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Briatico in Kalabrien: Ein traumhafter Ort an der Costa degli Dei

Bastian Glumm
Die berühmte Rocchetta in Briatico, einer der erhaltenen sarazenischen Wachtürme an der Costa degli Dei und das architektonische Wahrzeichen des Ortes in Kalabrien.

Die berühmte Rocchetta in Briatico, einer der erhaltenen sarazenischen Wachtürme an der Costa degli Dei und das architektonische Wahrzeichen des Ortes in Kalabrien.

(Foto: © Bastian Glumm)
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Briatico in Kalabrien ist gerade unser Zuhause auf Zeit. Wir wohnen in der Residence Albatros, direkt am Meer gelegen und ein guter Ausgangspunkt für die Region. Schon nach wenigen Tagen wird mir klar: Hier könnte ich es länger aushalten. Briatico ist genau das, was sich viele unter dem ursprünglichen Italien vorstellen, aber so selten wirklich finden.

Svitlana mitten im Ortskern von Briatico, wo sich gepflasterte Gassen, Blumenbeete und mediterrane Pflanzen zu einem typisch kalabrischen Stadtbild fügen.

Svitlana mitten im Ortskern von Briatico, wo sich gepflasterte Gassen, Blumenbeete und mediterrane Pflanzen zu einem typisch kalabrischen Stadtbild fügen.

(Foto: © Bastian Glumm)

Ein Ort ohne den großen Trubel

Was uns an Briatico sofort gefallen hat, ist die Ruhe. Anders als in Tropea, das nur wenige Kilometer entfernt liegt, ist hier kein Massentourismus zu spüren. Keine vollgestopften Gassen, keine endlosen Souvenirläden, kein hektisches Treiben. Stattdessen ein kleiner Hafen, die Ruine der Rocchetta — eines berühmten sarazenischen Wachturms aus dem Mittelalter — und ein Ortskern, der sein authentisches Gesicht behalten hat. Die Italiener leben hier ihren Alltag, und als Besucher hat man das Gefühl, ein Stück echtes Kalabrien zu erleben statt eine touristische Inszenierung.

Die schönsten Strände, die ich je in Italien gesehen habe

Und dann ist da das Meer. Ich behaupte das mit vollem Risiko: Briatico hat den besten Strand und das schönste Wasser, das ich bisher in Italien gesehen habe. Und ich bin viel herumgekommen. Das Wasser ist von einer Klarheit und Farbtiefe, die ich kaum beschreiben kann. Türkis, Saphirblau, dann wieder fast durchsichtig über dem hellen Sand. Die Küste wechselt zwischen langen Sandstränden und kleinen Felsbuchten, einige davon sind nur per Boot erreichbar.

Briatico zählt zu den Badeorten der Costa degli Dei, und hier reiht sich tatsächlich ein traumhafter Strand an den nächsten. Trainiti, Sant'Irene, die kleine Bucht von Safò oder der Strand von San Giuseppe, jeder hat seinen eigenen Charakter, und alle sind eine Empfehlung wert. Wer Ruhe sucht, fährt unter der Woche, wer etwas mehr Action will, kommt am Wochenende. Aber selbst an stark besuchten Tagen ist es hier deutlich entspannter als an der Amalfiküste oder in den großen Badeorten Italiens.

Unser Abendessen am Meer

Eine Empfehlung, die sich aus unserem Aufenthalt ergeben hat, ist das Goccia di Mare, eine Pizzeria-Ristorante direkt am Meer. Wir waren mehrmals dort und haben uns jedes Mal wohlgefühlt. Frischer Fisch, gute Pizza, freundliche Bedienung und das alles zu erstaunlich moderaten Preisen. Spaghetti al pomodoro für acht Euro, eine Pizza Margherita ebenfalls für acht Euro, das sucht man an italienischen Küstenorten heute meistens vergeblich. Dazu kommt die Lage direkt am Wasser: Wer abends gegen Sonnenuntergang dort sitzt, erlebt einen Anblick, der allein die Anreise nach Briatico rechtfertigt. Der Himmel färbt sich tief rot über dem Tyrrhenischen Meer, in der Ferne zeichnen sich die Konturen der Äolischen Inseln ab. Genau die Momente, für die man nach Italien fährt.

Blick auf die Residence Albatros in Briatico, unsere Unterkunft an der kalabrischen Küste direkt am kristallklaren Meer der Costa degli Dei.

