Zum Inhalt springen

Die Schweizergarde im Vatikan: 500 Jahre für den Papst

Redaktion
Zwei Gardisten der Päpstlichen Schweizergarde versehen am Portone di Bronzo ihren Dienst. Der bewachte Eingang am Petersplatz führt zum Apostolischen Palast im Vatikan.

Zwei Gardisten der Päpstlichen Schweizergarde versehen am Portone di Bronzo ihren Dienst. Der bewachte Eingang am Petersplatz führt zum Apostolischen Palast im Vatikan.

(Foto: © Bastian Glumm)
Teilen:

Wer den Vatikan besucht, dem fallen sie sofort auf: die in blau-gelb-rot gestreifte Renaissance-Uniform, die Hellebarden an den Zugängen, die reglose Haltung im Wachdienst. Die Schweizergarde ist eine der bekanntesten Institutionen der katholischen Kirche und zugleich das älteste noch aktive Heer der Welt. Seit dem 22. Januar 1506 sind Männer aus der Schweiz für die persönliche Sicherheit des Papstes zuständig. Ein Portrait der päpstlichen Leibwache: ihre historischen Wurzeln, die strengen Aufnahme-Bedingungen, der Alltag im Dienst und der Blick auf ein bemerkenswertes Jahr 2026, das mit dem Beginn eines groß angelegten Kaserne-Umbaus und der ersten regulären Vereidigung unter Papst Leo XIV. verbunden ist.

Vom Sacco di Roma bis heute

Die Geschichte der Schweizergarde beginnt am 22. Januar 1506, als 150 Söldner unter dem Kommando des Urner Kapitäns Kaspar von Silenen durch die Porta del Popolo in Rom einzogen und von Papst Julius II. empfangen wurden. Dieses Datum gilt offiziell als Geburtsstunde des Corps, so das Portrait des Vatikan-Portals Vaticannews. Damals wie heute war die Aufgabe klar: die Person des Papstes zu schützen und die Zugänge zu seiner Residenz zu bewachen. Zwei Jahrzehnte später sollte die Schweizergarde ihre historische Feuertaufe erleben.

Am 6. Mai 1527 stürmten die Truppen Kaiser Karls V. im Zug der als Sacco di Roma bekannt gewordenen Plünderung der Stadt den Vatikan. 189 Gardisten gaben in der folgenden Schlacht ihr Leben, um Papst Clemens VII. den Rückzug über den Passetto di Borgo in die Engelsburg zu ermöglichen. Der Tag ist seither das zentrale Datum des Corps: Jedes Jahr am 6. Mai werden die neuen Rekruten in einer feierlichen Zeremonie vereidigt, in Erinnerung an den historischen Opfergang von 1527. Nach der Gründung des Vatikanstaates im Jahr 1929 wurde die Schweizergarde offiziell zur Miliz des neuen Kleinstaates. Während des Zweiten Weltkriegs erweiterte Papst Pius XII. die Truppenstärke zeitweise deutlich, um zusätzliche Sicherheit für den Vatikan und Zufluchtssuchende zu gewährleisten.

Nur Schweizer, männlich, katholisch: Wer wird Schweizergardist?

Wer in das Corps aufgenommen werden möchte, muss eine Reihe strenger Anforderungen erfüllen. Laut dem italienischen Portal Funweek müssen Bewerber Schweizer Staatsbürger sein, dem katholischen Glauben angehören, männlich, unverheiratet und zwischen 19 und 30 Jahre alt. Die Mindestgröße liegt bei 174 Zentimetern. Vorausgesetzt werden außerdem eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Matura, ein absolvierter Militärdienst in der Schweizer Armee und ein einwandfreier Leumund. Deutsche und österreichische Bewerber sind damit von der Aufnahme ausgeschlossen, unabhängig von ihrer Konfession.

Die Grundausbildung dauert insgesamt rund zwei Monate und findet in zwei Teilen statt: eine intensive militärische und polizeiliche Ausbildung am Ausbildungszentrum der Tessiner Kantonspolizei und der Schweizer Armee in Isone, dazu eine spezifische Einführung in Aufgaben und Traditionen des Corps im Vatikan. Die Mindest-Dienstzeit liegt bei 26 Monaten. Bis vor einigen Jahren war das Heirats-Verbot ein weiterer Punkt, der die Rekrutierung erschwerte. Seit einer Reform ist es Gardisten erlaubt, nach fünf Dienstjahren zu heiraten, unabhängig von ihrem militärischen Grad. Die Maßnahme ist auch eine Reaktion auf die Rekrutierungsschwierigkeiten, die sich aus dem positiven wirtschaftlichen Umfeld in der Schweiz und den demographisch bedingten kleineren Jahrgängen ergeben.

