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Die Engelsbrücke in Rom: Zehn Engel und die Geschichte der Ponte Sant'Angelo

Bastian Glumm
Die Engelsbrücke in Rom mit Blick auf die massive Rundung der Engelsburg: Die fünf Bögen der Brücke sind seit dem 2. Jahrhundert erhalten, drei davon im Original aus der Zeit Kaiser Hadrians.

Die Engelsbrücke in Rom mit Blick auf die massive Rundung der Engelsburg: Die fünf Bögen der Brücke sind seit dem 2. Jahrhundert erhalten, drei davon im Original aus der Zeit Kaiser Hadrians.

(Foto: © Bastian Glumm)
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Wenige Meter vom rechten Tiberufer entfernt, dort wo der Fluss eine sanfte Biegung macht und der Blick auf die massive Rundung der Engelsburg fällt, spannt sich eine der bekanntesten Brücken Italiens über den Tiber. Die Engelsbrücke in Rom, auf Italienisch Ponte Sant'Angelo, verbindet die Piazza di Ponte Sant'Angelo mit dem Lungotevere Vaticano und liegt zwischen den beiden römischen Rioni Ponte und Borgo. Erbaut im 2. Jahrhundert, umgestaltet in der Renaissance, mit barocken Skulpturen aus dem Bernini-Atelier veredelt, gehört sie zu den ältesten und meistfotografierten Brücken der Stadt. Auf ihren 135 Metern Länge trafen im Laufe von fast 19 Jahrhunderten römische Truppen, Pilger, päpstliche Prozessionen, Delinquenten und Millionen von Touristen aufeinander.

Von Hadrian zu den Pilgern des Mittelalters

Die Brücke wurde 134 n. Chr. unter Kaiser Publius Aelius Hadrianus fertiggestellt, nach dem sie ihren ursprünglichen Namen erhielt: Pons Aelius. Der Architekt Demetrianus konzipierte sie als repräsentativen Zugang zum Mausoleum Hadrians, das der Kaiser für sich und seine Familie am rechten Tiberufer errichten ließ und aus dem später die Engelsburg werden sollte. Fünf Bögen aus Travertin-verkleidetem Mauerwerk tragen die Brücke, drei davon sind bis heute im Original erhalten und stellen einen der wenigen intakten römischen Bauteile in der Fluss-Infrastruktur der Ewigen Stadt dar. Die zwei äußeren Bögen wurden erst 1892 im Zuge der Lungotevere-Ausbauten ergänzt, als das Tiber-Bett verbreitert und die Zugangs-Rampen abgerissen wurden.

Mit dem Zerfall des Römischen Reiches verschwand der Kaiser-Bezug aus dem Alltag. Nachdem die benachbarte Nero-Brücke eingestürzt war, blieb die Pons Aelius über Jahrhunderte die einzige direkte Verbindung von der Stadtmitte zum Vatikan. Wie Roma Segreta die frühmittelalterliche Nutzung dokumentiert, wurde sie im Mittelalter deshalb auch als „Ponte San Pietro" bezeichnet, weil sie der Zugang zur Basilika war. Ihren heutigen Namen erhielt sie im Jahr 590, als Papst Gregor der Große während einer Bittprozession den Erzengel Michael auf der Spitze des Mausoleums seine Schwerthand in die Scheide zurückführen sah, ein Zeichen, dass die Pest über der Stadt vorbei war. Von da an trugen sowohl das Mausoleum als auch die Brücke den Namen Sant'Angelo.

Die Tragödie von 1450 und der Sacco di Roma

Im Heiligen Jahr 1450 wurde die Engelsbrücke zum Schauplatz einer der größten Katastrophen der römischen Pilgergeschichte. Als die Massen der Pilger nach der Papstsegnung am Vatikan zur Stadt zurückströmten und die Brücke gleichzeitig aus beiden Richtungen betreten wurde, kam es zu einer Panik. Rund 200 Menschen starben durch Erdrücken oder wurden in den Tiber gedrängt. Papst Nikolaus V. ließ daraufhin am östlichen Zugang zwei kleine Kapellen zur Erinnerung errichten, die den Verkehr regeln und die Ordnung sichern sollten. Die Kapellen prägten das Bild der Brücke fast ein Jahrhundert lang, bis sie beim Sacco di Roma 1527, der Plünderung der Stadt durch die Truppen Kaiser Karls V., schwer beschädigt wurden.

