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400 Evakuierte, Ausnahmezustand: Italien nach dem Unwetter

Redaktion
Zwischen dem 20. und 21. August 2026 zogen schwere Gewitter, Windhosen und Rekord-Regenmengen über Nord- und Mittelitalien. Allein in der Lombardei fielen bis zu 270 Millimeter Regen, rund 400 Personen wurden evakuiert, die Region hat den Ausnahmezustand beantragt. (Symbolbild)

Zwischen dem 20. und 21. August 2026 zogen schwere Gewitter, Windhosen und Rekord-Regenmengen über Nord- und Mittelitalien. Allein in der Lombardei fielen bis zu 270 Millimeter Regen, rund 400 Personen wurden evakuiert, die Region hat den Ausnahmezustand beantragt. (Symbolbild)

(Foto: © Li-Bro - adobe.stock.com)
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Nach zwei Tagen schwerer Gewitter in Nord- und Mittelitalien zieht das Land eine erste Bilanz. Der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana, hat am Freitag den Ausnahmezustand beim italienischen Zivilschutz beantragt, rund 400 Personen wurden aus überschwemmten und mit Muren gefährdeten Zonen evakuiert, und die Feuerwehr verzeichnete allein in 24 Stunden über 1.000 Einsätze zwischen Bergamo, Brescia, Genua, Florenz und Udine. Was der Zivilschutz für die beiden Tage angekündigt hatte, hat sich in einzelnen Zonen mit voller Wucht bewahrheitet, mit Rekord-Regenmengen, Blitzserien in der Toskana und teils dramatischen Schäden an Infrastruktur, Wohnungen und Straßen. Ein Überblick.

Die Lombardei im Zentrum der Krise

Am stärksten getroffen wurde die Lombardei. In den Bergprovinzen von Bergamo und Brescia sind insgesamt über 400 Personen aus gefährdeten Gebieten evakuiert worden, davon rund 250 aus einem Campingplatz in Isola di Fondra in der Val Brembana, der von einer Mure und dem Anstieg eines Bachlaufs bedroht war. In der Val Camonica ist bei Sonico eine Brücke über den Torrente Val Rabbia eingestürzt, die die Ortschaft Rino mit dem Hauptort verband. Wie die Nachrichtenagentur Dire in ihrer Detail-Chronologie dokumentiert, sind sechs Berggemeinden im Bergamasker Hinterland weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten: Valleve, Carona, Foppolo, Branzi, Valbondione und Gandellino. Im Bresciano hat der Fluss Oglio das Ufer überschritten, in Ponte di Legno musste die Kabinenbahn Ponte-Tonale nach einem Blitzeinschlag stillgelegt werden, alle acht Personen in der Bahn kamen unverletzt zurück ins Tal.

Die Regenmengen waren außergewöhnlich. In den Alpi Orobie fielen bis zu 270 Millimeter Regen, am Alto Lago di Como bis zu 260 Millimeter, das entspricht der normalen Regenmenge mehrerer Monate zusammen. Die Feuerwehr verzeichnete allein in der Lombardei über 450 Einsätze, bei einem Gesamtvolumen von mehr als tausend Einsätzen in Nord- und Mittelitalien in 24 Stunden.

23.000 Blitze über der Toskana

Ein zweites Krisenzentrum bildete die Toskana. Zwischen 11 Uhr am Donnerstag und 23 Uhr am selben Abend zählte das Konsortium Lamma über 23.000 Blitze über der Region, davon 8.000 allein in den zwei Stunden zwischen 21 und 23 Uhr. Windböen erreichten 106 Kilometer pro Stunde an der pisanischen Küste, 103 in der Provinz Florenz und 92 in Viareggio. In Florenz wurde eine 75-jährige Touristin durch einen fallenden Dachziegel an der Schulter verletzt, ihr Zustand ist nicht besorgniserregend. Die Stadt zählte mindestens 23 gefallene Bäume, die auch die Straßenbahnlinie beschädigten.

