hohe Temperaturen, ausgetrocknete Böden und Fallwinde in den Alpen rasch ausbreiteten. Am 8. Juli meldete Domodossola 39 Grad, in Ala di Stura auf 1.000 Metern Höhe 33,5 Grad. Diese Kombination aus Wetterlage und Bodenzustand macht klar, warum die Feuerregion 2026 auch alpine Zonen erreicht, in denen Waldbrände bislang eher die Ausnahme waren.
Sizilien und der Süden: Dauerbrand mit über 40 Grad
Sizilien und die südlichen Regionen kämpfen bereits seit Juni mit einer Serie von Bränden, die durch die Hitzewellen dieses Sommers verstärkt werden. In den Provinzen Palermo und Oristano wurden mehrere aktive Brandherde gemeldet, während gleichzeitig eine neue Saharaluft-Welle die Temperaturen auf über 40 Grad treibt. Wir haben die aktuelle Wettersituation und ihre Auswirkungen in unserem Beitrag zur dritten Hitzewelle in Italien im Detail beschrieben.
Historisch gesehen sind Sizilien, Kalabrien und Kampanien die am stärksten von Waldbränden betroffenen Regionen Italiens. Laut den letzten ISPRA-Auswertungen entfielen 71 Prozent der nationalen Waldbrandflächen auf diese drei Regionen. Die Kombination aus mediterraner Vegetation, langen Trockenperioden und starken Winden wie dem Schirokko macht sie besonders anfällig, und die Erwärmung des Mittelmeers verstärkt diese Tendenz zusätzlich.
Klimakrise als Verstärker
Nach EFFIS-Daten war 2025 mit über 1,07 Millionen verbrannten Hektar das schlimmste Waldbrandjahr in der EU seit Beginn der systematischen Erfassung 2006, und 2026 liegt in seiner bisherigen Bilanz bereits über der langjährigen Kurve. Die italienische Umweltbehörde ISPRA verweist in ihren jüngsten Berichten darauf, dass die Erwärmung des Mittelmeers rund doppelt so schnell verläuft wie im globalen Durchschnitt und dass sich die Feuersaison in Süd- und Mitteleuropa entsprechend verlängert.
Für Reisende bedeutet das nicht Panik, aber Vorbereitung. In den Sommermonaten empfiehlt sich ein Blick auf die Warnungen der Protezione Civile in Sardinien, bevor Wanderungen oder Ausflüge in Waldgebieten geplant werden. Wer bereits vor Ort ist, sollte die Anweisungen lokaler Behörden strikt befolgen, insbesondere Straßensperrungen und Strand-Evakuierungen ernst nehmen und nicht versuchen, gesperrte Zonen zu passieren. Praktische Tipps zum Umgang mit den extremen Sommertemperaturen selbst haben wir in einem eigenen Beitrag zur Hitze in Italien zusammengestellt.





