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Trinkgeld in Italien: Warum viele Deutsche zu viel bezahlen

Bastian Glumm
In Italien ist Trinkgeld meist freiwillig, oft genügt Aufrunden statt einer festen Prozentregel. Coperto und Servizio sorgen bei Urlaubern jedoch häufig für Verwirrung.

In Italien ist Trinkgeld meist freiwillig, oft genügt Aufrunden statt einer festen Prozentregel. Coperto und Servizio sorgen bei Urlaubern jedoch häufig für Verwirrung.

(Foto: © Pixelot - stock.adobe.com)
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Wer nach Italien reist, macht oft automatisch das, was in Deutschland üblich ist: Rechnung anschauen, zehn Prozent ausrechnen und Trinkgeld geben. Doch genau hier beginnt häufig die Verwirrung. Denn in Italien funktioniert das Thema deutlich anders. Die berühmte „Mancia“ – also das Trinkgeld – gehört zwar zum Alltag, ist aber längst keine feste Verpflichtung wie in manchen anderen Ländern.

Viele Italiener selbst rechnen nicht mit einer bestimmten Prozentzahl. Stattdessen geht es eher um eine kleine Anerkennung für guten Service. Wer zufrieden war, rundet häufig einfach auf oder lässt ein paar Münzen beziehungsweise wenige Euro zurück.

Was bedeutet das „Coperto“ auf der Rechnung?

Spätestens beim ersten Restaurantbesuch stolpern viele Urlauber über einen zusätzlichen Posten auf dem Kassenbeleg: „Coperto“. Nicht selten wird das mit Trinkgeld verwechselt, tatsächlich ist es aber etwas anderes.

Das Coperto ist eine Gebühr für den gedeckten Platz am Tisch und kann je nach Restaurant beispielsweise Brot, Besteck, Servietten oder allgemeine Servicekosten umfassen. Wichtig: Es handelt sich dabei nicht um eine Trinkgeldzahlung an den Kellner. Zudem muss diese Gebühr im Restaurant beziehungsweise auf der Speisekarte klar ausgewiesen werden.

Viele Touristen wundern sich darüber, weil diese Praxis in zahlreichen Ländern kaum oder gar nicht existiert. In Italien gehört sie dagegen seit Jahrzehnten zur Gastronomiekultur, auch wenn manche Restaurants inzwischen darauf verzichten und die Kosten direkt in ihre Preise einrechnen.

Und was ist „Servizio“?

Zusätzlich zum Coperto kann auf manchen Rechnungen auch „Servizio“ oder „Servizio incluso“ stehen. Hierbei handelt es sich um eine Servicegebühr, die bereits in die Rechnung aufgenommen wurde.

Gerade in touristischen Regionen kommt das häufiger vor. Wenn dieser Betrag bereits berechnet wurde, sehen viele Gäste keinen Grund mehr, zusätzlich Trinkgeld zu hinterlassen. Wer außergewöhnlich zufrieden war, kann natürlich trotzdem noch etwas geben. Erwartet wird das jedoch normalerweise nicht.

Restaurant, Café, Taxi oder Hotel – wie machen es Italiener?

Im Restaurant wird häufig einfach aufgerundet. Kostet das Essen beispielsweise 18 Euro, machen viele daraus 20 Euro. So wie das in Deutschland auch üblich ist. Wer besonders zufrieden war, lässt zusätzlich ein oder zwei Euro liegen. Große Trinkgeldbeträge nach amerikanischem Vorbild sind dagegen eher untypisch.

In Bars wird oft gar kein Trinkgeld erwartet. Manche lassen ein paar Münzen zurück, andere bezahlen einfach den genauen Betrag. Auch im Taxi gilt meist eher das Aufrunden als eine feste Prozentregel. Nutzt man Uber oder eine Taxi-App, kann man oft das Trinkgeld direkt digital anweisen und braucht kein Bargeld. Im Hotel wiederum werden kleine Beträge von ein oder zwei Euro für Gepäckservice oder besondere Hilfe häufig als nette Geste verstanden.

Die wichtigste Regel lautet: Erst auf die Rechnung schauen

Wer in Italien eine Rechnung bekommt, sollte deshalb zunächst prüfen, ob bereits ein Coperto oder Servizio enthalten ist. Anders als in Deutschland muss danach niemand hektisch Prozentzahlen berechnen.

Eine kleine Anerkennung für guten Service kommt zwar fast immer gut an, eine Pflicht ist sie jedoch nicht. Genau das scheint auch die eigentliche italienische Haltung zu sein: weniger Rechnen, etwas mehr Gefühl. Wie bei vielen anderen Dingen auch.

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