In der Provinz Pistoia blieben zeitweise über 2.000 Haushalte ohne Strom, in Larciano wurden Wohnhäuser beschädigt, in Pescia stürzte ein längerer Abschnitt der Umzäunung des Stadtstadions ein. In Tonfano bei Marina di Pietrasanta traf eine Windhose die dortigen stabilimenti balneari und Wohnhäuser. In der Lunigiana, an der Grenze zu Ligurien, wurden bei Bagnone drei Personen aus einer Mure gerettet, der Bach Bagnone überschritt die zweite Alarmschwelle. Wie das italienische Nachrichtenportal Today.it aus den Detail-Berichten der lokalen Feuerwehr zusammenfasst, erreichten die stündlichen Regenmengen in einzelnen Zonen 120 Millimeter, ein Wert, der in Norditalien nur in extremen Fällen dokumentiert ist.

Weitere Schäden in Ligurien, Emilia-Romagna und Friaul

Auch die anderen Regionen unter der Warnung des Zivilschutzes verzeichneten Schäden. In Genua brach im Stadtviertel Borgoratti eine Mauer in der Via Posalunga ein, in der Emilia-Romagna gingen im Parmense zwei Muren nieder, bei Terenzo und Corniglio, mit einspuriger Verkehrsregelung auf den betroffenen Straßen. Im Friaul-Julisch Venetien zählten die Notruf-Zentralen 135 Anrufe wegen Sturmschäden, mit Schwerpunkten in Udine (50), Pordenone (40), Gorizia (32) und Triest (13), vor allem wegen gefallener Bäume und lokaler Überschwemmungen. Für kurze Zeit war der Flughafen Forlì-Cesena geschlossen, mehrere Zugverbindungen im Norden fuhren mit Einschränkungen.

Politische Reaktion und Ausnahmezustand

Regionalpräsident Attilio Fontana hat den italienischen Zivilschutzminister Nello Musumeci am Freitagabend um die Anerkennung des Ausnahmezustands für die Lombardei gebeten. Wie die Nachrichtenagentur Adnkronos aus der offiziellen Mitteilung der Region berichtet, soll der zuständige Regional-Assessor für Zivilschutz Romano La Russa gemeinsam mit dem Territorial-Assessor Gianluca Comazzi die Unterlagen für den offiziellen Antrag vorbereiten. Musumeci hat zugesagt, den Antrag so bald wie möglich dem Ministerrat vorzulegen.

Der Zusammenhang mit der vierten Hitzewelle des Sommers 2026 ist meteorologisch klar dokumentiert: Die wochenlange Hitzespeicherung in der Poebene lieferte die Energie für die Gewitter, die kalte Atlantik-Luft löste die Entladung aus. Klimatologen weisen seit Jahren darauf hin, dass extreme Hitzephasen und extreme Niederschlagsereignisse in Norditalien parallel zunehmen, weil höhere Lufttemperaturen mehr Feuchtigkeit tragen. Die aktuelle Bilanz ist die konkrete Bestätigung dieser Prognose und die konsequente Folge der am Donnerstag angekündigten Unwetterwarnung, die sich in der Lombardei und Toskana in ihrer maximalen Ausprägung realisierte.

Was Reisende jetzt wissen sollten

Für Reisende in den betroffenen Regionen gilt eine differenzierte Lage. Sechs Berggemeinden im Bergamasker Hinterland sind weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten, wer eine Wanderung in der Val Brembana, Val Seriana oder Val Camonica geplant hat, sollte die aktuellen Meldungen des lokalen Zivilschutzes prüfen und Alternativen einplanen. In der Toskana ist die Straßensituation nach dem Sturm größtenteils wiederhergestellt, einzelne Verbindungen in der Lunigiana und im Pistoiese sind noch mit Einschränkungen befahrbar. Am Wochenende erwarten die Meteorologen eine deutliche Beruhigung mit stabileren Verhältnissen und Temperaturen unter dem Durchschnitt der letzten Wochen.

Wer die weitere Wetterentwicklung verfolgen möchte, findet auf dem offiziellen Portal der Protezione Civile das tagesaktuelle Vigilanza-Bulletin. Regional bieten die Arpa der einzelnen Regionen tagesgenaue Detail-Informationen zu Wasserständen, Wanderweg-Sperrungen und weiteren Sicherheitshinweisen. Auch die aktuelle Waldbrand-Situation im Land steht in direktem Zusammenhang mit der Wetterlage der letzten Wochen, weil sich Bodenzustand, Vegetation und Brandrisiko nun mit dem Regen wieder verändern.

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