Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Italien kommt und sich fragt, wo er Zahnpasta, Duschgel, Windeln oder Waschmittel kauft, findet eine differenziertere Antwort vor, als es die Kurzformel „gibt es nicht" nahelegt. dm ist in Italien präsent, wenn auch nur im Norden und Mittelitalien. Rossmann und Müller haben in Italien keine Filialen. Marktführer im italienischen Drogerie-Segment sind zwei Ketten, die im DACH-Raum kaum bekannt sind: Acqua & Sapone und Tigotà. Dazu kommen weitere spezialisierte Ketten sowie Supermärkte und Apotheken, die einen Teil der Sortimente übernehmen. Der Überblick zur Situation 2026.
dm ist in Italien, aber nicht überall
Die einzige der drei bekannten DACH-Drogerie-Ketten mit Filialen in Italien ist dm drogerie markt. Wie Il Sole 24 Ore aus Anlass des runden Meilensteins berichtet hat, hat dm am 6. August 2026 in Castenaso bei Bologna seine 100. italienische Filiale eröffnet, keine neun Jahre nach dem Markteintritt in Milano CityLife im November 2017. Bis Ende September sind drei weitere Standorte in Brescia, Parma und Bassano del Grappa angekündigt, mittelfristig sind 15 bis 20 Neueröffnungen pro Jahr geplant. Der Umsatz von dm Italia lag im Geschäftsjahr 2024/25 bei 252 Millionen Euro, einem Plus von 26,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Netz konzentriert sich auf Nord- und Mittelitalien, konkret auf die Regionen Lombardei, Emilia-Romagna, Venetien, Ligurien, Piemont, Trentino-Südtirol, Friaul-Julisch Venetien, Toskana und die Marken. Wer in Rom, Neapel, Sizilien oder in Süditalien einkauft, findet keine dm-Filiale in der Nähe.
Im Sortiment führen die italienischen dm-Filialen die klassischen Eigenmarken Balea, alverde, dmBio und babylove, ergänzt um internationale Kosmetik- und Körperpflege-Marken. Das entspricht weitgehend dem Sortiment der deutschen dm-Filialen, mit kleineren Anpassungen an lokale Verbraucher-Präferenzen. Rossmann und Müller sind in Italien nicht vertreten und haben auch nach aktuellem Stand keine Expansionspläne für den italienischen Markt.
Die italienischen Marktführer: Acqua & Sapone und Tigotà
Die tragende Rolle im italienischen Drogerie-Segment übernehmen zwei einheimische Ketten, die im DACH-Raum kaum bekannt sind. Marktführer ist Acqua & Sapone, 1992 aus einem Konsortium mehrerer Familienunternehmen entstanden und heute mit über 800 Filialen die größte italienische Drogerie-Kette für Körperpflege, Kosmetik und Haushaltsartikel. Die Filialen liegen meist etwas außerhalb der Innenstädte, oft an Ausfallstraßen oder in Einkaufszentren, mit einem breiten Sortiment aus Eigenmarken und internationalen Klassikern zu vergleichsweise günstigen Preisen. Im Sommer 2024 wurde die Mehrheit an Acqua & Sapone vom britischen Investmentfonds TDR Capital übernommen, seit Ende 2024 hat die Kette auch erste Filialen in Spanien eröffnet.
Auf Platz zwei folgt Tigotà, deren erster Store 2009 in Carpi in der Provinz Modena eröffnet wurde. Betreiber ist die norditalienische Gottardo S.p.A. aus Piazzola sul Brenta in der Provinz Padua, ein 1969 gegründetes Familienunternehmen, das inzwischen über siebenhundert Tigotà-Filialen führt und zugleich rund sechzig Acqua-&-Sapone-Standorte in Nordost-Italien und der Emilia-Romagna verwaltet. Die beiden großen Ketten sind damit wirtschaftlich enger verflochten, als es auf den ersten Blick scheint. Tigotà positioniert sich näher an der Parfümerie mit einem etwas breiteren Beauty-Segment, das Sortiment reicht aber ebenso von Waschmitteln bis zu Babypflege.
Risparmio Casa, PiùMe und der Neueinsteiger Normal
Auf Platz drei im italienischen Drugstore-Ranking steht Risparmio Casa, gegründet 1987 von den Brüdern Fabio und Stefano Battistelli in der Provinz Rom. Die Kette hat inzwischen 185 Filialen in Italien, der Schweiz und auf Malta, mit einem Fokus auf Haushalt, Reinigung und Körperpflege, und hat 2025 erstmals die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz überschritten. Für 2026 ist die Erweiterung auf 200 Filialen angekündigt, mit einem eigenen Marktanteil von über 15 Prozent im Drugstore-Segment.
Die ehemals unter dem Namen Ipersoap bekannte Kette firmiert seit 2020 unter dem neuen Namen PiùMe und betreibt rund 240 Filialen in Nord- und Mittelitalien. Neu am Markt ist der dänische Discounter Normal aus Silkeborg, der im März 2025 mit den ersten beiden Filialen in Rom in den italienischen Markt eingestiegen ist. Bis Ende 2025 waren bereits acht Normal-Standorte in Italien in Betrieb, mit klarer Ausrichtung auf besonders niedrige Preise für Drogerie- und Alltagsartikel.