Einer der zehn Bernini-Engel auf der Engelsbrücke in Rom: Die Skulptur trägt das Kreuz, eines der Passions-Symbole Christi. Die zwei von Bernini persönlich geschaffenen Original-Engel stehen heute in der Chiesa di Sant'Andrea delle Fratte, die zehn Statuen auf der Brücke sind Werkstatt-Ausführungen seiner Schüler.

Einer der zehn Bernini-Engel auf der Engelsbrücke in Rom: Die Skulptur trägt das Kreuz, eines der Passions-Symbole Christi. Die zwei von Bernini persönlich geschaffenen Original-Engel stehen heute in der Chiesa di Sant'Andrea delle Fratte, die zehn Statuen auf der Brücke sind Werkstatt-Ausführungen seiner Schüler.

(Foto: © Bastian Glumm)

1533 ließ Papst Klemens VII. die Kapellen abreißen und durch zwei Marmor-Statuen ersetzen. Der heilige Petrus und der heilige Paulus, geschaffen von Lorenzetto und Paolo Taccone, stehen bis heute am östlichen Zugang der Brücke und markieren den Übergang vom weltlichen zum sakralen Bereich. Drei Jahre später, anlässlich des Rom-Besuchs Kaiser Karls V., beauftragte Papst Paul III. den Bildhauer Raffaello da Montelupo mit acht weiteren Stuck-Skulpturen, die die vier Evangelisten und die vier Patriarchen darstellten. Diese Ergänzungen verfielen jedoch schon in den folgenden Jahrzehnten und wurden im 17. Jahrhundert vollständig ersetzt.

Die zehn Bernini-Engel: Ein Kreuzweg aus Marmor

Der Auftrag, der die Brücke zu ihrer heutigen Erscheinung verhelfen sollte, ging 1667 an Gian Lorenzo Bernini, den dominierenden Bildhauer des römischen Barock. Papst Klemens IX. Rospigliosi ernannte Bernini zum Supervisor der Anlage und beauftragte ihn mit einer umfassenden Restaurierung, die 1668 und 1669 umgesetzt wurde. Die geschlossenen Brüstungen wurden durch Steinbalustraden und schmiedeeiserne Gitter ersetzt, und zehn neue Engel-Skulpturen ergänzten die bestehenden Petrus- und Paulus-Statuen. Jeder Engel trägt eines der Passions-Symbole Christi: die Dornenkrone, die Nägel, die Geißelsäule, das Schweißtuch, die Lanze, den Schwamm, das Schriftband, das Kreuz, die Marterwerkzeuge, das Gewand.

Wie die aktuelle Beschreibung der Sovrintendenza Capitolina festhält, verwandelte diese Ausstattung die Brücke von einem reinen Verkehrsweg in einen kontemplativen Passions-Weg, eine monumentale Via Crucis am Wasser. Zwei der zehn Engel schuf Bernini persönlich mit seinem Sohn Paolo: den Engel mit der Dornenkrone und den Engel mit dem Schriftband. Die Originale erschienen dem Papst und den Kunstbetrachtern der Zeit jedoch so wertvoll, dass sie noch im 17. Jahrhundert durch Werkstatt-Kopien ersetzt wurden, um sie vor der Witterung zu schützen. Die zwei Originale befinden sich heute in der Chiesa di Sant'Andrea delle Fratte in der Nähe der Piazza di Spagna. Die übrigen acht Engel wurden von Bernini-Schülern wie Antonio Giorgetti, Girolamo Lucenti, Ercole Ferrata und Antonio Raggi geschaffen.

Die Restaurierung 2024 und der aktuelle Zustand

Nach mehreren Jahrzehnten witterungsbedingter Abnutzung wurden die Engel-Statuen 2023 und 2024 im Rahmen des römischen PNRR-Programms „Caput Mundi" umfassend restauriert. Wie die Comune Roma nach der Einweihung mitteilte, wurde die von der Sovrintendenza Capitolina geplante und geleitete Arbeit in 208 Tagen umgesetzt, also 23 Tage schneller als vertraglich vorgesehen. Die Kosten beliefen sich auf rund 960.000 Euro und umfassten die vorbereitende Verstuckung zur Sicherung während der Reinigung, die Konsolidierung der Oberflächen, die Entfernung biologischer Ablagerungen und die abschließende Behandlung mit einer Schutzschicht.

