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Monte Amiata: Die unbekannte Seite der Toskana

Redaktion
Santa Fiora am Monte Amiata ist eines der schönsten mittelalterlichen Dörfer der südlichen Toskana und ein guter Ausgangspunkt um die Region rund um den erloschenen Vulkan zu erkunden.

Santa Fiora am Monte Amiata ist eines der schönsten mittelalterlichen Dörfer der südlichen Toskana und ein guter Ausgangspunkt um die Region rund um den erloschenen Vulkan zu erkunden.

(Foto: © Toscana Promozione Turistica)
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Der Monte Amiata ist die unbekannte Seite der Toskana. Während sich Touristen in Florenz, Siena und Pisa drängen, erhebt sich im Süden der Region, zwischen Val d'Orcia und Maremma, ein erloschener Vulkan, der mit 1.738 Metern höchster Berg der südlichen Toskana ist. Hier dominieren dichte Buchen- und Kastanienwälder, kühle Temperaturen selbst im Hochsommer und eine Stille die man in der Toskana nicht erwarten würde.

Die Region wird vom Massentourismus weitgehend verschont und setzt bewusst auf nachhaltige Konzepte, lokale Kultur und ein Tempo das langsamer ist als das der berühmten Nachbarregionen. Wer Italien jenseits der ausgetretenen Pfade sucht, findet hier eine echte Alternative.

Wandern rund um den erloschenen Vulkan

Das Wegenetz am Monte Amiata gehört zu den schönsten Wandermöglichkeiten der Toskana. Der bekannteste Rundweg ist der Anello dell'Antico Vulcano, der Ring des alten Vulkans. Auf rund 27 Kilometern führt er auf einer Höhe zwischen 1.000 und 1.300 Metern einmal um den ehemaligen Kraterkegel herum. Die Strecke durchquert weite Wälder, eröffnet immer wieder Ausblicke auf das Orcia-Tal und die Maremma und passiert charakteristische Vulkanlandschaften.

Wer mehr Zeit mitbringt, kann den Amiata Gran Tour in Angriff nehmen, einen mehrtägigen Wanderweg der die gesamte Region erschließt. Er verbindet die Bergwelt mit historischen Ortschaften wie Abbadia San Salvatore und Arcidosso und bietet unterwegs Einblicke in die Kultur, Traditionen und Kulinarik der Region. Rund um den Gipfel finden sich Berghütten, kleine Hotels und naturnahe Unterkünfte für mehrtägige Touren.

Historische Dörfer und das Erbe der Abtei

Die Region Amiata wird von kleinen, oft mittelalterlichen Dörfern geprägt. Santa Fiora mit seinen Natursteinhäusern und schmalen Gassen gehört zu den schönsten Orten Süditaliens. Arcidosso liegt am Westhang des Berges und ist Ausgangspunkt vieler Wanderungen. Castel del Piano ist bekannt für seine Kastanienwälder und das historische Palio-Pferderennen. Seggiano wiederum ist die Heimat einer der besten Olivenöl-Produktionen der Region.

Das spirituelle und kulturelle Zentrum der Amiata-Region ist die Abtei von Abbadia San Salvatore. Sie wurde 743 gegründet und entwickelte sich über Jahrhunderte zu einem der wichtigsten religiösen und wirtschaftlichen Zentren Mittelitaliens. Der Legende nach errichtete der Langobardenkönig Ratchis die Abtei an der Stelle, an der er bei einer Jagd eine Vision Christi auf einer weißen Tanne hatte. Besonders eindrucksvoll ist die romanische Krypta mit ihren 35 kunstvoll verzierten Säulen.

Der Codex Amiatinus, die älteste vollständig erhaltene lateinische Bibel der Welt. Sie verdankt ihren Namen dem Monte Amiata, wo sie über Jahrhunderte in der Abtei San Salvatore aufbewahrt wurde.

Der Codex Amiatinus, die älteste vollständig erhaltene lateinische Bibel der Welt. Sie verdankt ihren Namen dem Monte Amiata, wo sie über Jahrhunderte in der Abtei San Salvatore aufbewahrt wurde.

(Foto: © Toscana Promozione Turistica)

Berühmt wurde die Abtei vor allem durch den Codex Amiatinus, die älteste vollständig erhaltene lateinische Bibel der Welt. Das mehr als 30 Kilogramm schwere Manuskript entstand Anfang des 8. Jahrhunderts in einem Kloster im angelsächsischen Northumbrien und war als Geschenk für den Papst bestimmt. Wie es nach dem Tod seines Boten auf den Monte Amiata gelangte, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Heute wird der Codex in der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz aufbewahrt.

