Weißer Hai im Mittelmeer: Erstmals vor Sizilien unter Wasser gefilmt

Redaktion
Ein Weißer Hai im offenen Wasser. Im Mittelmeer ist die Art heute vom Aussterben bedroht. (Symbolbild)

Ein Weißer Hai im offenen Wasser. Im Mittelmeer ist die Art heute vom Aussterben bedroht. (Symbolbild)

(Foto: © wildestanimal - stock.adobe.com)
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Zum ersten Mal überhaupt ist ein ausgewachsener Weißer Hai im Mittelmeer von Tauchern unter Wasser gefilmt worden. Die spektakulären Aufnahmen entstanden Anfang Juni 2026 im Kanal von Sizilien, zwischen Italien und Tunesien und sorgen international für Aufsehen. Italienische Meeresbiologen betonen jedoch: Grund zur Panik gibt es nicht. Der Weiße Hai ist im Mittelmeer kein Eindringling, sondern ein historischer Bewohner.

Die historische Aufnahme im Kanal von Sizilien

Die Begegnung ereignete sich während einer Umweltmission der Healthy Seas Foundation, gemeinsam mit den Organisationen Ghost Diving und SDSS (Society for Documentation of Submerged Sites). Das Tauchteam war in rund 40 Metern Tiefe damit beschäftigt, sogenannte „Geisternetze", herrenlose, im Meer zurückgelassene Fischernetze, von einem Wrack im Kanal von Sizilien zu bergen.

Aus dem tiefen Blau tauchte plötzlich der mächtige Räuber auf, zog ruhig seine Kreise um die Gruppe und entfernte sich nach kurzer Zeit wieder. Der Ghost-Diving-Freiwillige Derk Remmers hielt den Moment in beispiellosen Video- und Fotoaufnahmen fest. Laut dem Meeresbiologen Carlo Cattano von der Stazione Zoologica Anton Dohrn in Palermo handelt es sich um die erste Videodokumentation einer Unterwasserbegegnung mit einem Weißen Hai im Mittelmeer und damit um eine wertvolle Quelle, um Biologie und Verhalten der Art besser zu verstehen.

Wie gefährlich ist der Weiße Hai im Mittelmeer wirklich?

Der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) kann über sechs Meter lang werden und bis zu zwei Tonnen wiegen. Beeindruckende Zahlen, die spätestens seit Hollywood Angst auslösen. Die Wissenschaft zeichnet jedoch ein anderes Bild: Der Mensch gehört nicht zur Beute des Weißen Hais. Seine Nahrung besteht aus Meeressäugern und großen Fischen.

Die seltenen Zwischenfälle mit Menschen sind nach Einschätzung von Experten – etwa des Natural History Museum in London – fast immer das Resultat einer Verwechslung. Von unten gegen das Sonnenlicht betrachtet ähnelt die Silhouette eines Schwimmers oder Surfers auf seinem Brett der einer Robbe. Aus Neugier setzt der Hai dann oft einen „Erkundungsbiss" und lässt von seinem Gegenüber ab, sobald er den Irrtum bemerkt.

Cattano hebt ein aufschlussreiches Detail des Videos hervor: Der Hai entfernt sich rasch wieder, vermutlich verschreckt durch die Luftblasen der Tauchausrüstung. Genau dieses Verhalten beobachten Meeresbiologen seit Langem. Gestörte Haie verlassen ihre Aufenthaltsorte. Gegenüber diesen Tieren ist im Meer stets Respekt und Vorsicht angebracht, unkontrollierte Angst aber unbegründet.

Wo lebt der Weiße Hai im Mittelmeer?

So überraschend es klingt: Das Mittelmeer ist seit Millionen von Jahren Heimat des Weißen Hais und gilt historisch als eines der weltweit wichtigsten Verbreitungsgebiete der Art. Nachweise gibt es aus weiten Teilen der italienischen Gewässer, vom Tyrrhenischen über das Ionische Meer bis hinauf in die Adria.

Eine Schlüsselrolle spielt der Kanal von Sizilien. Dieses Meeresgebiet ist ein Biodiversitäts-Hotspot, in dem historisch immer wieder Jungtiere und sogar Neugeborene beobachtet wurden. Das deutet darauf hin, dass die Straße von Sizilien ein wichtiges Gebiet für Geburt und Fortpflanzung der Art ist.

Eine bedrohte Art: im Mittelmeer „vom Aussterben bedroht"

Trotz seiner Größe ist der Weiße Hai selbst der bedrohte Teil dieser Geschichte. Während die Art weltweit auf der Roten Liste der IUCN als „gefährdet" (Vulnerable) eingestuft ist, gilt die Mittelmeer-Population als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered). Hauptursachen für den dramatischen Rückgang sind menschliche Aktivitäten, vor allem der Beifang in Fischernetzen (Bycatch) und die Zerstörung des Lebensraums.

Um die ohnehin seltenen Tiere nicht zusätzlich zu stören, arbeitet Cattanos Forschungsteam ausschließlich mit nicht-invasiven Methoden zur Beobachtung aus der Ferne. Außergewöhnliche Begegnungen wie jene vor Sizilien sollen daher keinen Alarm auslösen, sondern an die kostbare und fragile Artenvielfalt unter der Meeresoberfläche erinnern.

Was bedeutet das für Urlauber in Italien?

Für Badegäste und Wassersportler an Italiens Küsten ändert dieser Fund praktisch nichts. Begegnungen mit dem Weißen Hai im Mittelmeer sind extrem selten, Angriffe auf Menschen noch seltener und fast nie beabsichtigt. Die Aufnahmen aus dem Kanal von Sizilien sind vor allem eine gute Nachricht für die Wissenschaft und ein Hinweis darauf, wie viel ursprüngliche Natur das Mittelmeer noch birgt.


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