Am 25. Mai 2026 hat Ferrari in Rom seinen ersten rein elektrischen Sportwagen vorgestellt: den Ferrari Luce. Enthüllt im Vela di Calatrava, genau 79 Jahre nach dem ersten offiziellen Rennsieg der Marke in eben dieser Stadt, markiert der Luce den Einstieg von Ferrari in ein neues Segment: vier Türen, fünf Sitze, vier Elektromotoren, über 530 Kilometer Reichweite. Für alle, die Italien lieben, ist das mehr als eine Automobilneuheit. Ferrari ist in diesem Land Kulturgut, und Maranello, der Geburtsort der Marke in der Emilia-Romagna, gehört zu den lohnenswertesten Reisezielen, die die Region zu bieten hat.
Maranello und die DNA eines Landes
Maranello ist eine Kleinstadt in der Emilia-Romagna, keine 20 Kilometer südlich von Modena. Wer sie zum ersten Mal besucht, ist vielleicht überrascht von ihrer Bescheidenheit. Enge Straßen, Backsteingebäude, der Geruch von Aceto Balsamico in der Luft. Und mittendrin: die Fabrik. Seit Enzo Ferrari 1947 seinen ersten Rennwagen baute – den Ferrari 125 S, mit dem Fahrer Franco Cortese am selben Tag, dem 25. Mai, den Gran Premio di Roma gewann – ist dieser Ort das Herz einer der bekanntesten Marken der Welt.
Das Museo Ferrari in Maranello ist für jeden Italienreisenden Pflicht. Hier stehen die Legenden: der F40, der Testarossa, der 250 GTO. Autos, die nicht nur Technik sind, sondern Kultur. Skulpturen aus Stahl und Aluminium, die etwas über die Seele dieses Landes erzählen: über den Willen, Grenzen zu verschieben. Über das Credo, dass Form und Funktion keine Gegensätze sind, sondern Geschwister.
Der Ferrari Luce: Was ihn besonders macht
Der Name sagt alles. Luce – Licht. Licht als Richtung. Licht als Metapher für einen Aufbruch. Ferrari hat mit dem Luce seinen ersten rein elektrischen Sportwagen vorgestellt, und wer jetzt denkt, das sei ein Zugeständnis an den Zeitgeist, der unterschätzt, was in Maranello passiert ist. Der Luce ist kein Elektroauto, das Ferrari baut, weil es muss. Er ist ein Ferrari, der zufällig elektrisch ist. Der Unterschied ist entscheidend.
Vier Elektromotoren, einer pro Rad, eine Systemleistung von 1050 PS, 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden, eine Reichweite von über 530 Kilometern. Das sind Zahlen, die beeindrucken. Aber es ist das Wie, das fasziniert.
Ferrari hat den Luce von Grund auf neu gedacht. Erstmals in der Geschichte des Unternehmens gibt es vier Türen und fünf Sitze. Ein Fahrzeug, das Familie und Fahrdynamik auf eine Art verbindet, die bisher undenkbar schien. Die Architektur des vollelektrischen Antriebs erlaubt es, den Schwerpunkt tiefer zu legen, als es je mit einem Verbrennungsmotor möglich gewesen wäre. Das Ergebnis: ein Auto, das sich trotz seines Gewichts von 2260 Kilogramm anfühlt wie eines, das 400 Kilogramm leichter ist.
Design aus einer anderen Welt – und doch ganz Italien
Für das Design hat Ferrari einen ungewöhnlichen Weg gewählt. Statt das hauseigene Design Studio unter Ferrari-Chefdesigner Flavio Manzoni allein zu beauftragen, holte man LoveFrom ins Boot, das Kreativkollektiv von Sir Jony Ive, dem Mann, der das iPhone und den iMac gestaltet hat, und Marc Newson, einem der einflussreichsten Industriedesigner der Gegenwart.
