Die süditalienische Region Kalabrien ist in den vergangenen drei Jahren zu einem der am schnellsten wachsenden Reiseziele Italiens geworden. Wie ANSA aus der aktuellen Studie der Teha Group berichtet, hat die Regione Calabria zwischen 2023 und 2025 rund 47 Millionen Euro in Destination Marketing investiert und damit einen wirtschaftlichen Gesamteffekt von 5,8 Milliarden Euro ausgelöst, was 14,1 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung im gleichen Zeitraum entspricht. Die Studie wurde am 6. August in Falerna in der Provinz Catanzaro vorgestellt, in Anwesenheit des Regionspräsidenten Roberto Occhiuto und des Tourismus-Assessors Giovanni Calabrese.
Die Zahlen der Studie im Detail
Die Analyse stammt vom Wirtschaftsinstitut Teha Group, dem gleichen Institut, das jährlich das Forum von Cernobbio am Comer See ausrichtet. Der Studienzeitraum umfasst die Jahre 2023 bis 2025, in denen der Gesamtumsatz des Kalabrien-Tourismus kontinuierlich gewachsen ist: von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2023 über 1,8 Milliarden 2024 auf 2,4 Milliarden 2025. Damit hat sich die Wachstumskurve der Region deutlich beschleunigt.
Zwischen 2021 und 2025 sind die touristischen Ankünfte in Kalabrien insgesamt um 75,2 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Im Zeitraum 2015 bis 2019 lag der Zuwachs bei 28 Prozent. Die Region wächst damit derzeit fast dreimal so schnell wie in der Vor-Pandemie-Zeit. Die Studie ordnet dieses Wachstum in einen breiteren süditalienischen Trend ein, in dem auch die Nachbarregionen Puglia und Sardinien seit einigen Jahren deutlich an internationaler Sichtbarkeit gewinnen.
Ausländische Reisende auf Rekord-Niveau
Besonders auffällig ist der Anstieg des Anteils ausländischer Reisender. Ihre Quote an den Gesamtankünften erreichte 2025 mit 23 Prozent einen historischen Höchstwert, mit einem Wachstum von 45,6 Prozent gegenüber 2024. Damit liegt Kalabrien beim Wachstum ausländischer Ankünfte auf Platz zwei im süditalienischen Vergleich, hinter der Puglia mit einem Plus von 54,9 Prozent und vor Sardinien mit 42,5 Prozent. Für eine Region, die international lange Zeit im Schatten der bekannteren italienischen Reiseziele stand, ist das ein bemerkenswerter Positionswechsel.
Die Kaufkraft der ausländischen Reisenden ist dabei ein zusätzlicher Faktor. Nach den Daten der Studie geben ausländische Gäste in Kalabrien im Durchschnitt 1.114,60 Euro pro Reise aus, der höchste Wert unter allen süditalienischen Regionen. Die Gesamtausgaben ausländischer Reisender lagen 2025 bei 474 Millionen Euro, ein Zuwachs von 91,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch dieser Wert stellt einen Rekord in Süditalien dar. Wie der Corriere di Lamezia die Präsentation in Falerna zusammenfasst, erreichte der wirtschaftliche Gesamteffekt des Tourismus im Jahr 2025 damit 2,4 Milliarden Euro, was sechs Prozent des kalabresischen BIP entspricht, davon 1,1 Milliarden durch ausländische und 1,3 Milliarden durch italienische Reisende.
Was Kalabrien für Reisende attraktiv macht
Der Aufschwung der Region hat mehrere strukturelle Gründe. Die kalabresische Küste zieht sich über rund 780 Kilometer zwischen dem Tyrrhenischen und dem Ionischen Meer und bietet eine Kombination aus wenig verbauten Stränden, den Bergrücken der Sila und des Aspromonte im Landesinneren und einer im Vergleich zu Amalfiküste oder Ligurien überschaubaren Preisstruktur. An der Costa degli Dei zwischen Tropea und Pizzo hat sich der internationale Tourismus in den letzten Jahren besonders stark entwickelt, mit einer Nachfrage nach kleineren, familiengeführten Häusern und Boutique-Adressen wie dem Villa Paola in Tropea. Auch das ionische Kalabrien mit Städten wie Locri, Roccella Ionica und Le Castella profitiert von der Neuentdeckung durch internationale Gäste, ebenso die Provinz Reggio Calabria an der Straße von Messina.
Was das für Reisende bedeutet
Für Reisende, die Kalabrien in den kommenden Jahren besuchen möchten, bleibt die Region im Vergleich zu den frequentierten Klassikern der italienischen Reiseziele überschaubar, mit ausgedehnten Küstenabschnitten, die auch in der Hochsaison weniger besucht sind als die Amalfiküste oder die Costa Smeralda. Die Sommermonate Juli und August bilden die klassische Hauptsaison, während die Vor- und Nachsaison im Mai, Juni und September für Reisende attraktiv bleibt, die die Region ohne die volle Sommerhitze und das Hochpreisniveau erleben möchten.
Ob sich der aktuelle Wachstumstrend in den kommenden Jahren fortsetzen wird, hängt nicht nur von den Marketing-Investitionen der Region ab, sondern auch von der Weiterentwicklung der Infrastruktur, der Unterkunfts-Qualität und der Erreichbarkeit über Flug und Bahn. Die Zahlen der Ambrosetti-Studie zeigen aber, dass Kalabrien in den vergangenen drei Jahren eine strukturelle Position aufgebaut hat, die im süditalienischen Vergleich zu Puglia und Sardinien konkurrenzfähig geworden ist. Übrigens: Auch für uns von Vivere in Italien ist Kalabrien längst ein Sehnsuchtsort und wir verbringen dort regelmäßig unseren Urlaub, wie im vergangenen Juni in der Albatros Residence in Briatico.




