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Idrosee in Norditalien: Die ruhige Alternative zum Gardasee

Redaktion
Blick auf den Idrosee in der Lombardei: Der Lago d'Idro liegt eingebettet in die Berge der Brescianer Voralpen und gilt als eine der ruhigsten Alternativen zum benachbarten Gardasee.

Blick auf den Idrosee in der Lombardei: Der Lago d'Idro liegt eingebettet in die Berge der Brescianer Voralpen und gilt als eine der ruhigsten Alternativen zum benachbarten Gardasee.

(Foto: © fabrizio - stock.adobe.com)
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Der Idrosee liegt nur eine halbe Autostunde nordwestlich des Gardasees und ist trotzdem eines der bestgehüteten Geheimnisse Norditaliens. Während sein großer Nachbar jährlich Millionen Touristen empfängt und aktuell auch unter dem sinkenden Wasserstand leidet, präsentiert sich der Idrosee als unaufgeregte Alternative mit klarem Bergwasser, überschaubaren Ortschaften und einer Landschaft, die eher an einen skandinavischen Fjord erinnert als an ein italienisches Urlaubsziel.

Auf Italienisch heißt der See Lago d'Idro. Er liegt auf 368 Metern Höhe an der Grenze zwischen der Lombardei und dem Trentino, zwischen den Provinzen Brescia und Trient. Mit rund elf Quadratkilometern Fläche und einer Länge von zwölf Kilometern gehört er zu den kleineren oberitalienischen Seen, hat aber landschaftlich und atmosphärisch einiges zu bieten, was ihn deutlich vom Gardasee unterscheidet.

Die Lage am Fuß der Alpen

Der Idrosee ist Teil des Valle Sabbia in der Provinz Brescia und wird von den Flüssen Chiese und Caffaro gespeist. Umgeben ist er von den bewaldeten Ausläufern der Brescianer Voralpen, die stellenweise steil ins Wasser abfallen. Genau diese Konstellation gibt dem See seinen unverwechselbaren Charakter. Wer am Ufer steht, blickt auf klare Bergwasser vor einer Kulisse, die eher alpin wirkt als mediterran.

Der See ist einer der saubersten Norditaliens. Die Wassertemperatur erreicht im Sommer zwischen 20 und 25 Grad und ist damit fast so warm wie am Gardasee, allerdings ohne den Trubel. Kies- und Sandstrände wechseln sich entlang des Ufers ab, viele davon flach abfallend und damit ideal für Familien mit kleinen Kindern.

Die schönsten Strände am Idrosee

Wer am Idrosee baden möchte, hat mehrere Optionen. Der Strand von Baitoni im Norden ist der breiteste Badeplatz am See und gehört zu den beliebtesten Adressen. Die Spiaggia Vesta im gleichnamigen Ort bietet eine große Liegewiese, die vor allem bei Familien geschätzt wird. Weitere kleinere Badeplätze finden sich rund um die Ortschaften Idro, Anfo und Crone.

Anders als am Gardasee gibt es hier keine dicht bebauten Uferpromenaden mit Café an Café. Am Idrosee reihen sich stattdessen einzelne Restaurants, kleine Familienhotels und Campingplätze locker um den See. Wer nach dem Baden abends noch ausgehen möchte, findet das Angebot überschaubar, aber authentisch.

Ein Paradies für Wassersportler

Der Idrosee gilt als eines der besten Wassersportreviere Norditaliens. Der Grund liegt im typischen Windprofil: Während der Vormittag meist ruhig ist und sich hervorragend zum Stand-Up-Paddeln, Kajakfahren oder Kanufahren eignet, bläst am Nachmittag verlässlich der thermische Wind Ander von Süd nach Nord. Diese konstante Brise macht den See zum Anziehungspunkt für Windsurfer, Segler und Kitesurfer aus ganz Europa.

Mehrere Segelschulen und Wassersportzentren rund um den See bieten Kurse und Ausrüstungsverleih an. Wer selbst kein eigenes Material dabei hat, kann Boards, Kanus, Tretboote und Katamarane vor Ort mieten. Für Familien ist besonders der Segelunterricht für Kinder ein beliebtes Angebot.