Das Ergebnis ist eine Formsprache, die man so noch nicht gesehen hat – und die doch tief in der Ferrari-Tradition verwurzelt ist. Bestimmendes Element ist das Glashaus: eine fast schalenartige, unterbrechungslose Glasfläche, die sich bis unter die Gürtellinie zieht. Keine unnötigen Falten, keine Unruhe. Davor und dahinter zwei frei stehende Aerodynamikflügel, die aussehen, als würden sie schweben.
Die Lackfarben der Markteinführung heißen Azzurro la Plata, Giallo Luce, Rosso Dino, Bianco Artico und Rosso Fiammante. Das Spezialgelb ist eine Hommage an das historische Gelb des Ferrari-Logos – das gleiche Gelb, das sich auf den Radnaben und am Lenkrad wiederfindet. Schon in dieser kleinen Geste steckt die gesamte Philosophie: Tradition und Zukunft als Einheit.
Das Interieur ist eine Welt für sich. Mechanische Knöpfe, Drehregler und Schalter aus gefrästen, recycelten Aluminium – haptisch und präzise wie ein schweizer Uhrwerk. Kombiniert mit digitalen Displays, die eigens von Samsung entwickelt wurden. Der Schlüssel zum Luce ist aus Gorilla-Glas gefertigt und zeigt per E-Ink-Display seinen Status an – eine Weltneuheit. Wenn man ihn ins Armaturenbrett einführt, fließt ein Leuchten von Ferrari-Gelb über die gesamte Bedienoberfläche. Ferraris Art zu sagen: Willkommen.
Das Klangerlebnis: Ein Elektroauto, das atmet
Eines der größten Missverständnisse über Elektroautos ist, dass sie stumm seien. Der Ferrari Luce ist das beste Gegenteil davon. Ferrari hat fünf Jahre damit verbracht, einen Sound zu entwickeln, der authentisch ist. Nicht synthetisch, nicht aufgesetzt.
Ein Beschleunigungssensor in der Hinterachse nimmt die Schwingungen der rotierenden Bauteile in Echtzeit auf. Gefiltert, verstärkt, in Echtzeit verarbeitet – ähnlich wie bei einer E-Gitarre. Das Ergebnis ist ein Klang, der aus dem Innern des Autos kommt, der auf die Fahrweise reagiert, der wächst, wenn man Gas gibt, und verstummt, wenn man es will. Ferrari nennt es: authentisch und funktional. Ein Klang als Sprache zwischen Fahrer und Maschine.
Das Audiosystem des Luce umfasst 21 Lautsprecher und 3000 Watt Verstärkerleistung. Fünf Audio-Presets – darunter „Studio", „Concerto" und „Opera" – spiegeln den Kulturanspruch einer Marke wider, die nie nur Autos baut, sondern immer auch ein Stück Italianità.
Ferrari und das Leben in Italien: Mehr als ein Status-Symbol
Wer in Italien lebt, begegnet Ferrari anders als in Deutschland. Hier ist Ferrari nicht Protzen. Hier ist Ferrari Erbe. In der Emilia-Romagna, der Region, in der Maranello liegt, ist Ferrari Teil der kollektiven Identität. Genauso wie die Bolognese, die Porticoes von Bologna oder die Oper im Teatro Regio in Parma.
Die Motor Valley, wie die Region inzwischen offiziell heißt, ist das weltweite Zentrum des Hochleistungsfahrzeugbaus: Ferrari, Lamborghini, Maserati, Ducati, Pagani. Alle hier, alle innerhalb einer Stunde Fahrtzeit voneinander. Wer von Modena nach Maranello fährt, fährt durch eine Landschaft, in der der Geist des Handwerks greifbar ist. Wo Ingenieure und Designer dieselbe Sprache sprechen wie Köche und Winzer: die Sprache der Perfektion im Detail.