Renaissance-Uniform und moderne Waffen: der Alltag im Dienst

Zur ikonischen Erscheinung der Schweizergarde gehört die charakteristische Renaissance-Uniform in Blau, Gelb und Rot. Sie wird in der aufwendigsten Version, der sogenannten Gran Gala mit Küraß und Helm, bei den höchsten Zeremonien getragen, etwa dem päpstlichen Segen Urbi et Orbi an Weihnachten und Ostern. Im täglichen Wachdienst tragen die Gardisten schlichtere Varianten der Uniform sowie zivile Arbeitskleidung. Neben den traditionellen Hellebarden sind sie mit modernen Feuerwaffen ausgerüstet, wie sie in europäischen Sicherheitskorps üblich sind. Der Aufsichts- und Sicherheitsdienst läuft rund um die Uhr, mit fest zugeteilten Wachschichten an den Zugängen und in den Empfangsräumen des Apostolischen Palastes.

Ein Gardist der Päpstlichen Schweizergarde in der charakteristischen blau-gelb-roten Uniform und mit dem traditionellen Morion-Helm samt rotem Federbusch. Die historische Kleidung wird vor allem bei feierlichen und repräsentativen Anlässen getragen.

Ein Gardist der Päpstlichen Schweizergarde in der charakteristischen blau-gelb-roten Uniform und mit dem traditionellen Morion-Helm samt rotem Federbusch. Die historische Kleidung wird vor allem bei feierlichen und repräsentativen Anlässen getragen.

(Foto: © Annett_Klingner - Pixabay)

Das Gehalt der Gardisten liegt bei rund 1.500 Euro netto pro Monat, wobei Kost und Logis im Vatikan kostenlos gestellt werden. Die Gardisten leben in modernen Wohnungen innerhalb des sogenannten Quartiere Svizzero im Vatikan, mit Kabel-Fernsehen und Internetzugang. Die vorgesehene Sollstärke des Corps liegt bei 135 Mann, die tatsächliche Ist-Stärke schwankt je nach Rekrutierungslage. Die interne Rangordnung reicht vom einfachen Hellebardier und Tambour über Unteroffiziere und Offiziere bis zum Kommandanten im Rang eines Obersten. Aktueller Kommandant ist Oberst Christoph Graf. Das Motto des Corps lautet Acriter et fideliter, „mit Mut und Treue".

Wo Vatikan-Besucher der Schweizergarde begegnen

Für Reisende, die den Vatikan besuchen, sind die Gardisten an mehreren Zugängen und Orten sichtbar. Die auffälligste Wache steht an der Porta Sant'Anna an der Via di Porta Angelica, dem eigentlichen Alltags-Zugang zum Vatikanstaat für Mitarbeiter und autorisierte Besucher. Auch am Portone di Bronzo am Ende der rechten Kolonnade des Petersplatzes, dem zeremoniellen Zugang zum Apostolischen Palast, sind Gardisten postiert. Bei feierlichen Zeremonien im Petersdom, bei den päpstlichen Generalaudienzen mittwochs auf dem Petersplatz und bei den Angelus-Ansprachen sonntags aus dem Fenster des Apostolischen Palastes sind sie in ihrer Gran Gala präsent.

Wer den Cortile di San Damaso, den zeremoniellen Ehrenhof des Apostolischen Palastes, sieht, erblickt auch die Reihe der Gardisten, die den Papst bei Empfängen von Staatsgästen begleiten. Bei päpstlichen Reisen im In- und Ausland sind ausgewählte Gardisten Teil der Sicherheits-Delegation. Der Kontakt zu einzelnen Gardisten bleibt für Besucher aus praktischen Gründen begrenzt: Der Wachdienst folgt strengen Protokollen, Gespräche sind während des Dienstes nicht vorgesehen. Wer die Truppe näher kennenlernen möchte, findet auf der offiziellen Website schweizergarde.ch und in Informationsmaterial an vatikanischen Info-Points weitere Details.

Papst Leo XIV., Vereidigung 2026 und Umbau der Kaserne

Das Jahr 2026 ist für die Schweizergarde in mehrfacher Hinsicht ein besonderes. Am 6. Mai 2026 wurden in der Aula Paolo VI, ausnahmsweise wegen der Wetterbedingungen aus dem Cortile di San Damaso verlegt, 28 neue Rekruten vereidigt. Papst Leo XIV. richtete sich in einer kurzen Ansprache an die neuen Gardisten und sprach ihnen seine Wertschätzung und seinen Dank aus. Der Papst schloss seine Worte mit Grüßen auf Italienisch, Deutsch und Französisch. Anwesend war eine Schweizer Delegation unter der Leitung des Bundespräsidenten Guy Parmelin.

Die zweite Nachricht des Jahres betrifft den geplanten Umbau der Kaserne. Die Bauarbeiten für die neue Kaserne sollen 2026 beginnen, so die Schweizer Katholische Nachrichten-Agentur Catt.ch. Das Projekt sieht einen fast vollständigen Abbruch der bestehenden Kaserne vor, wobei nur die Fassade zur italienischen Seite hin erhalten bleiben soll. Aufgewertet werden soll das gesamte Quartiere Svizzero, um zeitgemäße Wohn- und Arbeitsbedingungen für die Gardisten zu schaffen. Der Umbau ist Teil einer umfassenderen Modernisierung, die auch die Attraktivität des Dienstes für neue Rekruten steigern soll.


Teilen:

Hat dir der Beitrag gefallen?

Dann hol dir jeden Sonntag die neuesten Beiträge über das Leben in Italien direkt ins Postfach.


Das könnte dich auch interessieren