Wer Friaul-Julisch Venetien kennt, weiß, dass die Region im Nordosten Italiens zu den vielseitigsten und dabei am wenigsten überlaufenen Landstrichen des Landes gehört. Zwischen den Alpen, der Adria und der slowenischen Grenze erstrecken sich Weinberge, Flusstäler, mittelalterliche Dörfer und Städte, die eine Geschichte erzählen, die zwischen venezianischem Einfluss, österreichischer Herrschaft und italienischer Nachkriegsgeschichte pendelt. Wer die Region langsam bereist, findet dort etwas, was der italienische Süden mit seinen bekannten Reisezielen kaum noch bietet: Ruhe, Authentizität und Begegnungen mit Menschen, die noch selbst prägen, was ihr Ort ausmacht.
Genau darum geht es beim Programm Ausflug in die Dörfer, das die regionale Tourismusorganisation PromoTurismoFVG in Zusammenarbeit mit Gemeinden und lokalen Akteuren aufgelegt hat. Bis Dezember 2026 laden vier historisch besonders reizvolle Orte zu geführten Touren, Verkostungen und Begegnungen ein: Strassoldo, Muggia, Valvasone Arzene und ab September auch Polcenigo.
Strassoldo und die Wasserschlösser
Strassoldo liegt in der Provinz Udine und gehört zu den am besten erhaltenen historischen Dörfern der Region. Prägend sind zwei mittelalterliche Wasserschlösser, um die sich der Ort im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Die Anlagen sind noch heute im Besitz derselben Adelsfamilie, die sie im 11. Jahrhundert erbauen ließ, und werden für Führungen, Ausstellungen und private Veranstaltungen genutzt.

Blick auf Strassoldo in der Provinz Udine: Das mittelalterliche Wasserschloss ist eines von zwei erhaltenen Schlössern des Ortes und gehört zu den besterhaltenen historischen Ensembles Friaul-Julisch Venetiens.
Die geführten Touren durch Strassoldo beginnen bei den Schlössern und führen weiter durch die schmalen Gassen des Ortes. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehören eine alte Mühle, die noch immer betriebsfähig ist, sowie die Kirche Santa Maria in Vineis mit ihrer Fresken-Ausstattung. Die nächsten Termine sind der 11. Juli 2026, weitere folgen im September, Oktober und November.
Muggia: die venezianische Perle an der Adria
Muggia liegt südlich von Triest an der Adria, nur wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt. Als einzige Gemeinde der Region an der istrischen Küste unterstand Muggia jahrhundertelang der Republik Venedig, und dieses Erbe ist bis heute im Ortsbild ablesbar. Farbige Häuser, ein historischer Hafen, ein venezianisches Rathaus und ein Schloss aus dem 14. Jahrhundert bilden das Zentrum.
Die geführte Tour durch Muggia beginnt am Hafen und führt durch die schmalen Gassen, über kleine Plätze und hinauf zum Schloss. Wer Muggia zum ersten Mal besucht, ist meist überrascht, wie stark die venezianische Prägung noch immer wirkt. Die kommenden Termine sind der 19. Juli sowie der 2., 16. und 23. August 2026.

Blick auf Valvasone Arzene in der Provinz Pordenone: Das mittelalterliche Dorf mit seinem historischen Schloss zählt zu den offiziell schönsten Dörfern Italiens und ist im Rahmen der Initiative "Ausflug in die Dörfer" gleich zweimal Ziel geführter Touren.
Valvasone Arzene: das mittelalterliche Herz der Region
Valvasone Arzene in der Provinz Pordenone gehört zu den offiziell schönsten Dörfern Italiens, den Borghi più belli d'Italia. Der Ort hat seinen mittelalterlichen Grundriss weitgehend bewahrt. Zentrale Sehenswürdigkeit ist das Schloss von Valvasone, das seit dem 13. Jahrhundert im Ort steht und über Jahrhunderte im Besitz derselben Adelsfamilie war. Die gepflasterten Gassen der Altstadt, die restaurierte Adelsresidenz und der historische Dom mit einer der ältesten funktionsfähigen Orgeln Italiens machen den Besuch lohnend.
Angeboten werden zwei Rundgänge: Der erste am 18. Juli 2026 konzentriert sich auf das Dorf und das Schloss. Der zweite am 26. September verbindet die historische Führung mit einer Weinprobe im Weingut Borgo delle Oche. Wer sich für die Weine der Region interessiert, findet in unserem Beitrag zum italienischen Wein und seinen 20 Regionen Kontext und Hintergrundinformationen zum friulanischen Weinbau, der zu den elegantesten Weißweingebieten Italiens zählt.
Polcenigo am Fluss Livenza
Polcenigo liegt am Fuß der Karnischen Voralpen und ergänzt das Programm ab September. Der Ort gilt als einer der ursprünglichsten Norditaliens und zählt ebenfalls zu den Borghi più belli d'Italia. Prägend sind das mittelalterliche Schloss, mehrere Herrenhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert und die Quelle des Flusses Livenza, die direkt im Ortsgebiet entspringt.
Die geführten Rundgänge in Polcenigo verbinden Kultur- und Naturerlebnis: Sie beginnen im historischen Ortskern, führen zum Schloss und den Herrenhäusern und enden am Flusslauf mit seinen Wasserquellen. Die Route eignet sich auch für Familien und ist ein guter Ausgangspunkt für weitere Trekking-Touren in der Umgebung.
Warum sich Friaul-Julisch Venetien lohnt
Friaul-Julisch Venetien ist eine der stillsten Regionen Italiens, wenn es um internationalen Tourismus geht. Wer Toskana, Amalfiküste oder Cinque Terre erlebt hat und nach einer Alternative sucht, findet hier Landschaften und Orte, die ähnliche Qualitäten bieten, aber ohne den Massentourismus. Die Weinregionen des Friaul zählen zu den besten Weißweingebieten Italiens, die Küste um Grado und Muggia bietet eine unerwartet ruhige Adria, und die Nähe zu Slowenien und Österreich gibt der Region kulturell eine besondere Vielschichtigkeit.
Das Programm Ausflug in die Dörfer ist eine gute Möglichkeit, sich der Region langsam zu nähern. Die geführten Touren sind meist auf Italienisch und Deutsch oder Englisch buchbar und werden über die offizielle Seite von PromoTurismoFVG angeboten. Wer Friaul-Julisch Venetien zum ersten Mal besucht, kann sich über die Kombination aus alten Dörfern, gutem Wein und einer Region, die noch nicht auf Massentourismus getrimmt ist, freuen. Wer statt Dörfern lieber die alpine Seite der Region entdecken möchte, findet in unserem Beitrag zu den Alpenseen und Wanderungen in Friaul-Julisch Venetien weitere Anregungen.