Das Museo Ferrari in Maranello, das Museo Casa Enzo Ferrari in Modena und das Museo Ferrari in Maranello selbst sind Pilgerstätten. Aber sie sind auch lebendige Orte. Regelmäßig finden Sonderausstellungen statt, und die Verbindung zwischen Renngeschichte und Gegenwart wird hier erfahrbar auf eine Art, die kein Buch leisten kann. Für Menschen, die nach Italien ziehen, ist ein Besuch in der Motor Valley fast schon eine Pflichtübung. Nicht weil man zwingend ein Autofan sein muss, sondern weil man hier versteht, wie dieses Land denkt. Wie der Anspruch, das Schönste und das Beste zu erschaffen, tief in der DNA der Menschen hier verankert ist.
Die Enthüllung in Rom: Geschichte wiederholt sich
Ferrari hat den Luce bewusst in Rom enthüllt. Am 25. Mai 1947 gewann Franco Cortese in eben dieser Stadt das erste offizielle Rennen eines Ferrari-Fahrzeugs. Genau 79 Jahre später kehrt Ferrari nach Rom zurück. Der Veranstaltungsort, das Vela di Calatrava, das Sportpalais des Architekten Santiago Calatrava am Stadtrand Roms, ist selbst ein Manifest: ein Gebäude, das mit seiner Stahlkonstruktion Eleganz und Kühnnheit vereint, wie ein Ferrari aus Beton und Glas. Dass John Elkann, Präsident von Ferrari, und CEO Benedetto Vigna hier sprachen, war kein Zufall. Die Botschaft war unmissverständlich: Was 1947 in Rom begann, lebt hier weiter.
Technische Neugier: Was steckt hinter den Zahlen?
Wer tiefer eintauchen möchte: Der Ferrari Luce fährt auf einer vollständig neuen Plattform. Die vier Elektromotoren stammen aus der eigenen F80-Entwicklung, wurden aber für den Luce weiterentwickelt. Mehr als 120.000 Stunden Forschung und Entwicklung, über 250 auf dem Prüfstand getestete Motoren, neun Patente allein für die Antriebseinheit. Die 122-kWh-Batterie wurde komplett in Maranello entwickelt und gefertigt, lässt sich in 20 Minuten um 70 kWh nachladen, wenn eine entsprechende 350-kW-Ladestation zur Verfügung steht.
Das Auto verfügt über aktive Radaufhängung, Vierradlenkung und ein neuartiges Torque-Management-System, das die typisch abrupte Kraftentfaltung von Elektromotoren in eine progressive, fahrerdosierbare Beschleunigung umwandelt. Das alles verpackt in einem Fahrzeug, das nach WLTP über 530 Kilometer Reichweite erreichen soll. Und das trotz einer Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h. 60 neue Patente. Über 6000 CFD-Simulationen für die Aerodynamik allein.
Maranello besuchen: Was man wissen sollte
Wer nach Italien fährt oder bereits hier lebt und die Motor Valley erkunden möchte: Maranello liegt ideal zwischen Modena und dem Apennin. Mit dem Auto ist man von Florenz in etwa eineinhalb Stunden hier, von Mailand in gut zwei. Das Museo Ferrari in Maranello (Via Dino Ferrari 43) öffnet täglich außer dienstags. Die Eintrittspreise liegen für Erwachsene bei etwa 18 Euro, für Kinder günstiger. Ein kombiniertes Ticket mit dem Museo Casa Enzo Ferrari in Modena ist empfehlenswert. Dort, in der weißen Wellblechfassade, die über Enzos Geburtshaus gebaut wurde, versteht man den Menschen hinter der Marke.
In Maranello selbst lohnt sich das Restaurant Cavallino direkt gegenüber der Fabrik. Eine Institution, in der schon Enzo selbst aß. Wer Ferrari-Enthusiast ist: Auf dem Gelände der Fabrik bietet Ferrari Driver Experiences an, Fahrten im echten Ferrari auf echten Strecken.