Wandern rund um den See

Auch Wanderer kommen am Idrosee auf ihre Kosten. Rund um den See ziehen sich alte Maultierpfade, Klettersteige und Bergwanderwege aller Schwierigkeitsgrade durch die Landschaft. Ein Klassiker ist der Sentiero dei Contrabbandieri, der Schmugglerweg zwischen Vesta und Baitoni. Er führt durch dichte Wälder, an alten Steinmauern vorbei und bietet immer wieder Ausblicke auf den See.

Anspruchsvoller ist der Klettersteig in Casto im Valle Sabbia, mit tibetanischen Hängebrücken und einer Länge von rund 1.700 Metern. Wer es lieber gemütlich mag, findet in der näheren Umgebung zahlreiche einfache Rundwege, etwa entlang des Ufers oder durch die Weinberge oberhalb der Ortschaften.

Rocca d'Anfo, die Festung über dem See

Die wichtigste kulturhistorische Sehenswürdigkeit am Idrosee ist die Rocca d'Anfo, eine riesige Festungsanlage über dem westlichen Seeufer. Die 50 Hektar große Anlage wurde im 15. Jahrhundert von der Republik Venetien errichtet und im 19. Jahrhundert von Napoleon Bonaparte modernisiert. Sie zieht sich als Batteriesystem den steilen Hang des Monte Censo hinauf und war einst eine der wichtigsten Verteidigungsanlagen der Region.

Heute lässt sich die Rocca d'Anfo im Rahmen von Führungen besichtigen. Türme, Kasernen, Stollen und eine 600-stufige Freitreppe geben einen Eindruck von der militärischen Bedeutung der Anlage. Wer die Wanderung bis zum Gipfelkreuz des Monte Censo auf sich nimmt, wird mit einem Panorama über den gesamten See belohnt.

Bagolino: eines der schönsten Dörfer Italiens

Ein Ausflug lohnt sich auch ins wenige Kilometer entfernte Bagolino, das zu den Borghi più belli d'Italia zählt, den offiziellen "schönsten Dörfern Italiens". Der Ort klebt malerisch am Hang, hat eine intakte mittelalterliche Struktur mit engen Gassen und Steinhäusern und ist bekannt für seinen traditionellen Käse, den Bagòss, sowie für seine ausgelassene Karnevalsfeier.

Weitere Ausflugsziele in der Nähe sind der Ledrosee mit den Pfahlbauten des UNESCO-Weltkulturerbes, der Adamello-Brenta-Naturpark, die historische Stadt Brescia sowie natürlich der Gardasee, der von hier in einer halben Stunde erreichbar ist.

Anreise und beste Reisezeit

Der Idrosee ist bequem mit dem Auto erreichbar. Von München über den Brenner sind es rund vier Stunden, von der A22 aus fährt man über Brescia in Richtung Nordwesten. Der nächste Flughafen ist Verona (Valerio Catullo), von dort erreicht man den See in etwa 90 Minuten. Wer mit dem Zug anreist, nimmt die Bahn bis Brescia oder Rovereto und wechselt dann auf regionale Busverbindungen.

Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und Oktober. Im Frühling und Herbst sind die Temperaturen angenehm und das Angebot an Wassersport, Wandern und Ausflügen noch nicht überlaufen. Im Hochsommer wird es voller, allerdings nie so sehr wie am Gardasee. Wer Ruhe sucht, findet auch im Juli und August noch stille Ecken.

Warum sich der Idrosee lohnt

Der Idrosee ist keine spektakuläre Alternative im Sinne eines noch größeren und schöneren Gardasees. Er ist etwas anderes, etwas Kleineres, etwas Ruhigeres. Wer den Trubel norditalienischer Touristenziele hinter sich lassen möchte, ohne auf gutes Wasser, italienische Küche und aktive Möglichkeiten zu verzichten, findet hier eine echte Alternative. Der See eignet sich für Familien mit Kindern, für Aktivurlauber und für alle, die einen Italien-Urlaub abseits der bekannten Adressen suchen. Wer sich einmal am Ufer niederlässt, versteht schnell, warum manche Reisende immer wieder zurückkehren.

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