Wir waren im Sommer in Bologna, in einer dieser Hitzeperioden, in denen der Stein unter den Füßen fast zu schmelzen scheint. Und genau da standen wir plötzlich auf der Piazza Maggiore – dem Hauptplatz der Stadt, der die ganze Geschichte in sich trägt. Entstanden ist er nicht zufällig: Schon Anfang des 13. Jahrhunderts wuchs Bologna rasant, dank seiner Universität, dem Handel und den Handwerken.
Damals wurde die Stadt von Konsuln regiert, später von den sogenannten Podestà, fremden Verwaltern, die gewählt wurden, um die Machtkämpfe der einheimischen Adelsfamilien in Schach zu halten. Sie waren es, die begannen, Häuser aufzukaufen und Platz zu schaffen, um einen großen zentralen Platz zu errichten – einen Ort, an dem das Leben pulsierte, Märkte stattfanden und das Volk zusammenkam. So entstand die Piazza Maggiore – „der große Platz“.
Mächtige Familien und päpstliche Herrschaft
In den folgenden Jahrhunderten bestimmten verschiedene Kräfte das Geschehen. Zuerst die Kommune und mächtige Familien wie die Bentivoglio, die im 15. Jahrhundert de facto die Stadt kontrollierten. Später übernahmen die Päpste die Herrschaft: 1506 gliederte Papst Julius II. Bologna in den Kirchenstaat ein, und bis ins 19. Jahrhundert blieb die Stadt – mit kurzen Unterbrechungen – unter römischer Kontrolle.

Das spürt man bis heute: Die Basilica di San Petronio sollte eigentlich die größte Kirche Europas werden, sogar größer als der Petersdom in Rom. Doch die Päpste ließen das Bauvorhaben stoppen, und deshalb ist die Fassade bis heute unvollendet – was ihr einen ganz besonderen Reiz verleiht.
Gebäude, die Geschichten erzählen
Rund um den Platz stehen Bauwerke, die von dieser Macht und Geschichte zeugen. Der Palazzo d’Accursio war einst das Rathaus, heute beherbergt er eine Bibliothek und ein Museum. In dessen Innenhof machten wir ein Foto – zwischen Mauern, die schon viele Herrscher und Machtwechsel erlebt haben. Der Palazzo dei Notai erinnert an die Zeit, als die Notare enormen Einfluss hatten. Der Palazzo del Podestà steht für die Epoche der auswärtigen Stadtverwalter. Und der Palazzo dei Banchi, gebaut im 16. Jahrhundert, zeigt, wie wichtig Handel und Bankwesen für Bologna waren.
Ein außerordentlich lebendiger Platz
Heute ist die Piazza Maggiore viel mehr als Geschichte: Sie ist Treffpunkt, Konzertbühne, Festivalgelände und im Sommer sogar ein Freiluftkino. Man kann sich einfach auf die Steintreppen setzen, den Leuten zuschauen und spüren, dass Bologna kein Museum ist, sondern eine lebendige Stadt, die ihr Erbe bewahrt und gleichzeitig im Jetzt atmet. Und wenn man noch tiefer eintauchen will, geht man in die nahegelegene Biblioteca Salaborsa: Unter ihrem Glasboden kann man echte römische Ruinen sehen – wie eine Geschichts-Matrjoschka.


