Im italienischen Charter-Markt macht die ausländische Kundschaft mit 45,9 Prozent fast die Hälfte aller Kunden aus. An der Spitze der ausländischen Nachfrage stehen Reisende aus Deutschland, gefolgt von den USA und Frankreich. Das ist das Kernergebnis der ersten Ausgabe des Rapporto sul Maritime Tourism in Italia, erstellt vom Wirtschaftsforschungsinstitut Risposte Turismo und Ende Juli 2026 vorgestellt.
Der italienische Charter-Markt in Zahlen
Der Bericht mappt für 2025 rund 172.000 Bootsplätze an italienischen Küsten, verteilt auf 1.600 aktive Charter-Lizenzen mit einem Durchschnittswert von 107 Bootsplätzen pro Lizenz. Für die Erhebung im Nautik-Segment hat Risposte Turismo ein Sample aus 30 Charter-Unternehmen und 43 operativen Basen befragt, verteilt vor allem entlang des Tyrrhenischen Meeres und in Sizilien. Die inländische Nachfrage bleibt mit 54,1 Prozent knappe Mehrheit, während der internationale Anteil bei 45,9 Prozent liegt, mit Deutschland, den USA und Frankreich als führenden Herkunftsmärkten.
Die Prognosen für 2026 sind aus Sicht der Anbieter vorsichtig optimistisch. Wie ANSA aus dem Bericht zusammenfasst, erwarten 53,3 Prozent der befragten Charter-Anbieter ein Wachstum der Kundschaft gegenüber 2025, 36,7 Prozent Stabilität und 10 Prozent einen Rückgang. Bei den Einnahmen sind die Erwartungen zurückhaltender: 50 Prozent der Anbieter rechnen mit stabilen Umsätzen, 36,7 Prozent mit einem Zuwachs, während 13,3 Prozent von einem Rückgang ausgehen.
Wo die Charter-Angebote liegen
Die geografische Verteilung der italienischen Charter-Kapazitäten zeigt eine klare Konzentration auf die Tyrrhenische Küste und die großen Inseln. Nach den Daten von Risposte Turismo liegen die meisten Bootsplätze in Ligurien, gefolgt von der Toskana, Sizilien und Sardinien. Bei den aktiven Charter-Lizenzen führt allerdings Sizilien vor der Toskana und Kampanien. Die Adria-Küste tritt bei den Kapazitäten in der Statistik dahinter zurück.
Für Charter-Reisende bedeutet das in der Praxis eine Auswahl zwischen sehr unterschiedlichen Törn-Regionen. Die ligurische Riviera eignet sich für kürzere Törns entlang der Küste zwischen Sanremo, Portofino und La Spezia, die Toskana vor allem für Törns an der Argentario-Küste und ab Livorno. Sizilien öffnet mit den Äolischen Inseln eines der bekanntesten italienischen Charter-Reviere, während Sardinien vor allem für Törns rund um die Costa Smeralda und die Maddalena-Inseln steht. Kampanien deckt mit dem Golf von Neapel und der Amalfi-Küste eigene Charter-Reviere ab. Wer die Costa degli Dei in Kalabrien mit einbezieht, verbindet Reviere aus mehreren Regionen zu größeren Rundtörns.
Kreuzfahrten und Fähren als größerer Rahmen
Der Charter-Markt ist nur ein Segment des italienischen Meerestourismus, den die Studie zum ersten Mal als Gesamtbild abbildet. Insgesamt zählte Italien 2025 über 100 Millionen Passagierbewegungen in den eigenen Häfen, verteilt auf 510 Kommunen. Das Kreuzfahrt-Segment allein verzeichnete 15 Millionen Bewegungen bei Einschiffung, Ausschiffung und Transit, was rund 35 Prozent des gesamten Mittelmeerverkehrs entspricht. Damit ist Italien nach den USA und vor Spanien das zweitgrößte Kreuzfahrt-Land der Welt. Wie Guida Viaggi ergänzt, konzentriert sich das italienische Kreuzfahrt-Aufkommen weiterhin stark auf die Tyrrhenische Küste, mit Civitavecchia als führendem Anlaufhafen.
Der Fährverkehr, der für Reisende zwischen dem Festland und den Inseln oder für die Verbindungen zu Sizilien und Sardinien eine zentrale Rolle spielt, kam 2025 auf 74,3 Millionen Passagiere, ein Zuwachs von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von den insgesamt rund 60 nationalen Fährhäfen haben 35 an der ersten Ausgabe des Berichts mitgewirkt, weshalb Risposte Turismo die eigene Zahl als Untergrenze klassifiziert. Für Reisende, die klassisch mit Fähre und Auto anreisen, bleibt das italienische Fährhafen-Netz die zentrale Infrastruktur des Mittelmeer-Reiseverkehrs.
Was das für Reisende bedeutet
Für Reisende, die eine Charter-Reise entlang der italienischen Küsten planen, gehört eine frühzeitige Reservierung zur Standard-Praxis: Die attraktivsten Törns in der Hauptsaison Juli und August sind erfahrungsgemäß bereits im Frühjahr weitgehend ausgebucht. Wer flexibel ist, findet in der Vor- und Nachsaison im Juni und September niedrigere Preise und ruhigere Törns, ohne auf die klassischen Reiseziele verzichten zu müssen. Für die Kombination aus Charter und Landurlaub bieten die Küstenorte an der Amalfi-Küste, in Pozzuoli sowie die Adria zwischen Ravenna und Venedig gute Ausgangspunkte, die sich für Anlege- und Weiterreisen kombinieren lassen.
Die Zahlen des Berichts von Risposte Turismo ordnen den italienischen Meerestourismus damit erstmals in einem Gesamtbild ein, das die drei Segmente Kreuzfahrt, Fähren und Nautik zusammen betrachtet. Für die deutschsprachige Reise-Community zeigt der Bericht die Rolle Italiens als eines der wichtigsten Ziele für den europäischen Yacht- und Bootscharter-Markt, mit Deutschland als führender Herkunftsnation im internationalen Charter-Segment.




