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Ripopola Calabria: 50 Dorfhäuser kostenlos für zehn Jahre

Redaktion
Mit dem Programm Ripopola Calabria will die Region Kalabrien leerstehende Häuser in Dörfern unter 5.000 Einwohnern an Zuzügler aus anderen Regionen vergeben. (Symbolfoto)

Mit dem Programm Ripopola Calabria will die Region Kalabrien leerstehende Häuser in Dörfern unter 5.000 Einwohnern an Zuzügler aus anderen Regionen vergeben. (Symbolfoto)

(Foto: © Bastian Glumm)
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Die Region Kalabrien hat am 5. November 2026 die öffentliche Phase des Programms Ripopola Calabria eingeleitet, mit dem der Bevölkerungsrückgang in den kleinen Dörfern der Region bekämpft werden soll. Nach Sky TG24 stellt die Regionalregierung unter Präsident Roberto Occhiuto zum Start 50 leerstehende Wohnungen in 26 Gemeinden aller fünf Provinzen bereit, die Zuzügler von außerhalb für zehn Jahre kostenlos bewohnen können. Die Sanierung der Objekte wird vollständig von der Region getragen, das Gesamtbudget liegt laut greenMe bei 20 Millionen Euro aus dem Piano Sviluppo e Coesione.

Was Zuzügler bekommen

Bewohner müssen für die Wohnungen nichts zahlen. Die Region übernimmt sämtliche Sanierungsarbeiten vollständig und überlässt das Haus für zehn Jahre per Leihvertrag (comodato d'uso) zur alleinigen Nutzung. Eigentümer der Immobilien bleiben die jeweiligen Gemeinden. Nach Angaben von lacnews24 sind die Wohnungen ausschließlich zur dauerhaften Wohnnutzung bestimmt. Untervermietung und touristische Nutzung sind ausdrücklich ausgeschlossen. Ein Verstoß würde die Nutzungsvereinbarung beenden.

Welche Gemeinden teilnehmen können

Die Pilotphase richtet sich an Gemeinden, die zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllen: weniger als 5.000 Einwohner und ein nachgewiesener Bevölkerungsrückgang. Die Kommunen bewerben sich über das Portal ripopola.regione.calabria.it, melden ihre leerstehenden öffentlichen Immobilien an und liefern Katasterauszüge, Grundrisse und Fotos. Jede angemeldete Wohneinheit muss baurechtlich konform und im Kataster als Wohnraum eingetragen sein. Neubauten auf unbebauten Flächen sind vom Programm ausgenommen. Ebenso scheiden Objekte aus, die in Privateigentum stehen. Die Region unterstützt die Kommunen technisch bei den Anträgen und prüft im zweiten Schritt die Verfügbarkeit und Eignung der gemeldeten Objekte.

Residenzpflicht und Bewerberkriterien

Zuzügler müssen ihren Wohnsitz für mindestens zehn Jahre dauerhaft in der zugewiesenen Gemeinde verlegen. Zusätzlich gilt eine Vorbedingung: Laut greenMe müssen Bewerber seit mindestens drei Jahren ihren Wohnsitz außerhalb Kalabriens haben. Die Anmeldung läuft über das Portal mit SPID oder elektronischem Personalausweis (CIE), für jede Wohnung erstellt die betreffende Gemeinde eine öffentliche Rangliste. Vorrang haben nach der Giunta-Verordnung Rückkehrer aus dem Ausland und deren Nachkommen, junge Paare, Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Smart Worker, Freiberufler, Handwerker, Kulturschaffende und Menschen mit Behinderung. Wer unter eine dieser Gruppen fällt, rückt in der Warteliste auf. Gemeinden können zusätzlich einen Welcome Desk einrichten, der bei Behördengängen, Schulanmeldung oder Steuernummer hilft. Für Rentner mit ausländischem Einkommen bleibt parallel die Sieben-Prozent-Pauschale auf Pensionseinkünfte verfügbar, die seit 2019 für Zuzug in süditalienische Gemeinden unter 20.000 Einwohnern gilt.

Sanierungsförderung bis 280.000 Euro

Finanziell unterfüttert wird das Programm durch eine Sanierungsförderung von bis zu 2.000 Euro pro Quadratmeter Bruttofläche, maximal 280.000 Euro pro Wohneinheit. Das Geld geht nicht an die Bewohner, sondern an die Gemeinde, die damit die Immobilie instand setzen lässt. Förderfähig sind laut Portal Planung, Sanierung, erdbebensichere Nachrüstung, energetische Verbesserung sowie technische und Kommunikationskosten. Eine Neuausweisung von Bauland oder Neubau wird nicht gefördert, der Ansatz ist konsequent auf den Bestand ausgerichtet. Die Mittel stammen aus der ordentlichen Sektion des Piano Sviluppo e Coesione 2021-2027, Gesamtvolumen 20 Millionen Euro.

Ablauf in drei Schritten

Das Programm verläuft in drei Phasen. Erstens melden die Gemeinden ihre Immobilien über das Portal mit den Formblättern A bis D: Akkreditierung, demografischer Nachweis, Bestandsnachweis und Delegation durch den Bürgermeister. Zweitens prüft die Region die Angebote auf Zulässigkeit und Eignung. Drittens entsteht ein regionaler Plan zur Rigenerazione dei piccoli borghi, auf dessen Grundlage eine Online-Übersicht der verfügbaren Wohnungen für interessierte Zuzügler freigeschaltet wird. Die Bewerbungsphase für Zuzügler ist noch nicht gestartet, ein konkretes Datum nennt die Region bisher nicht.

Einordnung: Mehr als 1-Euro-Haus

Ripopola Calabria unterscheidet sich systematisch vom bekannten 1-Euro-Haus-Modell, wie es etwa Mussomeli auf Sizilien seit Jahren praktiziert. Bei 1-Euro-Programmen kaufen Bewerber eine sanierungsbedürftige Immobilie zum Symbolpreis und tragen die Renovierung selbst, verpflichten sich aber zu einer Investition innerhalb einer Frist. Beim kalabrischen Modell übernimmt die Region die Sanierung komplett, der Zuzügler zahlt nichts, bekommt die Immobilie aber auch nicht zu Eigentum, sondern zur zehnjährigen Nutzung. Was danach passiert, ob verlängert, zurückgegeben oder umgewandelt wird, hängt vom regionalen Rahmenplan ab, der noch nicht final formuliert ist.

Was jetzt für Interessierte zu tun ist

Der Immobilien-Katalog auf dem Portal ist bereits einsehbar, filterbar nach Provinz, Gemeinde und Stichwort. Zur konkreten Bewerbung erfolgt die Anmeldung über die Funktion Accedi, auf dem Portal mit SPID oder elektronischem Personalausweis (CIE). Die Zahl von 50 Wohnungen ist eine Startzahl für die Pilotphase und kein Deckel, in den folgenden Monaten sollen weitere Objekte aus den teilnehmenden Gemeinden dazukommen. Wer sich vorbereiten will, kann die eigene Steuernummer (Codice Fiscale) besorgen, SPID oder elektronischen Personalausweis beantragen, den Dreijahres-Nachweis des Wohnsitzes außerhalb Kalabriens zusammenstellen und prüfen, in welche Vorrang-Gruppe er fällt. Für Erwerbstätige mit ortsungebundener Arbeit lohnt sich zusätzlich der Blick auf die bestehenden Ansiedlungsprogramme süditalienischer Regionen, die seit Jahren in Konkurrenz um neue Bewohner stehen.

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