Die vierte Hitzewelle Italiens hat am Montag, 4. August 2026, ihren höchsten Wert des Sommers erreicht. Das italienische Gesundheitsministerium hat für 25 von 27 überwachten Städten den bollino rosso ausgerufen, die höchste Warnstufe im nationalen Hitze-Warnsystem. Nur Reggio Calabria und Messina bleiben mit bollino arancione klassifiziert, was ein Risiko für die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen bedeutet, aber noch nicht die Emergency-Stufe für die gesamte Bevölkerung. Damit betrifft der rote Warn-Modus praktisch die gesamte italienische Halbinsel von Bozen bis Palermo, mit den beiden sizilianisch-kalabrischen Städten als einzigen Ausnahmen.
Die 25 Städte im roten Bereich
Zu den Städten mit bollino rosso am 4. und 5. August gehören Ancona, Bari, Bologna, Bolzano, Brescia, Cagliari, Campobasso, Catania, Civitavecchia, Firenze, Frosinone, Genova, Latina, Milano, Napoli, Palermo, Perugia, Pescara, Rieti, Roma, Torino, Trieste, Venezia, Verona und Viterbo. Wie ANSA das Bulletin des Gesundheitsministeriums zusammenfasst, ist das die höchste Zahl gleichzeitig roter Städte, die im Sommer 2026 bisher registriert wurde. Zum Vergleich: Am 30. Juli 2026, dem ersten Tag der vierten Hitzewelle, standen nur drei Städte im roten Bereich, 16 im orangefarbenen. Innerhalb weniger Tage hat sich die Situation damit dramatisch verschärft, ohne dass die klassische Peak-Struktur einer Hitzewelle erkennbar wäre.
Der bollino rosso, im italienischen System als Livello 3 klassifiziert, bezeichnet Emergency-Bedingungen mit möglichen negativen Effekten auf die Gesundheit der gesamten Bevölkerung, nicht nur der klassisch gefährdeten Gruppen wie ältere Menschen, Kleinkinder und chronisch Kranke. Das Ministerium empfiehlt, körperliche Anstrengung in den Kernstunden zwischen 11 und 18 Uhr zu vermeiden, Innenräume kühl zu halten und ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Wer die Umgebung mit den empfohlenen Verhaltensweisen im Detail einordnen möchte, findet die Empfehlungen der italienischen Hitze-Kultur in unserem Beitrag zur Hitze in Italien und die Hintergründe der Anticyclon-Situation in unserem Artikel zur vierten Hitzewelle 2026.
Plateau statt Peak: Die wissenschaftliche Einordnung
Auffallend an der aktuellen Situation ist, dass sie sich nicht mehr als klassische Hitzewelle mit steigendem und fallendem Verlauf beschreiben lässt. Dino Zardi, Professor für Atmosphären- und Klimaphysik an der Universität Trento, hat gegenüber der ANSA erklärt, dass die aktuelle Phase weniger als Peak, sondern als Plateau zu verstehen sei: Die täglichen Temperaturzyklen wiederholten sich seit Tagen fast identisch, die Höchstwerte blieben ausnahmslos über den klimatologischen Durchschnittswerten. Auch die Nachttemperaturen ließen keine nachhaltige Erholung zu, mit Tiefstwerten in den norditalienischen Städten von 27 bis 28 Grad, was das subjektive Belastungsempfinden zusätzlich verstärkt.
Der subtropische Anticyclon aus Nordafrika, der die Wetterlage seit Ende Juli dominiert, bleibt stabil über dem Mittelmeer und lässt weder Front-Durchgänge noch Regenperioden zu. Wie Meteo.it in ihrer Prognose für die kommenden Tage festhält, werden die Höchstwerte in den Innenzonen der Poebene und Mittelitaliens weiterhin zwischen 38 und 40 Grad liegen, in den urbanen Wärmeinseln teilweise sogar darüber. Die Kombination aus hoher Luftfeuchtigkeit, absoluter Windstille und intensiver Sonneneinstrahlung macht das Plateau nach Aussage der italienischen Meteorologen zu einer der belastendsten Phasen des Sommers 2026.
Nord-Süd-Prognose bis Ende der Woche
Für die weitere Entwicklung erwarten die italienischen Meteorologen ein geteiltes Bild. Wie Sky TG24 im Live-Bulletin dokumentiert, ist eine erste spürbare Entspannung frühestens gegen Ende der Woche im Norden zu erwarten, wenn ein instabiler Wetter-Kern aus dem Alpenraum die norditalienischen Regionen erreichen könnte. Der Süden bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit bis in die Ferragosto-Woche unter der Hitzeglocke, mit Werten um oder über 38 Grad und weiterhin tropischen Nächten. Für die Wettergeschehnisse am Ferragosto selbst, dem klassischen italienischen Feiertag am 15. August, sind die Prognosen aktuell noch unsicher, mit einer möglichen Fortsetzung der Hitzewelle als Basis-Szenario, das die Reisenden und die Bevölkerung entsprechend einplanen sollten.
Für Reisende bedeutet das konkret, dass die Städtereise-Zeit in den italienischen Kunststädten in den kommenden Tagen an ihre Belastungsgrenze kommt. Wer die Uffizien in Florenz, das Kolosseum in Rom oder die Vatikanischen Museen besucht, sollte die frühen Morgenstunden oder die Abendöffnungen nutzen und die Kernstunden meiden. Neben der Hitze selbst wächst mit jedem weiteren Tag des Plateaus auch die Waldbrand-Gefahr in weiten Teilen Italiens, da die Trockenheit der Vegetation und die anhaltend hohen Temperaturen die Vorwarnstufen der EU-Zivilschutzbehörde EFFIS in mehreren Regionen erhöhen. Wer flexibel plant, kann in die Bergregionen der Dolomiten oder ans Meer ausweichen, wo die Bedingungen erträglicher bleiben.




