Am Montag, 14. September 2026, kehren in sieben italienischen Regionen die Schülerinnen und Schüler in den Unterricht zurück. Weitere Regionen folgen am Dienstag, 15. September, und bis Donnerstag sind alle staatlichen Schulen von der Grundschule bis zur Sekundarstufe wieder geöffnet. Das Schuljahr 2026/27 bringt eine Reihe von Neuerungen mit sich, die von neuen Lehrplänen mit Latein als Wahlfach über das weiter geltende Handyverbot bis zur Reform der technischen Institute reichen.
Wann in welcher Region der Unterricht beginnt
In Italien gibt es keinen einheitlichen ersten Schultag. Jede Region und jede Autonome Provinz legt den Kalender selbst fest, was zu einem gestaffelten Schulstart über gut zehn Tage führt. Den Anfang machte in diesem Jahr die Autonome Provinz Bozen bereits am 7. September; am 10. September folgten das Trentino, Venetien und das Aostatal. Diese frühen Termine hängen mit den regionalen Autonomien in den nördlichen Regionen zusammen.
Der klassische Hauptstart erfolgt am Montag, 14. September, wenn in Piemont, Ligurien, Lombardei, Friaul-Julisch-Venetien, den Marken, Molise und Umbrien die Schulen wieder öffnen. Am Dienstag, 15. September, ziehen Latium, die Toskana, die Emilia-Romagna, Kampanien, Kalabrien und Sizilien nach. Am 16. September folgen die Abruzzen, die Basilikata und Sardinien, und den Abschluss macht am 17. September Apulien. Insgesamt beginnen damit rund sieben Millionen Schülerinnen und Schüler den staatlichen Unterricht.
Neue Lehrpläne mit Latein und einer stärkeren Rolle der Bibel
Zu den zentralen Neuerungen 2026/27 zählen die Nuove Indicazioni Nazionali, die neuen nationalen Lehrpläne für den ersten Zyklus. Sie gelten mit dem Schulbeginn 2026/27 in Kindergärten, Grundschulen und in der Scuola secondaria di primo grado, dem italienischen Pendant zur Mittelschule. Das italienische Bildungsministerium unter der Leitung von Minister Giuseppe Valditara hat die neuen Lehrpläne in einer öffentlichen Konsultation mit Berufsverbänden, Eltern- und Schülerorganisationen sowie Gewerkschaften abgestimmt. Für die Sekundarstufe II soll ein entsprechendes Reformpaket im Schuljahr 2027/28 folgen.
Zu den auffälligsten Änderungen gehört die Rückkehr des Lateins in die Scuola secondaria di primo grado als Wahlfach mit einer zusätzlichen Stunde pro Woche. Valditara begründet dies damit, dass Latein die Logik und das Verständnis für die italienische Grammatik schule und einen zentralen Zugang zur westlichen Kulturgeschichte biete. In den Literaturprogrammen tritt die Bibel neu neben die Ilias und die Odyssee. Im Geschichtsunterricht liegt ein stärkerer Schwerpunkt auf der Geschichte des Westens. In den Liceen wird im ersten Biennium zusätzlich die bisher gemeinsam unterrichtete Geostoria wieder in die getrennten Fächer Geschichte und Geografie aufgeteilt.
Handy-Verbot bleibt und die Verhaltensnote wird strenger
Auch im Schuljahr 2026/27 gilt das bereits eingeführte Handy-Verbot an allen italienischen Schulen. Smartphones und andere internetfähige Geräte dürfen während der gesamten Unterrichtszeit nicht benutzt werden, auch nicht in den Pausen, wie das italienische Fach-Portal La Legge per Tutti in seiner Übersicht zum Schuljahr 2026/27 zusammenfasst. Ausnahmen sind nur für pädagogische Zwecke und für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf vorgesehen. Die Schulen entscheiden selbst über die konkrete Umsetzung, etwa über die Verwahrung der Geräte während des Schultags.
Deutlich strenger geworden ist auch die Verhaltensnote, italienisch Voto in condotta. Nach der Reform kann eine ungenügende Verhaltensnote in der Sekundarstufe zur Nicht-Versetzung führen. Wer in Liceen, technischen und beruflichen Instituten eine Sechs im Verhalten bekommt, im italienischen Notensystem die niedrigste bestandene Note, muss zusätzlich eine Prüfung in staatsbürgerlicher Bildung ablegen. Damit setzt die Regierung ein Signal, das sowohl von Zustimmung als auch von Kritik begleitet wird.
Reform der technischen Institute und Modell „Filiera 4+2"
Ab diesem Schuljahr greift zudem die Reform der Istituti Tecnici, festgelegt im Ministerialdekret DM 29/2026. Sie tritt zunächst für die ersten Jahrgänge in Kraft und wird in den kommenden Jahren stufenweise auf die höheren Jahrgänge ausgedehnt. Ziel ist eine Annäherung der Lehrpläne an die tatsächlichen Anforderungen der Wirtschaft, an die digitale und ökologische Transformation sowie an neue Berufsfelder. Nach Angaben des Fachportals Orizzonte Scuola wird das Curriculum künftig in drei Komponenten gegliedert: eine allgemeinbildende Grundlage, den technisch-fachlichen Kernbereich und einen Wahlbereich für Spezialisierungen.
Parallel dazu wird nach der Erprobungsphase auch die Filiera formativa tecnologico-professionale 4+2 offiziell Teil des nationalen Bildungssystems. Das Modell bietet einen vierjährigen Sekundarabschluss, an den sich ein zweijähriger Aufbaustudiengang an einer ITS Academy anschließen kann. In der Erprobung waren bislang rund 280 technische und berufliche Institute beteiligt. Die neue Filiera soll besonders für Familien attraktiv sein, deren Kinder eine schnellere Verbindung zwischen Schulabschluss und Berufseinstieg suchen.
Künstliche Intelligenz, psychologische Unterstützung und höhere Gehälter
Eine weitere Neuerung ist die stärkere Rolle der künstlichen Intelligenz im Unterricht. Die Regierung hat rund 100 Millionen Euro für die Einführung von KI-Instrumenten und die Fortbildung der Lehrkräfte bereitgestellt. Der Umgang mit KI wird zudem Teil der Educazione civica, mit besonderem Blick auf Datenschutz, Algorithmen und den verantwortungsvollen Einsatz neuer Technologien im Alltag.
Neu ist auch das Programm AscoltaMI, das psychologische Unterstützung für Schülerinnen und Schüler der letzten Klasse der Scuola secondaria di primo grado und der ersten beiden Jahre der Sekundarstufe II anbietet. Über die Plattform UNICA können Familien einen Gutschein für fünf individuelle Beratungsgespräche in Videoform beantragen; das Programm ist mit 18,5 Millionen Euro ausgestattet. Auf Seiten des Personals sind die Gehälter durch den neuen Tarifvertrag 2025-2027 gestiegen: Lehrkräfte erhalten monatlich 143 Euro mehr, das ATA-Personal (Assistenten und Verwaltungspersonal, italienisch Personale ATA) 107 Euro mehr, jeweils zuzüglich Nachzahlungen. Familien, die auf einen speziellen Sostegno-Unterricht angewiesen sind, können außerdem beantragen, dass ihr Kind auch im neuen Schuljahr von derselben Sostegno-Lehrkraft betreut wird.