Die Aromen des Vulkans

Die mineralreichen Böden vulkanischen Ursprungs verleihen den Produkten der Region einen besonderen Charakter. Das Olio di Seggiano DOP ist ein hocharomatisches Olivenöl, das aus einer seltenen lokalen Olivensorte gewonnen wird. Die Castagna del Monte Amiata IGP prägt seit Jahrhunderten die Kultur und Küche der Region, ihre Kastanien werden zu Mehl verarbeitet, zu Süßspeisen und zu deftigen Gerichten.

Weitere Spezialitäten sind die süße rote Zwiebel Cipolla della Selva, die Ricciolina-Torte, die Pasta-Spezialitäten Topi und Taglioli aus Castell'Azzara und das historische salzige Gebäck aus Roccalbegna. Eine echte Rarität ist die Pera Picciòla, eine seltene Birnensorte, die ausschließlich am Monte Amiata wächst.

Im Sommer ergänzen zahlreiche Feste die kulinarische Landschaft: das Kirschfest in Seggiano, das Trüffelfest in Castell'Azzara, die mittelalterliche Offerta dei Censi in Abbadia San Salvatore und das historische Palio von Piancastagnaio im August.

Mountainbike und Gravity-Trails

Die Wälder und Höhenlagen des Monte Amiata haben sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Bike-Reviere Mittelitaliens entwickelt. Das Amiata Bike Resort richtet sich an Gravity- und Downhill-Fahrer ebenso wie an Familien und Genussradler. Anspruchsvolle Trails wie 8 Volante oder Froggy sorgen für Adrenalin, während sanfte Forstwege zu entspannten Touren einladen.

Für 2026 wurde die Liftanlage speziell für die Bedürfnisse von Mountainbikern modernisiert. Höhepunkt der Saison ist das Amiata Bike Fest vom 3. bis 5. Juli 2026, das hochkarätige Bike-Wettkämpfe mit Live-Musik und Gastronomie der umliegenden Dörfer verbindet.

Die berühmte Balena Bianca am Monte Amiata. Über Jahrtausende formten die Thermalquellen von Bagni San Filippo diese weiße Sinterterrasse, eines der spektakulärsten Naturwunder der Toskana.

Die berühmte Balena Bianca am Monte Amiata. Über Jahrtausende formten die Thermalquellen von Bagni San Filippo diese weiße Sinterterrasse, eines der spektakulärsten Naturwunder der Toskana.

(Foto: © Toscana Promozione Turistica)

Thermalquellen und Forest Bathing

Wer es ruhiger angehen lassen will, findet am Monte Amiata einige der schönsten Naturthermen Italiens. Die heißen Quellen von Bagni San Filippo sprudeln mit bis zu 48 Grad warmem, mineralreichem Wasser aus dem Boden. Inmitten von Wald und Kalksteinformationen hat sich dort über Jahrtausende die berühmte Balena Bianca, der Weiße Wal, gebildet, eine bizarre weiße Sinterterrasse die zum Inbegriff der Region geworden ist.

Ein weiterer Trend, der hier seinen idealen Ort gefunden hat, ist das Forest Bathing. Die ausgedehnten Buchen- und Kastanienwälder bieten beste Voraussetzungen für die bewusste Zeit in der Natur, ein japanisches Konzept zur Stressbewältigung das in Italien zunehmend Anhänger findet. Auf dem Monte Labbro wiederum, einem Nachbargipfel, findet man neben den Ruinen einer historischen Eremitenkapelle einen weiten Panoramablick über die südliche Toskana, ideal zum Meditieren und Durchatmen.

Die nachhaltige Seite der Toskana

Was den Monte Amiata von anderen toskanischen Reisezielen unterscheidet, ist die bewusste Entscheidung gegen Massentourismus. Statt Hotelketten dominieren kleine Agriturismi und familiengeführte Pensionen. Statt Souvenirläden gibt es Hofläden und kleine Manufakturen. Statt überfüllter Sehenswürdigkeiten findet man Wanderwege auf denen man stundenlang niemandem begegnet.

Wer die Toskana nicht über ihre Postkarten kennenlernen will, sondern über ihre Wälder, ihre Stille und ihre Geschichte, findet am Monte Amiata genau das richtige Reiseziel.

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