Italien steht vor der dritten Hitzewelle dieses Sommers. Ab Dienstag, 14. Juli, erreicht heiße Saharaluft aus Algerien das Land und wird vor allem Mittel- und Süditalien sowie Sardinien und Sizilien in eine tagelange Ausnahmesituation versetzen. Nach übereinstimmenden Prognosen italienischer Wetterdienste könnten die Höchstwerte in den Binnenregionen der Inseln bis zu 45 Grad erreichen, an den Küsten sorgt zusätzlich hohe Luftfeuchtigkeit für eine drückende Schwüle. Den Höhepunkt der Hitzewelle sehen die Meteorologen zwischen dem 17. und 20. Juli.
Wer aktuell durch Italien reist oder dort lebt, sollte sich auf eine der intensivsten Hitzephasen des Sommers einstellen. Bereits die vorherigen Hitzewellen im Juni hatten mit Werten über 40 Grad und der Hitzewarnstufe Rot in 16 Großstädten für Aufsehen gesorgt. Die aktuelle Phase verspricht noch extremer zu werden.
Woher die Hitze kommt
Verantwortlich für die kommende Hitzewelle ist ein kräftiges Nordafrika-Hoch, das von Algerien über das Mittelmeer nach Norden zieht. Nach Einschätzung von MeteoGiornale handelt es sich um Luftmassen aus dem algerischen Wüstengebiet, die diesmal die gesamte italienische Halbinsel sowie beide Hauptinseln erfassen werden. Der Hochdruckrücken drückt die Luft in den unteren Atmosphärenschichten zusammen und erhöht so die Temperaturen zusätzlich.
Besonders bemerkenswert sind die erwarteten Werte in der Höhe. In 1.500 Metern könnten die Temperaturen fast 30 Grad erreichen, Werte, die früher nur über der Sahara gemessen wurden. Solche Isothermen sind laut Klimatologen inzwischen die Regel im Mittelmeerraum und ein direkter Effekt des Klimawandels. Der Klimadienst Copernicus der Europäischen Union bestätigte kürzlich, dass Juni 2026 der zweitwärmste Juni der Messgeschichte weltweit war, in Westeuropa sogar der wärmste Juni überhaupt.
Die betroffenen Regionen im Überblick
Am stärksten wird der Süden Italiens von der Hitze getroffen. Sardinien und Sizilien stehen im Fokus der Prognosen: In den Binnenregionen beider Inseln werden Höchstwerte um 43 bis 44 Grad erwartet, örtlich könnten sogar bis zu 45 Grad erreicht werden. Auf Sizilien betrifft das vor allem die Provinzen Catania, Syrakus, Enna und Caltanissetta.
Auch Kalabrien und Apulien trifft die Hitze mit voller Wucht. In den Binnenregionen des Tavoliere in Nordapulien und im kalabrischen Landesinneren sind Werte von 42 bis 44 Grad zu erwarten. Kampanien rund um Neapel erreicht Höchsttemperaturen zwischen 35 und 38 Grad, dazu kommt die drückende Schwüle entlang der Küste. Auch die Basilikata meldet in ihren inneren Tälern bis zu 42 Grad.
Norditalien und Südtirol
Norditalien bleibt zwar am Rand der Hitzewelle, wird aber ebenfalls von deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen betroffen. In der Poebene sind Werte zwischen 30 und 36 Grad wahrscheinlich, dazu erhöht die aufgeheizte Luft das Risiko heftiger Gewitter mit Starkregen und großem Hagel. Solche Gewitter treten typischerweise am späten Nachmittag und Abend auf, wenn kühlere Luftmassen aus den Alpen auf die überhitzte Poebene treffen.
Für Südtirol prognostiziert MeteoGiornale sommerliche Höchstwerte zwischen 30 und 34 Grad in den Tälern. In den Alpen können sich vor allem nachmittags und abends einzelne Gewitter entwickeln. Wer eine Reise ins Trentino oder nach Südtirol geplant hat, kommt damit vergleichsweise glimpflich davon.
Tropische Nächte und Wärmeinsel-Effekt
Ein besonderes Merkmal der aktuellen Hitzewelle sind die notti tropicali, tropische Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 26 bis 27 Grad fallen. Der Körper hat dadurch keine Möglichkeit, die tagsüber angesammelte Hitze abzugeben, und die Erholung bleibt aus. Besonders in den Städten wird das Problem durch den Wärmeinsel-Effekt verstärkt: Die aufgeheizten Häuser, Straßen und Plätze geben ihre Wärme auch nachts nur langsam ab.
Die Meteorologen warnen daher vor allem in Rom, Florenz, Bologna, Mailand und Neapel vor einer hohen gesundheitlichen Belastung. Vulnerable Gruppen wie Senioren, Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen, die viele Stunden im Freien arbeiten, sind besonders gefährdet. Aktuelle Warnungen für jede einzelne Stadt veröffentlicht das italienische Gesundheitsministerium täglich im Bollettino delle Ondate di Calore.
Was Reisende jetzt tun sollten
Wer in den kommenden Tagen nach Italien reist, sollte einige Regeln beachten. Zwischen 11 und 18 Uhr sollte direkter Sonneneinstrahlung möglichst vermieden werden. Ausreichend Flüssigkeit ist entscheidend, am besten Wasser oder isotonische Getränke, während Alkohol und stark gezuckerte Getränke die Belastung des Kreislaufs zusätzlich verstärken. Klimatisierte Räume sind tagsüber die sicherste Wahl.
Wer einen Städtetrip nach Rom, Florenz oder Neapel geplant hat, sollte überlegen, ob die Reise in eine kühlere Woche verschoben werden kann. Museen, Restaurants und öffentliche Verkehrsmittel sind zwar oft klimatisiert, aber lange Wartezeiten in der prallen Sonne oder Sightseeing-Touren durch die überhitzten Innenstädte werden zur ernsten Belastung. Kühlere Alternativen bieten die Küstenorte mit Meeresbrise, die Alpen und die Berge Mittelitaliens.
Ein Sommer der Extreme
Die dritte Hitzewelle des Sommers 2026 bestätigt einen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet. Klimaforscher führen die zunehmende Intensität, Häufigkeit und Dauer solcher Hitzephasen auf den menschengemachten Klimawandel zurück. Europa erwärmt sich nach Berechnungen des Copernicus-Dienstes doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, und der Mittelmeerraum gehört zu den besonders stark betroffenen Zonen weltweit. Die Meeresoberflächentemperatur des Mittelmeers liegt aktuell rund zwei Grad über dem langjährigen Mittel, was zusätzlich zur Verdunstung, zur Luftfeuchtigkeit und zu extremen Wetterereignissen beiträgt.
Für Italien bedeutet das, sich auf einen langen und heißen Sommer einzustellen. Weitere Details zum italienischen Warnsystem und zur Lebenskunst der Italiener im Umgang mit extremen Temperaturen findet ihr in unserem Hintergrundartikel zur Hitze in Italien. Nach den aktuellen Prognosen ist eine Entspannung frühestens ab dem 20. Juli in Sicht, wenn möglicherweise kühlere Luftmassen aus Nordeuropa das Land erreichen. Bis dahin gilt es, die Regeln des Umgangs mit extremer Hitze konsequent umzusetzen.





