Wer in den kommenden Monaten Rom besucht, sollte einen wichtigen Fakt kennen: Der gesamte Bereich rund um das Kolosseum ist seit dem 24. August 2026 offiziell als Zona Rossa, als Zone mit verstärkter Kontrolle, ausgewiesen. Die Anordnung der römischen Präfektur unter Präfekt Lamberto Giannini gilt für vier Monate, bis rund um Heiligabend 2026. Anlass ist eine im Sommer 2026 gestiegene Zahl von Taschendiebstählen, Auseinandersetzungen und Belästigungen im Kolosseum-Bereich, mit einem zentralen Zwischenfall am 1. Juli, bei dem zwei Polizeibeamte leicht verletzt wurden. Die Zone erlaubt der Polizei, verdächtige Personen aus der Gegend zu verweisen und bringt für alle Reisenden im Alltag mehr Präsenz von Uniformierten und mögliche Ausweiskontrollen.
Was die neue Zona Rossa konkret bedeutet
Die neue Zone gilt für einen der meistfrequentierten Bereiche Roms mit täglich Zehntausenden Besuchern allein am Kolosseum. Nach den Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zur Ordinanza vom 24. August 2026 umfasst der Perimeter das Kolosseum, die Fori Imperiali, den Colle Oppio und die Metro-Station der Linie C. Gleichzeitig wurden die bereits bestehenden Zone Rosse im Esquilino und in San Lorenzo nahe des Bahnhofs Termini bestätigt und in ihrem Umfang erweitert. Die Zone Rossa im Bereich Valle Aurelia im Nordwesten wurde dagegen aufgehoben.
Innerhalb der Zone verfügen die Sicherheitskräfte über besondere Instrumente: Sie können verdächtige Personen aus der Gegend verweisen und ein temporäres Aufenthaltsverbot verhängen, das sogenannte DASPO urbano. Betroffen sind Personen, die als gefährlich eingestuft werden oder einschlägige Vorstrafen aufweisen. Zusätzlich zur normalen Polizei sind auch Militär und gepanzerte Fahrzeuge im Rahmen der Operation Strade Sicure im Einsatz. Vergleichbare Zonen mit verstärkter Kontrolle wurden bereits in Milano, Napoli, Firenze und Bologna eingerichtet, so eine Übersicht der überregionalen Zeitung Il Giornale zur Anwendung des Modells in weiteren italienischen Städten.
Der Anlass: Vorfälle des Sommers 2026
Auslöser der Anordnung waren mehrere Vorfälle in den Sommermonaten 2026 im Bereich des Kolosseums. Die Präfektur sprach von einer Wiederkehr abweichender Phänomene und einer Zunahme von Diebstählen, Taschendiebstählen und Auseinandersetzungen, so die Analyse der Nachrichten-Website Il Post. Als zentralen Vorfall nennt die Ordinanza eine Situation am 1. Juli 2026, als sich während einer nicht genehmigten Feier auf der Piazza del Colosseo rund 50 Personen den Beamten der Polizia Locale entgegenstellten und dabei zwei Polizisten leicht verletzt wurden.
In der Ordinanza wird die Zuschreibung der Vorfälle offen kommuniziert: Die Präfektur schreibt die Taten „überwiegend Gruppen junger Personen nichteuropäischer Herkunft" zu. Als zusätzlicher Faktor wird die Eröffnung der neuen U-Bahn-Station Roma Colosseo der Linie C am 16. Dezember 2025 genannt, die den historischen Bereich nun deutlich besser an verschiedene Stadtteile Roms anbindet, so die Berichterstattung von RomaDailyNews. Die ethnische Zuschreibung der Präfektur ist Gegenstand der öffentlichen Debatte in Italien und wird nicht von allen Beobachtern geteilt.
