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Seborga: Fürstentum in Ligurien mit deutscher Prinzessin

Redaktion
Seborga von oben: Das ligurische Bergdorf auf etwa 500 Metern Höhe zwischen Bordighera und San Remo. Rund dreihundert Einwohner leben in dem selbsternannten Fürstentum, das bis in das Jahr 954 zurückreicht.

Seborga von oben: Das ligurische Bergdorf auf etwa 500 Metern Höhe zwischen Bordighera und San Remo. Rund dreihundert Einwohner leben in dem selbsternannten Fürstentum, das bis in das Jahr 954 zurückreicht.

(Foto: © Pixelshop - adobe.stock.com)
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In den Hügeln der ligurischen Blumenriviera, wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt, liegt ein Bergdorf, das sich seit über 60 Jahren als eigenständiges Fürstentum versteht: Seborga. Rund 300 Einwohner leben auf einer Höhe von etwa 500 Metern zwischen Bordighera und Sanremo, und obwohl der italienische Staat die Unabhängigkeit des kleinen Ortes nicht anerkennt, hat Seborga eine eigene Fürstin, eine eigene Währung, eigene Briefmarken und ein Wachhäuschen am Ortseingang, das bei offiziellen Anlässen von einer Ehrengarde in blau-weißen Uniformen besetzt wird. Seit 2019 wird das Fürstentum von Nina Menegatto regiert, einer gebürtigen Deutschen aus Kempten im Allgäu, die die Rolle der Principessa nach dem Tod ihres Vorgängers übernommen hat. Ein Portrait eines der ungewöhnlichsten Orte Norditaliens, der zugleich einer der schönsten der ligurischen Küste ist.

Wo Seborga liegt und wie man hinkommt

Seborga liegt in der Provinz Imperia, im westlichen Teil Liguriens, nur wenige Kilometer landeinwärts von der berühmten Riviera dei Fiori, der italienischen Blumenriviera. Der Ort ist von der Küstenstadt Bordighera aus über die Provinzstraße SP57 in etwa zwanzig Minuten erreichbar und liegt auf rund fünfhundert Metern über dem Meer, mit weitem Blick auf das Ligurische Meer, die Seealpen und, an klaren Tagen, die französische Côte d'Azur. Wer aus dem DACH-Raum kommt, erreicht Seborga über die Autobahn A10, die durch die gesamte Riviera di Ponente führt und in Bordighera abzweigt. Vom nur wenige Kilometer entfernten Portofino und den Cinque Terre trennt Seborga zwar die gesamte Riviera-Küste, doch mit Nizza, Menton und Sanremo hat der Ort einige der bekanntesten Kur- und Ferienorte des westlichen Mittelmeers in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

1000 Jahre Geschichte: Von 954 bis heute

Die schriftliche Geschichte des Ortes reicht bis in das Jahr 954 zurück. In einer Urkunde des Grafen von Ventimiglia wurde Seborga in jenem Jahr an die Benediktinerabtei von Lérins auf den Inseln vor Cannes an der Côte d'Azur abgetreten. Damit begann eine ungewöhnliche Konstellation, wie das offizielle italienische Tourismusportal Italia.it in seinem Seborga-Portrait dokumentiert: Die Mönche wurden Fürstäbte und regierten Seborga über 700 Jahre lang als geistliches Fürstentum, mit eigener Verwaltung, eigener Münzprägung und eigenen Steuerhoheiten. Erst 1729 verkauften sie den Ort an das Haus Savoyen unter König Viktor Amadeus II., der Seborga jedoch persönlich erwarb und nicht formal in das Königreich Sardinien eingliederte. In diesem Detail liegt der ganze historische Kern der späteren Unabhängigkeitsbewegung.

Weder beim Wiener Kongress 1815, bei dem die europäischen Grenzen nach dem Napoleonischen Zeitalter neu gezogen wurden, noch bei der Gründung des italienischen Königreichs 1861 oder der Ausrufung der Italienischen Republik 1946 wurde Seborga in den offiziellen Dokumenten als Teil Italiens genannt. Aus Sicht der heutigen Bewohner ist damit die staatsrechtliche Zugehörigkeit zu Italien nie förmlich vollzogen worden.

Giorgio Carbone und die Unabhängigkeitserklärung

Diese historische Beobachtung machte in den 1960er Jahren ein Blumenzüchter aus Seborga namens Giorgio Carbone öffentlich. Nach jahrelanger Recherche in Archiven und mit einem ausgeprägten historischen Sinn überzeugte er seine Mitbürger davon, dass Seborga rechtlich weiterhin ein souveränes Fürstentum sei. In den 1960er Jahren begann die Bewegung, 1963 wurde Carbone informell zum Fürsten gewählt, 1995 folgte eine formale Bestätigung als Giorgio I. von Seborga. Er regierte den kleinen Ort bis zu seinem Tod 2009. Nach einem kurzen Interregnum folgte 2010 der Unternehmer Marcello Menegatto als Marcello I. auf den Thron, der das Amt bis 2019 innehatte. Seit 2019 amtiert seine Ehefrau Nina Menegatto als Fürstin.