Wenn der Supermarkt die Drogerie ersetzt
Ein wesentlicher Grund, warum italienische Drogeriemärkte in vielen Städten weniger prägend sind, liegt in den Supermärkten selbst. In den Filialen von Conad, Coop, Esselunga, Carrefour und weiteren Ketten gibt es in der Regel großzügige Abteilungen für Körperpflege, Haushaltschemie, Windeln und Grundkosmetik, oft mit vergleichbaren Preisen wie in den spezialisierten Drogerien. Wer beim Wocheneinkauf gleich Shampoo, Waschmittel und Zahnbürste mitnimmt, spart sich den Extra-Stopp. Größere Formate wie Ipercoop und Iperconad gehen dabei fast bis zum Vollsortiment einer deutschen Drogerie, teilweise ergänzt um Kleinelektronik, Textilien und Bürobedarf.
Für den täglichen Bedarf reicht das im Alltag meistens aus, wobei die Auswahl an bestimmten Marken und Nischen-Segmenten wie Naturkosmetik oder Bio-Reinigern deutlich kleiner ausfällt als in einer deutschen Drogerie mit Alverde, dmBio oder Alterra.
Farmacia und Parafarmacia als Ergänzung
Eine Rolle, die in Deutschland eindeutig zur Drogerie gehört, übernimmt in Italien traditionell die Apotheke. Höherwertige Kosmetik, Baby-Nahrung, Vitaminpräparate, Nahrungsergänzung, medizinische Kosmetik und teilweise auch Naturkosmetik werden häufig über Farmacie oder die etwas günstigeren Parafarmacie vertrieben. Die dort geführten italienischen Marken wie Somatoline, Rilastil und Bionike sind in DACH-Ländern eher wenig bekannt, entsprechen aber preislich und qualitativ dem Segment, das in Deutschland Marken wie Eucerin oder Vichy abdecken. Die Beratung in italienischen Apotheken ist meist ausführlicher als in einem Drogeriemarkt, die Preise entsprechend deutlich höher als bei dm-Eigenmarken.
Deutsche Marken in Italien: was geht, was nicht
Wer aus Deutschland gewohnt ist, Balea, alverde oder dmBio zu kaufen, findet diese Marken in Italien ausschließlich in den 96 dm-Filialen im Norden und Mittelitalien. In den italienischen Ketten wie Acqua & Sapone oder Tigotà sind sie nicht vertreten, dafür führen diese eigene Linien in ähnlicher Preisstruktur und Positionierung. Internationale Marken wie Nivea, Head & Shoulders, Colgate, Pantene, Ariel oder Persil sind in italienischen Supermärkten und Drogerien weit verbreitet, manche Sondergrößen oder Duftvarianten aus dem deutschen Sortiment gibt es aber nicht.
Umgekehrt gibt es italienische Marken, die deutsche Drogerien nicht kennen. Dazu gehören die Marseiller Seife am Stück, Bidet-Reiniger als eigene Produktkategorie, die traditionelle Zahnpasta-Marke Pasta del Capitano, 1905 in der Farmacia von Clemente Ciccarelli entwickelt und bis heute in italienischen Familien präsent, sowie Kölnisch-Wasser-Nachfolger wie Acqua di Colonia. Wer sich auf das lokale Sortiment einlässt, entdeckt oft überraschend gute Produkte zu moderaten Preisen.
Praktische Tipps für Reisende und Auswanderer
Für den Urlaubsalltag reicht der nächste Supermarkt in aller Regel aus, um Zahnbürste, Duschgel, Sonnencreme, Windeln oder Waschmittel zu bekommen, in Städten und Touristenorten auch am Sonntag. Wer in einer der genannten norditalienischen Regionen unterwegs ist und bestimmte deutsche Marken braucht, findet in der nächstgelegenen dm-Filiale das gewohnte Sortiment. Wer länger in Italien bleibt oder umzieht, findet in Acqua & Sapone, Tigotà, PiùMe oder Risparmio Casa mehr Auswahl zu besseren Preisen als in den kleinen Innenstadt-Läden, muss dafür aber häufig ein Stück fahren. Für hochwertige Kosmetik, Baby-Nahrung und Nahrungsergänzung ist die Farmacia oder Parafarmacia die richtige Adresse. Und wer bestimmte deutsche Marken außerhalb des dm-Netzes braucht, hat mit dem Grenzeinkauf in Südtirol, mit Amazon.it oder mit dem dm-Online-Shop mit Italien-Lieferung realistische Optionen.
Wer noch tiefer in die Ketten der Branche einsteigen möchte, findet in einer aktuellen Übersicht zu Parfümerien und Drogerien in Italien die wichtigsten Marken mit Standorten und Umsatzzahlen. Für den ersten Einkauf reicht aber die einfache Faustregel: dm im Norden für gewohnte Eigenmarken, Supermarkt für den Alltag, Acqua & Sapone oder Tigotà für das größere Sortiment, Apotheke für die spezielleren Fragen. Zusammen decken die Optionen die Rolle einer deutschen Drogerie solide ab.




