Wer in Italien eine Apotheke sucht, findet sie schnell. Das grüne Kreuz — manchmal auch rot — leuchtet in fast jeder Ortschaft, oft mitten im Zentrum, manchmal gleich mehrfach in derselben Straße. Farmacia steht drüber, und damit ist eigentlich schon das Wichtigste gesagt. Das System funktioniert, es ist zugänglich, und für die meisten Urlauber und Auswanderer läuft ein Apothekenbesuch in Italien unkomplizierter ab als erwartet.
Was die Farmacia vom deutschen Modell unterscheidet
Der auffälligste Unterschied ist die Struktur. In Italien gibt es keine Apothekenketten. Jede Farmacia ist ein eigenständiges, meist privat geführtes Geschäft, häufig seit Generationen in Familienbesitz. Das prägt den Charakter: persönlicher, direkter, manchmal auch beratungsintensiver als man es aus Deutschland kennt.
Die Öffnungszeiten folgen dem italienischen Alltag. Typisch sind morgens von 8.30 bis 12.30 Uhr und nachmittags von 15.30 bis 19.30 Uhr, mit Mittagspause, versteht sich. Wer außerhalb dieser Zeiten dringend etwas braucht, muss zur sogenannten Farmacia di turno, der Apotheke mit Notdienst. Welche das ist, steht an jeder geschlossenen Apothekentür, wird in lokalen Zeitungen veröffentlicht und ist meist auch online abrufbar. In größeren Städten gibt es rund um die Uhr geöffnete Apotheken.
Was man ohne Rezept bekommt
In Italien sind manche Medikamente rezeptfrei erhältlich, die in Deutschland nur auf Rezept zu bekommen sind, darunter bestimmte Antiallergika und andere gängige Präparate. Die Verfügbarkeit ohne Rezept ist in Italien großzügiger als hierzulande. Ein praktischer Hinweis: Produktnamen können sich von den deutschen unterscheiden. Wer ein bestimmtes Mittel sucht, sollte den Wirkstoff kennen, nicht nur den Markennamen. Mit dem Wirkstoff kommt man in jeder Farmacia weiter.
Was Medikamente in Italien kosten
Wer erwartet in Italien bei Medikamenten zu sparen, wird in den meisten Fällen enttäuscht. Mehrere Vergleichsstudien zeigen übereinstimmend dass rezeptfreie Medikamente in Italien teurer sind als in Deutschland, bei manchen Präparaten deutlich. Mittel gegen Übelkeit etwa kosten in Italien fast doppelt so viel wie hierzulande. Auch Vitaminpräparate und Hustenmittel liegen preislich spürbar höher.
Der Grund dafür ist strukturell: Da der Staat die Preise für rezeptfreie Medikamente nicht festlegt, bestimmt jede Apotheke selbst. Das führt zu erheblichen Schwankungen, und Touristen zahlen meist mehr als nötig. Die praktische Empfehlung lautet deshalb: Wer für den Urlaub in Italien eine Reiseapotheke zusammenstellen will, kauft die gängigen Mittel besser vorher in Deutschland. Wer dagegen vor Ort etwas Verschreibungspflichtiges braucht und krankenversichert ist, zahlt je nach Einstufung des Präparats zwischen 10 und 100 Prozent des Preises selbst.
Die Parafarmacia - eine italienische Besonderheit
Wer in einem größeren Einkaufszentrum unterwegs ist, stößt manchmal auf eine Parafarmacia. Das ist keine vollwertige Apotheke, sondern ein Geschäft das ausschließlich rezeptfreie Produkte verkauft, Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetik, frei verkäufliche Medikamente. Verschreibungspflichtige Mittel gibt es dort nicht, dafür ist die Parafarmacia oft länger geöffnet und leichter erreichbar.

Das grüne Kreuz, in Italien das unverwechselbare Zeichen der Farmacia, bei Tag und bei Nacht von weitem sichtbar.
Kommunikation ohne Italienischkenntnisse
Die Sorge, in einer fremden Sprache nicht verstanden zu werden, ist in der Farmacia meist unbegründet. In touristischen Regionen sprechen viele Apothekerinnen und Apotheker Englisch, in größeren Städten oft auch Deutsch. Wer auf Nummer sicher gehen will, schreibt den Wirkstoff oder das Symptom auf, das funktioniert überall.
Hausärzte und Krankenversicherung
Für Auswanderer ist die Apotheke nur ein Teil des Bildes. Wer dauerhaft in Italien lebt, braucht einen Hausarzt, den sogenannten Medico di base, und muss sich in das italienische Gesundheitssystem einschreiben. Das geschieht über die lokale Gesundheitsbehörde, die ASL (Azienda Sanitaria Locale). Wer dort registriert ist, hat Anspruch auf einen Hausarzt und zahlt für verschreibungspflichtige Medikamente nur die gesetzliche Zuzahlung.
Die Frage der Krankenversicherung in Italien ist für Auswanderer eines der wichtigsten praktischen Themen überhaupt und deutlich komplexer als die Apothekensuche. Wir haben das Thema in einem eigenen Artikel ausführlich behandelt: Krankenversicherung in Italien: Was Auswanderer wissen müssen.
Notfall in Italien
Wer dringend medizinische Hilfe braucht, wählt in Italien die 118, das ist die Nummer für den Rettungsdienst. Die Notaufnahme in öffentlichen Krankenhäusern heißt Pronto Soccorso und ist rund um die Uhr besetzt. Die nächste Farmacia di turno ist oft der schnellere erste Anlaufpunkt bei kleineren Beschwerden und die Beratung dort wird in Italien traditionell ernst genommen.

