
Monteviasco liegt hoch über dem Val Veddasca, nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt. In den vergangenen Jahren ist der Ort zu einem Symbol für die fragile Zukunft vieler italienischer Bergdörfer geworden. Wer heute mit der Seilbahn oder über den steilen Fußweg nach Monteviasco gelangt, findet ein Dorf vor, das zugleich still und widerständig wirkt. Gezeichnet von jahrzehntelanger Abwanderung, aber getragen von einer kleinen Gemeinschaft, die sich weigert zu verschwinden.
Monteviasco: Ein Dorf ohne Straße
Monteviasco gehört verwaltungstechnisch zur Gemeinde Curiglia con Monteviasco in der Provinz Varese. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein lebten hier zahlreiche Familien von Landwirtschaft, Handwerk und saisonaler Arbeit jenseits der Grenze. Mit dem wirtschaftlichen Wandel und der zunehmenden Urbanisierung begann jedoch ein langsamer, aber stetiger Bevölkerungsschwund. Zurück blieben vor allem ältere Bewohner, leerstehende Steinhäuser und ein Dorf, das immer schwerer erreichbar wurde.
Die Erreichbarkeit ist der Schlüssel zur jüngeren Geschichte Monteviascos. Jahrzehntelang war die Seilbahn die wichtigste Verbindung ins Tal. Nach einem tödlichen Unfall im Jahr 2018 wurde sie jedoch stillgelegt. Ein Ereignis, das in ganz Italien für Aufmerksamkeit sorgte. Plötzlich war Monteviasco wieder auf das reduziert, was es früher einmal war: ein Dorf, das nur zu Fuß erreichbar ist, über mehr als tausend steile Stufen. Lebensmittel, Gasflaschen und Medikamente mussten getragen werden, Besuche von Handwerkern oder medizinischem Personal wurden zur logistischen Herausforderung.
Monteviasco in den italienischen Medien
Italienische Medien griffen das Schicksal des Dorfes immer wieder auf. Besonders eindrücklich war eine Fernsehreportage von ARTE, die Monteviasco als „vergessenes Bergdorf“ porträtierte und den Alltag der verbliebenen Bewohner begleitete. Auch regionale Zeitungen aus der Lombardei berichteten regelmäßig über den Zustand der Seilbahn, über juristische Verzögerungen, politische Zuständigkeiten und über die zunehmende Ungeduld der Einwohner. Monteviasco wurde so zu einem Sinnbild für strukturelle Probleme, die viele abgelegene Regionen Italiens betreffen.
Im Jahr 2025 kam schließlich Bewegung in die festgefahrene Situation. Nach jahrelangen technischen Prüfungen, Finanzierungsfragen und Genehmigungsverfahren nahm die Seilbahn den Betrieb wieder auf. Die Wiedereröffnung war kein großes Spektakel, sondern ein leiser, fast nüchterner Moment und doch von enormer Bedeutung. Für die wenigen ständigen Bewohner bedeutete sie eine spürbare Erleichterung im Alltag, für ehemalige Einwohner und Besucher ein Zeichen, dass Monteviasco nicht endgültig aufgegeben wird.
Vorsichtiger Optimismus im Bergdorf
Mit der Rückkehr der Seilbahn kehrte auch vorsichtiger Optimismus zurück. An Wochenenden und in den Sommermonaten kommen wieder Wanderer und Tagesgäste ins Dorf, angezogen von der Abgeschiedenheit, der Aussicht auf den Lago Maggiore und der besonderen Atmosphäre eines Ortes, der bewusst langsam geblieben ist. Kleine Initiativen versuchen, das kulturelle Erbe zu bewahren, Feste und Begegnungen zu organisieren und Monteviasco nicht nur als Ausflugsziel, sondern als lebendigen Ort wahrnehmbar zu machen.
Gleichzeitig bleibt die Realität anspruchsvoll. Es gibt keinen Laden, keine Schule, keine dauerhafte medizinische Versorgung. Wer hier lebt, entscheidet sich bewusst für ein Leben mit Einschränkungen und gegen die Selbstverständlichkeit moderner Infrastruktur. Genau darin liegt für viele Besucher aber auch die besondere Anziehungskraft Monteviascos.
Ein Ort im Übergang
Monteviasco ist heute kein romantisches Freilichtmuseum und auch kein Ort einfacher Lösungen. Es ist ein Dorf im Übergang, dessen Zukunft offen bleibt. Doch die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass selbst sehr kleine Orte eine Stimme haben können, wenn sie beharrlich bleiben. Hoch oben im Val Veddasca erinnert Monteviasco daran, dass Italien nicht nur aus Metropolen und Touristenhochburgen besteht, sondern auch aus jenen stillen Orten, deren Fortbestand viel über den Umgang mit dem ländlichen Raum verrät.
Infokasten: Wo liegt Monteviasco und wie kommt man hin?
Lage: Monteviasco ist ein kleines Bergdorf in der Lombardei (Provinz Varese), Teil der Gemeinde Curiglia con Monteviasco. Es liegt oberhalb des Val Veddasca, unweit des Lago Maggiore und nahe der Schweizer Grenze.
Ausgangspunkt im Tal: Praktischer Startpunkt ist Ponte di Piero (im Val Veddasca). Von dort aus beginnt entweder der Aufstieg zu Fuß oder – je nach Betriebszeiten – die Fahrt mit der Seilbahn.
Option 1: Seilbahn (Funivia di Monteviasco). Wenn sie in Betrieb ist, ist die Funivia die bequemste Verbindung zwischen Tal und Dorf. Da Fahrpläne saisonal und betriebsabhängig sein können, empfiehlt sich vorab ein kurzer Check der aktuellen Zeiten (Gemeinde/Betreiber oder lokale Hinweise vor Ort).
Option 2: Zu Fuß. Alternativ führt ein steiler, historischer Fußweg mit vielen Stufen hinauf nach Monteviasco. Gute Schuhe, Wasser und etwas Kondition sind empfehlenswert, gerade in der Mittagshitze oder nach Regen.
Anreise grob orientiert: Viele Besucher steuern zunächst die Gegend um Luino am Lago Maggiore an und fahren von dort ins Val Veddasca weiter. Wer aus Mailand kommt, erreicht den nördlichen Lago-Maggiore-Raum je nach Route typischerweise in rund 1,5 bis 2,5 Stunden, anschließend folgt die Bergstraße ins Tal.
Tipp: Am schönsten ist der Besuch oft am Vormittag oder späten Nachmittag, wenn Licht und Temperaturen angenehmer sind und die Aussicht über die bewaldeten Hänge besonders klar wirkt.


