Nina Menegatto: die Fürstin aus dem Allgäu

Die aktuelle Regentin von Seborga ist eine Deutsche. Nina Menegatto, geboren in Kempten im Allgäu, hat seit 2019 die Rolle der Principessa inne, nachdem ihr Mann Marcello nach neun Jahren Amtszeit zurückgetreten war. Sie hat die Souvenirs, die Kommunikation nach außen und die touristische Vermarktung des kleinen Fürstentums professionalisiert und tritt bei Empfängen, Festen und offiziellen Anlässen als Staatsoberhaupt auf. Eine neue Prägung der Landeswährung Luigino mit dem Konterfei der Prinzessin ist angekündigt. Für Reisende aus dem deutschsprachigen Raum ist der Fürstinnenwechsel ein zusätzlicher Grund, den Weg nach Seborga zu suchen, denn nirgendwo sonst in Europa regiert eine deutsche Prinzessin einen selbsternannten Staat.

Das Dorfzentrum von Seborga: Links das Oratorium San Bernardo aus dem 13. Jahrhundert, das an die Verbindung mit dem Templerorden erinnert. Seborga ist Mitglied der Vereinigung der schönsten Dörfer Italiens.

Das Dorfzentrum von Seborga: Links das Oratorium San Bernardo aus dem 13. Jahrhundert, das an die Verbindung mit dem Templerorden erinnert. Seborga ist Mitglied der Vereinigung der schönsten Dörfer Italiens.

(Foto: © Pixelshop - adobe.stock.com)

Wie der italienische Staat mit Seborga umgeht

Aus offizieller Sicht bleibt Seborga ein italienischer Comune in der Provinz Imperia. Der italienische Staat erkennt das Fürstentum nicht an, behält die formale Gerichtsbarkeit und behandelt den Ort wie jede andere Kleinstadt Liguriens. Wie das italienische Nachrichtenportal Il Post in einem ausführlichen Portrait im Februar 2025 dokumentiert, unterliegt Seborga in jeder Hinsicht der italienischen Gerichtsbarkeit, und das Rathaus ist das einzige Gebäude im Ort, das die italienische Trikolore hisst. In allen anderen Straßen und Gassen wehen die blau-weißen Flaggen des selbsternannten Fürstentums.

Gleichzeitig hat Italien mit einer bemerkenswerten Duldung reagiert. Das Wappen des Fürstentums wurde 1994 per Dekret des damaligen Staatspräsidenten Oscar Luigi Scalfaro sogar formal genehmigt, ein sehr partieller Akt der Zustimmung. Die Gemeinde Seborga selbst hat den unabhängigen Aktivitäten des Fürstentums nie widersprochen, weil sie den touristischen Wert der Story anerkennt. Die Luigino-Münzen, die Briefmarken und die Pässe haben keinen rechtlichen Wert, werden aber toleriert. Wie die Nachrichtenagentur Virgilio in ihrer Berichterstattung über die Statuten-Reform 2022 festhält, stützt sich das Fürstentum in seiner Argumentation weiter auf das Fehlen einer förmlichen Nennung Seborgas im Wiener Kongress von 1815 und in den späteren Gründungsdokumenten des italienischen Staates.

Was Seborga zu sehen hat

Der Ortskern von Seborga ist mittelalterlich geblieben und wird in der Vereinigung I Borghi più belli d'Italia, den schönsten Dörfern Italiens, geführt. In den engen Gassen und auf der zentralen Piazza San Martino stehen die wichtigsten Bauten des Fürstentums: die barocke Pfarrkirche San Martino aus dem 17. Jahrhundert, mit klaren Linien und einem Glockenturm, der die anderen Gebäude überragt; der Palazzo dei Monaci, ehemaliger Sitz der Fürstäbte und der Münzprägung, mit dem heraldischen Wappen des Fürstentums an der Fassade; und das Oratorium San Bernardo aus dem 13. Jahrhundert, das an die Verbindung Seborgas mit dem Templerorden erinnert. In demselben Gebäude wie der Palazzo ist heute eine Dauerausstellung mit 135 antiken Musikinstrumenten aus verschiedenen Epochen zu sehen.

Der Ort wird am Eingang von einem Wachhäuschen des Corpo delle Guardie markiert, der Ehrengarde des Fürstentums, die bei offiziellen Anlässen und Zeremonien in blau-weißer Uniform auftritt. Wer den Ort betritt, findet Souvenirshops mit den offiziellen Symbolen des Fürstentums, Luigino-Münzen als Erinnerungsstücke, Briefmarken, das blau-weiße Wappen und Pässe für Touristen. Drei Restaurants im Ort bieten die Küche der ligurischen Berge an, mit Wild, Kaninchen, Ziegenkäse und Olivenöl aus der Region. Die Zubereitung des Kaninchens gilt als Geheimrezept und ist ein Aushängeschild der lokalen Gastronomie.

Praktische Tipps für den Besuch

Für einen Besuch eignet sich Seborga besonders in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst, wenn die Blumenriviera in voller Blüte steht und die Temperaturen mild sind. Im Hochsommer kann das ligurische Hinterland sehr heiß werden, dann sind die frühen Morgenstunden und der späte Nachmittag die besten Zeiten für einen Rundgang. Für die Anreise mit dem Auto empfiehlt sich die Autobahn A10 mit Abfahrt in Bordighera, von dort führt die kurvige SP57 in gut 20 Minuten hinauf nach Seborga. Öffentliche Verkehrsmittel sind selten und unregelmäßig, ein Mietwagen ist die praktischere Wahl. Ein halber Tag genügt, um den Ort in Ruhe zu erkunden. Wer einen längeren Ligurien-Urlaub plant, kann Seborga gut mit Bordighera, Sanremo, Ospedaletti und einem Abstecher nach Portofino kombinieren. Für den offiziellen Einblick in Verwaltung, Termine und öffentliche Auftritte des Fürstentums bietet die offizielle Website des Principato di Seborga laufend Informationen.

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