Blick auf die Residence Albatros in Briatico, unsere Unterkunft an der kalabrischen Küste direkt am kristallklaren Meer der Costa degli Dei.

(Foto: © Bastian Glumm)

Die perfekte Lage für Ausflüge

Briatico ist nicht nur ein schöner Ort an sich, sondern auch eine ideale Basis für Ausflüge. Capo Vaticano, von dem Svitlana an anderer Stelle schon ausführlich geschwärmt hat, ist nur eine kurze Fahrt entfernt. Tropea, die berühmte "Perle des Tyrrhenischen Meeres", ebenfalls. Und auch Pizzo Calabro mit seinem berühmten Tartufo-Eis und der in den Felsen gebauten Kirche Piedigrotta liegt in der Nähe.

Die Anbindung selbst ist unkompliziert. Bis zur Autobahn A2 fährt man nach Pizzo, von dort sind es einige Kilometer durch eine hügelige Landschaft hinunter ans Meer. Wir waren etwas mehr als vier Stunden von Pozzuoli mit dem Auto unterwegs. Wer mit dem Flugzeug anreist, fliegt am besten nach Lamezia Terme, der nächstgelegene Flughafen.

Eine Region, die ich allen empfehle

Was Briatico und die ganze Region für mich so besonders macht, ist diese Mischung aus traumhafter Natur, authentischem Alltag und der Tatsache, dass man hier noch ein Stück Italien findet, das nicht völlig vom Tourismus durchformatiert ist. Die Preise sind moderat, die Menschen freundlich, die Landschaft spektakulär. Wer Kalabrien noch nicht kennt, sollte das ändern. Und wer dort hinfährt, sollte Briatico unbedingt auf die Liste setzen.

Die Chiesa Matrice di San Nicola di Bari im Ortskern von Briatico, errichtet nach dem Erdbeben, das den alten Ort zerstörte.

Die Chiesa Matrice di San Nicola di Bari im Ortskern von Briatico, errichtet nach dem Erdbeben, das den alten Ort zerstörte.

(Foto: © Bastian Glumm)

Die bewegte Geschichte von Briatico

Die Ursprünge von Briatico reichen weit zurück, möglicherweise bis in die Zeit der Magna Graecia. Bei archäologischen Ausgrabungen im Gebiet von Punta Safò wurden prähistorische Funde sowie Überreste römischer Siedlungen freigelegt. Auch die heutige Ortslage selbst birgt antike Spuren: Unter dem modernen Ortskern wurden Mosaike und eine Brunnenanlage gefunden, die auf eine römische Vergangenheit hindeuten. Die ersten gesicherten schriftlichen Erwähnungen stammen aus dem Jahr 1000, als der Normanne Roger I. in einer Gründungsurkunde der Diözese Mileto auf den damaligen Ort Euriàtikon verwies, aus dem später Briatico wurde.

Im Mittelalter wechselte Briatico mehrfach den Besitzer. Ab 1269 gehörte es den Adelsfamilien Ruffo, Marzano, De Castro-Bisbal und schließlich den Pignatelli von Monteleone, bis 1806 mit der Abschaffung des Feudalsystems eine neue Zeit begann. Wegen der ständigen Bedrohung durch sarazenische Piraten ließ man im 13. Jahrhundert die Rocchetta als Küstenwachturm errichten, ein wichtiger Bestandteil des Verteidigungssystems der tyrrhenischen Küste. Ein weiterer Turm, der Torre Sant'Irene, kam im 16. Jahrhundert unter spanischer Herrschaft hinzu. Beide sind die einzigen erhaltenen von ursprünglich fünf Wachtürmen entlang der Briaticoer Küste.

Die Geschichte Briaticos wurde immer wieder von Erdbeben geprägt. Besonders das verheerende Beben vom 5. Februar 1783 zerstörte die ursprünglich höher gelegene Altstadt Briatico Vecchia fast vollständig. Die wenigen Mauerreste der mittelalterlichen Burg und einiger Klöster sind dort heute noch zwischen üppiger Vegetation zu finden. Nach der Katastrophe wurde der Ort weiter unten an der Küste, am Ufer des Bachs Murria, in einem planvollen rechtwinkligen Stadtraster neu aufgebaut. Genau dort liegt das heutige Briatico, deren Strandpromenade und kleiner Hafen heute zu den schönsten Orten der Costa degli Dei zählen.

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