Die Brücke selbst und ihre historischen Bauteile stehen unter dem Schutz der Sovrintendenza Capitolina und werden regelmäßig kontrolliert. Für Fußgänger ist sie 24 Stunden am Tag zugänglich, barrierefrei und kostenfrei. Das Bauwerk hat in seiner fast 1.900-jährigen Geschichte alle Hochwasser des Tiber überstanden, ohne dass die Grundstruktur nennenswerten Schaden nahm, eine Bilanz, die im Kontext der römischen Fluss-Infrastruktur bemerkenswert ist. Auch die beiden zusätzlichen Bögen von 1892, die nach dem Vorbild der römischen Bögen entworfen wurden, sind heute nur mit geübtem Auge von den Originalen zu unterscheiden.

Die Engelsbrücke in Rom führt geradlinig auf die Engelsburg zu und trägt an ihren Balustraden die zehn Marmor-Engel, die Bernini und seine Schüler zwischen 1668 und 1669 im Auftrag von Papst Klemens IX. schufen. Jeder Engel trägt ein Symbol der Passion Christi.

Die Engelsbrücke in Rom führt geradlinig auf die Engelsburg zu und trägt an ihren Balustraden die zehn Marmor-Engel, die Bernini und seine Schüler zwischen 1668 und 1669 im Auftrag von Papst Klemens IX. schufen. Jeder Engel trägt ein Symbol der Passion Christi.

(Foto: © Bastian Glumm)

Die Legende von Beatrice Cenci

Zu den populärsten Legenden rund um die Brücke gehört die Geschichte der Beatrice Cenci, die 1599 auf der Piazza vor der Engelsburg hingerichtet wurde. Die Adlige aus einer der ältesten römischen Familien hatte gemeinsam mit ihrer Stiefmutter und ihren Brüdern ihren gewalttätigen Vater Francesco Cenci getötet, nachdem sie und die Familie über Jahre hinweg misshandelt worden waren. Der Prozess und die Hinrichtung wurden in ganz Europa als Justizskandal wahrgenommen, weil viele Zeitgenossen die Umstände der Tat für strafmildernd hielten. Die Legende besagt, dass Beatrice in der Nacht vom 10. auf den 11. September jedes Jahres über die Engelsbrücke geht, mit ihrem abgetrennten Kopf unter dem Arm.

Neben der Cenci-Legende ist die Brücke auch als Schauplatz zahlreicher öffentlicher Hinrichtungen in Erinnerung geblieben, die vor der Engelsburg vollzogen wurden. Bis in die frühe Neuzeit war das Areal zwischen Piazza di Ponte Sant'Angelo und Engelsburg eine der klassischen Vollzugsstätten der päpstlichen Justiz. Die Brücke selbst diente dabei nicht nur als Kulisse, sondern als Schaubühne für das Volk, das den Zeremonien beiwohnte. Diese düstere Seite der Brückengeschichte kontrastiert mit ihrer heutigen Nutzung als touristische Foto-Location, aus der auch die Filmindustrie regelmäßig schöpft: Die Engelsbrücke ist eine der meistgefilmten Brücken Italiens und Schauplatz zahlreicher historischer Filme und Serien.

Praktisches: Anreise, beste Zeiten und Umgebung

Die Engelsbrücke liegt in der Innenstadt Roms, wenige Minuten zu Fuß von der Piazza Navona, dem Vatikan und dem Petersdom entfernt. Von der Piazza Navona sind es rund zehn Minuten zu Fuß über die Via del Governo Vecchio, vom Petersdom ebenfalls rund zehn Minuten über die Via della Conciliazione und den Vorplatz der Engelsburg. Die nächste U-Bahn-Station ist Lepanto (Linie A), von dort rund zehn Minuten zu Fuß. Die Bushaltestellen Piazza Cavour und Lungotevere Marzio liegen unmittelbar am Zugang zur Brücke.

Für den Besuch selbst gibt es keine Öffnungszeiten und keinen Eintritt. Die Brücke ist ganzjährig zugänglich, auch nachts, wobei die Beleuchtung nach Einbruch der Dunkelheit den barocken Charakter der Engel-Statuen besonders zur Geltung bringt. Die klassischen Fotografier-Zeiten sind die Stunden kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang, wenn die Fassade der Engelsburg im warmen Licht steht und die Menschenmenge auf der Brücke deutlich geringer ist als in den Kernstunden zwischen 10 und 17 Uhr.

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