Wie eine Zone mit verstärkter Kontrolle funktioniert
Das Instrument der Zona a controllo rafforzato ist keine römische Erfindung. Das Fach-Portal Moveo, betrieben von Telepass, erklärt das Konzept in einer Übersicht: In einer Zona Rossa können die Sicherheitskräfte über die üblichen Befugnisse hinaus agieren. Sie dürfen den Zugang zu bestimmten Bereichen verbieten oder Personen aus der Gegend verweisen, die durch aggressives Verhalten auffallen oder einschlägige Vorstrafen haben. Die Präsenz der Uniformierten wird deutlich erhöht, und die Kontrollen von Ausweispapieren werden systematischer durchgeführt.
In den betroffenen Bereichen soll die Zone präventiv wirken. Die verstärkte Präsenz ist darauf angelegt, potenzielle Täter abzuschrecken und die Wahrnehmung von Sicherheit bei Anwohnern und Besuchern zu erhöhen. Kritiker verweisen darauf, dass die Maßnahme nur symptomatisch wirkt und die eigentlichen Ursachen der Kriminalität nicht angeht. Das lokale Portal La Cronaca di Roma merkt in einer Analyse zum vier-monatigen Kontrolldruck zudem kritisch an, dass die stark eingegrenzte Zone zu einer Verlagerung der Problematik in benachbarte Stadtteile führen und die Kosten für Anwohner, Händler und öffentlichen Nahverkehr in die Höhe treiben kann.
Was das für Reisende in Rom praktisch heißt
Für alle, die in den kommenden Monaten das Kolosseum, das Forum Romanum oder den Palatin besuchen wollen, ändert sich im Alltag wenig: Der Zugang zu den Sehenswürdigkeiten bleibt regulär möglich, die Öffnungszeiten des Kolosseums sind unverändert, auch die Tickets sind wie gewohnt erhältlich. Wer sich auf die üblichen Touristenfallen am Kolosseum vorbereitet, ist grundsätzlich gewappnet. Neu ist die deutlich sichtbare Präsenz von Uniformierten und die Möglichkeit, dass Ausweispapiere kontrolliert werden.
Reisende sollten daher ihren Ausweis oder Reisepass mit sich führen, aufmerksam mit Wertsachen umgehen und wachsam gegen Taschendiebstähle bleiben, insbesondere in gedrängten Situationen. Vor der Anordnung wurden wiederholt Taschendiebstähle und Belästigungen im Bereich der Metro-Station Colosseo und in den umliegenden Straßen registriert, so eine Zusammenfassung des Portals Roma Tomorrow. Die Empfehlung, die auch für Touristen in anderen europäischen Großstädten gilt, greift hier verstärkt: kleine Beträge separat mitführen, Rucksäcke vor dem Körper tragen, in Menschenmengen besonders wachsam sein.
Kolosseum als „gefährlicher Ort"?
Die Frage, wie die neue Zona Rossa einzuordnen ist, wird in Italien kontrovers diskutiert. Einerseits ist die Zone eine Reaktion auf tatsächliche Vorfälle: die Auseinandersetzung mit den Polizeibeamten am 1. Juli, die zunehmenden Taschendiebstahlfälle, die verstärkte Anwesenheit auffälliger Gruppen im Bereich der neuen Metro-Station. Andererseits ist Rom eine touristisch stark frequentierte Metropole, in der Millionen Besucher jährlich ihre Zeit ohne Zwischenfälle verbringen, und der Bereich um das Kolosseum wird täglich von Zehntausenden Menschen problemlos besucht.
Die Bezeichnung „gefährlicher Ort", die in einigen internationalen Medienberichten aufgekommen ist, überzeichnet die Situation. Präziser wäre die Beschreibung als Bereich mit erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf, in dem die italienischen Behörden nach einer Serie von Vorfällen einen politischen und operativen Handlungsbedarf sahen. Die Maßnahme läuft nach vier Monaten, also rund um den 24. Dezember 2026, aus und kann dann verlängert oder aufgehoben werden. Bis dahin ist die verstärkte Präsenz von Uniformierten in einem der weltweit bekanntesten archäologischen Bereiche eine Realität, mit der Reisende rechnen sollten.




