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Viterbo: Das größte mittelalterliche Viertel Europas

Redaktion
Der imposante Palazzo dei Papi di Viterbo zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerken im Latium. Viterbo liegt rund 80 Kilometer nördlich von Rom und ist für seine gut erhaltene mittelalterliche Altstadt bekannt.

Der imposante Palazzo dei Papi di Viterbo zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerken im Latium. Viterbo liegt rund 80 Kilometer nördlich von Rom und ist für seine gut erhaltene mittelalterliche Altstadt bekannt.

(Foto: © Fabio Lotti - adobe.stock.com)
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Wer die Tuscia im nördlichen Latium besucht, kommt an Viterbo nicht vorbei. Die rund 90 Kilometer nördlich von Rom gelegene Provinzhauptstadt trägt den Beinamen Città dei Papi, die Papststadt, weil sie im 13. Jahrhundert Sitz der römischen Kurie war. Ihr historisches Zentrum wird von den Mauern aus Tuffstein und Peperin umschlossen und gilt als eine der am besten erhaltenen Altstädte Italiens. Das darin gelegene Viertel San Pellegrino wird nach Angaben der offiziellen Tourismus-Region Latium und weiterer italienischer Fachportale als das größte zusammenhängende mittelalterliche Ensemble Europas bezeichnet.

San Pellegrino: das größte mittelalterliche Viertel Europas

San Pellegrino liegt in der Altstadt und hat nach Angaben lokaler Fremdenführer-Portale zu Viterbo seinen Grundriss und seine Bausubstanz aus dem 13. Jahrhundert außergewöhnlich vollständig bewahrt. Charakteristisch für das Viertel sind die Profferli, die außen an den Häusern hochführenden Treppen mit Rundbogen, die in Viterbo besonders zahlreich erhalten sind. Im Erdgeschoss lagen früher die Werkstätten, Ställe und Lagerräume, im ersten Stock die Wohnräume, die nur über die Außentreppen erreichbar waren. Das Herzstück ist die Piazza San Pellegrino mit dem gleichnamigen Kirchlein und dem Palazzo degli Alessandri, einem der wichtigsten Beispiele mittelalterlicher Wohnarchitektur der Stadt.

Neben den Profferli prägen enge Gassen, kleine Innenhöfe und zahlreiche Wohntürme das Bild. Historisch sollen es einmal fast zweihundert Türme gewesen sein, heute stehen davon rund vierzig. Viterbo ist zudem eine wichtige Station der Via Francigena, des mittelalterlichen Pilgerwegs von Canterbury nach Rom, was San Pellegrino jahrhundertelang zu einem lebhaften Rastpunkt für Reisende gemacht hat.

Papststadt und Palazzo dei Papi

Zwischen 1255 und 1266 wurde auf einer Anhöhe oberhalb der Cattedrale San Lorenzo der Palazzo dei Papi errichtet. Anlass war der wiederholte Umzug der römischen Kurie nach Viterbo, wo die Päpste zeitweise Zuflucht vor den Unruhen in Rom fanden. Das berühmteste Fassaden-Detail des Palasts ist die Loggia delle Benedizioni, eine offene Bogengalerie mit filigraner Steinarbeit. Direkt gegenüber liegt die Cattedrale San Lorenzo, die im Kern aus einer älteren Pieve aus dem 12. Jahrhundert hervorgegangen ist und einen Glockenturm im Stil der toskanischen Gotik aus dem Ende des 14. Jahrhunderts trägt.

Im Palazzo dei Papi fand das erste Konklave der Kirchengeschichte im formalen Sinn statt: Es dauerte vom 29. November 1268 bis zum 1. September 1271 und ist damit auch das längste Konklave, das jemals abgehalten wurde. Erst nachdem die Bevölkerung von Viterbo die Kardinäle in den Palast eingeschlossen und schließlich sogar das Dach abgedeckt hatte, um sie zu einer Entscheidung zu zwingen, kam es zur Wahl von Papst Gregor X. Die Sala del Conclave im Palast erinnert bis heute an dieses historische Ereignis.

Von den Thermalquellen bis zur Macchina di Santa Rosa

Rund um Viterbo entspringen mehrere Thermalquellen, die bereits die Etrusker und Römer nutzten. Die bekannteste ist der Bullicame westlich der Stadt, dessen Wasser mit rund 58 Grad Celsius an die Oberfläche tritt und der wegen seiner sprudelnden Blasen seinen Namen bekommen hat. Dante Alighieri erwähnt den Bullicame im vierzehnten Gesang des Inferno-Teils seiner Divina Commedia. Neben den kostenlosen Bädern des Bullicame und der Piscine Carletti sowie den vereinsverwalteten Terme del Bagnaccio gibt es mit den Terme dei Papi ein großes kostenpflichtiges Thermalzentrum mit einer monumentalen Außen-Piscine.

Der jährliche Höhepunkt in Viterbo ist das Fest der Stadtpatronin am 3. September, wenn die Macchina di Santa Rosa durch die nächtliche Altstadt getragen wird. Nach Angaben der italienischen UNESCO-Kommission handelt es sich dabei um einen rund dreißig Meter hohen und fünf Tonnen schweren beleuchteten Turm, der von über hundert Männern, den Facchini di Santa Rosa, auf den Schultern über eine Strecke von gut einem Kilometer durch die Altstadt getragen wird. Der Trasporto della Macchina di Santa Rosa ist nach Angaben der Stadt Viterbo seit Dezember 2013 als Teil des Netzwerks der italienischen Grandi Macchine a Spalla auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit verzeichnet.

Anreise und Reisezeit

Viterbo ist von Rom aus mit Regionalzug und Bus erreichbar. Die Stadt verfügt über zwei Bahnhöfe: Viterbo Porta Fiorentina und Viterbo Porta Romana. Wer mit der Bahn nach Latium fährt, nimmt in Rom in der Regel eine Verbindung ab Roma Ostiense oder Roma San Pietro. Mit dem Auto sind es von Rom über die Via Cassia oder die Autobahn A1 mit Ausfahrt Orte etwa neunzig Autominuten.

Als beste Reisezeit gelten die Übergangsmonate April, Mai, September und Oktober. Die Temperaturen bleiben mild, der Andrang in der Altstadt hält sich in Grenzen und das Umland lässt sich gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Der Herbst hat den zusätzlichen Reiz, dass die Weinlese in der Tuscia im Gange ist und sich rund um Viterbo das breite Sortiment an Weinen aus der Region verkosten lässt. Der Abend des 3. September mit dem Trasporto della Macchina bleibt der emotionale Fixpunkt im Jahresverlauf.

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