Wer aus Deutschland nach Italien reist, kennt es: leere Flaschen und Dosen einfach zum Automaten bringen und das Pfand zurückbekommen. In Italien sucht man dieses System bislang vergeblich. Doch das Flaschenpfand könnte in Italien schon bald Realität werden, getrieben von einer neuen EU-Verordnung. Was hinter dem Thema steckt, wie ein italienisches Pfandsystem aussehen würde und was sich für Verbraucher ändern könnte.
Gibt es in Italien Flaschenpfand?
Die kurze Antwort: Nein. Anders als in Deutschland existiert in Italien bislang kein nationales Pfandsystem für Einweg-Getränkeverpackungen. Auf Italienisch heißt ein solches System „vuoto a rendere" oder „deposito cauzionale" (international: Deposit Return System, DRS). Bisher gibt es nur vereinzelte Pilotprojekte mit Rücknahmeautomaten (eco-compattatori), aber keine flächendeckende Pfandpflicht. Wer in Italien eine Plastikflasche oder Dose kauft, zahlt also keinen Pfandaufschlag und wirft die leere Verpackung in der Regel in die Wertstofftrennung (raccolta differenziata).
Was die EU vorschreibt
Der entscheidende Anstoß kommt aus Brüssel. Die EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) ist seit Februar 2025 in Kraft und wird ab dem 12. August 2026 voll anwendbar. Sie verlangt von den Mitgliedstaaten bis zum 1. Januar 2029 eine Getrenntsammlung von mindestens 90 Prozent bei Einweg-Plastikflaschen und Getränkedosen (bis 3 Liter) – und schreibt dafür im Regelfall ein Pfandsystem vor. Damit setzt die EU auf ein Modell, das sich in vielen Ländern bereits bewährt hat.
Es gibt eine Ausnahme: Länder, die bis 2026 bereits 80 Prozent Getrenntsammlung bei Getränkeverpackungen erreichen, können sich vom Pfand-Zwang befreien lassen. Genau hier liegt Italiens Problem. Die Sammelquote bei Kunststoff liegt nur bei rund 68 bis 70 Prozent (Stand 2024) und damit deutlich unter der nötigen Marke. Hinzu kommt: Der Anteil an recyceltem Kunststoff in neuen Flaschen lag zuletzt bei etwa 20 Prozent und damit unter dem EU-Ziel von 25 Prozent. Für Italien dürfte ein Flaschenpfand damit kaum noch zu vermeiden sein.
So soll das Pfand in Italien funktionieren
Das geplante System ähnelt dem deutschen Vorbild: Beim Kauf zahlt der Verbraucher eine kleine Kaution zusätzlich zum Produktpreis. Vorgesehen ist sie für Einweg-Getränkeverpackungen aus Plastik und Aluminium zwischen 0,1 und 3 Litern. Das Pfand wird zurückerstattet, sobald die leere Verpackung im Geschäft oder an einem dafür vorgesehenen Rücknahmeautomaten (im Supermarkt zum Beispiel) zurückgegeben wird. Ziel ist es, möglichst viele Flaschen und Dosen sauber sortenrein zu sammeln, statt sie im Restmüll oder in der Natur landen zu lassen.
Deutschland gilt beim Thema Pfand als Pionier. Das Einwegpfand von 0,25 Euro auf Plastikflaschen und Dosen wurde 2003 eingeführt; auf Mehrwegflaschen liegt das Pfand je nach Gebinde meist zwischen 0,08 und 0,15 Euro. Das Ergebnis ist eine der höchsten Rücklaufquoten der Welt, ein Großteil der bepfandeten Behälter kommt zurück und wird recycelt. Genau diese Effizienz macht das Modell für andere EU-Länder so attraktiv. Für deutsche Verbraucher wäre ein italienisches Pfandsystem also nichts Neues, sondern vertrautes Terrain.
Diese EU-Länder haben schon ein Pfand
Italien wäre keineswegs ein Vorreiter, sondern ein Nachzügler. Pfandsysteme für Einweg-Getränkeverpackungen gibt es längst in zahlreichen EU- und europäischen Staaten, darunter natürlich Deutschland, die skandinavischen Länder, die Niederlande und das Baltikum. Zuletzt führten unter anderem Irland und Rumänien neue Systeme ein. Die EU-Verordnung sorgt nun dafür, dass ein solches Pfand schrittweise zum europäischen Standard wird und Italien gehört zu den großen Ländern, die noch keines haben.
Der Umweltaspekt ist gerade in Italien gewichtig. Das Land verbraucht jährlich rund 450.000 bis 470.000 Tonnen PET allein für Getränkeverpackungen. Was nicht sauber gesammelt wird, landet zu oft als Müll in der Landschaft, oder im Meer. Das Mittelmeer zählt zu den am stärksten von Plastik belasteten Meeren der Welt, und weggeworfene Flaschen und Dosen tragen erheblich dazu bei. Ein Pfandsystem setzt einen finanziellen Anreiz zur Rückgabe und kann das sogenannte Littering, also das achtlose Wegwerfen, spürbar verringern. Ein direkter Gewinn für Italiens berühmte Strände und Küsten.
Wie weit ist die Politik?
Das Thema ist in Bewegung. Seit 2025 und 2026 liegen mehrere Gesetzentwürfe vor; im Januar 2026 wurde ein parteiübergreifend unterstützter Vorschlag in der Umweltkommission der Abgeordnetenkammer eingebracht. Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus. Klar ist: Mit der EU-Deadline im Rücken wächst der Druck, und 2026 könnte zum Wendejahr für das Flaschenpfand in Italien werden.
Was das für Verbraucher und Italien-Reisende bedeutet
Noch ändert sich im Alltag nichts: Wer in Italien einkauft, zahlt aktuell kein Flaschenpfand und trennt seinen Verpackungsmüll wie gewohnt über die raccolta differenziata. Mittelfristig ist aber damit zu rechnen, dass auch Italien ein Pfandsystem einführt mit Kaution beim Kauf und Rückgabe am Automaten, so wie es Deutsche längst kennen. Für umweltbewusste Reisende wäre das eine gute Nachricht: weniger Plastikmüll in Landschaft und Meer.
Häufige Fragen zum Flaschenpfand in Italien (FAQ)
Gibt es in Italien aktuell Flaschenpfand? Nein. Ein nationales Pfandsystem existiert bisher nicht. Leere Flaschen und Dosen werden über die Mülltrennung (raccolta differenziata) entsorgt.
Wann könnte das Pfand in Italien kommen? Ein genaues Datum steht nicht fest. Treiber ist die EU-Verordnung PPWR, die ab dem 12. August 2026 voll gilt und bis 2029 hohe Sammelquoten verlangt. Mehrere Gesetzentwürfe sind bereits im Parlament.
Wie hoch wäre das Pfand? Das ist noch offen. Die Vorschläge sehen eine Kaution auf Einweg-Getränkeverpackungen aus Plastik und Aluminium von 0,1 bis 3 Litern vor, die bei der Rückgabe erstattet wird.
Was ändert sich für Urlauber? Aktuell nichts. Wer Italien besucht, zahlt kein Pfand. Sobald ein System eingeführt ist, gilt es wie in Deutschland: Kaution beim Kauf, Rückgabe am Automaten oder im Geschäft.





