Lago di Pilato: Der „Brillen-See" der Marken kehrt nach acht Jahren zurück

Redaktion
Der Lago di Pilato am Monte Vettore mit seinen zwei Becken. Jene Form, die ihm den Spitznamen „Brille" einbrachte. (Archivbild)

Der Lago di Pilato am Monte Vettore mit seinen zwei Becken. Jene Form, die ihm den Spitznamen „Brille" einbrachte. (Archivbild)

(Foto: © Overburn - stock.adobe.com)
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Wanderer und Naturliebhaber in den italienischen Marken reiben sich staunend die Augen: Der Lago di Pilato, ein eiszeitlicher Bergsee im Nationalpark der Sibillinischen Berge, zeigt sich pünktlich zum Sommerbeginn wieder in seiner vollen Pracht. Erstmals seit 2018 haben sich seine beiden Becken zur charakteristischen „Brillenform" vereint, ein seltenes Schauspiel, das nach den Dürresommern der vergangenen Jahre kaum noch jemand für möglich hielt.

Die „Brillenform" ist zurück – erstmals seit acht Jahren

Der Lago di Pilato verdankt seinen Spitznamen seiner ungewöhnlichen Gestalt: Bei hohem Wasserstand verschmelzen seine zwei Wasserspiegel zu einer Silhouette, die an eine Brille erinnert, in Italien liebevoll „forma a occhiali" oder gar „Ray-Ban" genannt. Anfang Juni 2026 sind die beiden Becken erstmals seit 2018 wieder zusammengeflossen. Möglich machte das ein kälterer Winter mit reichlich Schnee, der den See nach Jahren der Trockenheit wieder auffüllte. In den kommenden Wochen soll der Lago di Pilato so voll sein wie lange nicht mehr.

Ein Urzeitkrebs, den es nur hier gibt

Hinter dem schönen Bild steckt eine ökologisch hochbrisante Geschichte. Im Lago di Pilato lebt der Chirocephalus marchesonii, ein nur etwa einen Zentimeter großer, korallenrot gefärbter Urzeitkrebs. Diese Art ist endemisch, sie kommt weltweit ausschließlich in diesem einen See vor.

In den vergangenen Dürrejahren fiel der See zeitweise nahezu trocken; zuletzt war die Art 2025 akut bedroht, als die Nationalparkverwaltung der Sibillini eingreifen musste, um den Krebs zu retten. Die Rückkehr des vollen Sees ist daher weit mehr als ein optisches Spektakel, sie ist überlebenswichtig für eine einzigartige Tierart.

Wo liegt der Lago di Pilato?

Der See liegt auf rund 1.941 Metern Höhe an den Hängen des Monte Vettore, im Herzen des Nationalparks der Sibillinischen Berge zwischen den Regionen Marken und Umbrien. Er ist der einzige natürliche See der Marken und einer der höchstgelegenen Gletscherseen der Apenninen, ein alpiner Bergsee mitten in Mittelitalien.

Die Legende um Pontius Pilatus

Seinen Namen verdankt der See einer düsteren Sage: Der Legende nach soll der Leichnam des römischen Statthalters Pontius Pilatus auf einem von wilden Büffeln gezogenen Karren hierher gebracht und in den Fluten versenkt worden sein. Über Jahrhunderte galt der abgelegene Bergsee als Ort von Magie und Hexerei. Ein Mythos, der bis heute zum besonderen Reiz des Ortes beiträgt.

Tipps für den Besuch

Der Lago di Pilato lässt sich nur zu Fuß erreichen, meist über eine anspruchsvolle Wanderung vom Ort Foce di Montemonaco aus, mit mehreren Stunden Aufstieg. Wer hinaufsteigt, sollte unbedingt die Schutzregeln des Nationalparks beachten: Das Betreten des Wassers ist verboten, denn der Chirocephalus marchesonii legt seine Eier in Ufernähe ab. Schon das Aufwirbeln des Untergrunds kann den Bestand gefährden. So bleibt das wiedererwachte Naturwunder des Lago di Pilato auch für kommende Generationen erhalten.

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