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Corleone auf Sizilien: Vom Pate-Mythos zur Antimafia

Redaktion
Corleone in der sizilianischen Metropolitanstadt Palermo zählt nach ISTAT 10.162 Einwohner auf 229,45 Quadratkilometern und liegt im Bergbecken des Alto Belice Corleonese. Die Stadt trägt den Beinamen „Stadt der hundert Kirchen“ und blickt auf eine Entwicklung unter Normannen und Ghibellinen zurück.

Corleone in der sizilianischen Metropolitanstadt Palermo zählt nach ISTAT 10.162 Einwohner auf 229,45 Quadratkilometern und liegt im Bergbecken des Alto Belice Corleonese. Die Stadt trägt den Beinamen „Stadt der hundert Kirchen“ und blickt auf eine Entwicklung unter Normannen und Ghibellinen zurück.

(Foto: © Rufat - adobe.stock.com)
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Corleone in der sizilianischen Metropolitanstadt Palermo liegt in einem Bergbecken des Alto Belice Corleonese und zählt nach ISTAT 10.162 Einwohner auf 229,45 Quadratkilometern. Das macht die Gemeinde zum zweitgrößten Gemeindegebiet der Provinz. International bekannt ist der Ort als Hochburg der Corleonesi-Fraktion der Cosa Nostra, zugleich wurde er zum Zentrum des Widerstands dagegen. Antimafia-Museum, Libera-Kooperativen auf konfiszierten Clan-Gütern und ein mittelalterlicher Stadtkern prägen heute das Bild der Stadt.

Lage im Alto Belice Corleonese

Die Gemeinde erhebt sich zwischen 218 und 1.569 Metern über dem Meer, der Ortskern liegt nach tuttitalia auf 551 Metern. Zu den Nachbargemeinden gehören Campofiorito, Roccamena, Bisacquino, Contessa Entellina und Godrano, zum Gemeindegebiet die Ortsteile Belvedere, Chiosi und Giammaria sowie der Weiler Ficuzza, der die Postleitzahl 90034 mit dem Hauptort teilt. Von Palermo trennen Corleone rund 60 Kilometer auf der Strada Statale 118. Topografisch liegt der Ort in einem Bergbecken, umgeben von steilen Felsformationen, die ihm historisch Schutz boten und bis heute das Ortsbild prägen.

Centro storico und die Stadt der hundert Kirchen

Corleone trägt den Beinamen „Stadt der hundert Kirchen", abgeleitet von der hohen Dichte religiöser Bauten im mittelalterlich geprägten Zentrum. Zu den bedeutendsten Bauwerken zählen nach italia.it das Convento dei Cappuccini, das Monastero del Santissimo Salvatore, die Chiesa di Sant'Agostino und die Chiesa di San Domenico. Über dem Ortskern erhebt sich das Castello Soprano mit dem Turm, der als Torre Saracena bekannt ist, am Fuß der oberen Burg liegt die Cascata delle Due Rocche, ein Wasserfall des Torrente San Bernardo, der in einen kleinen See mündet.

Zusammen mit dem Castello Sottano und den umliegenden Felsformationen bilden die beiden Burgen die Faraglioni di Corleone, eine teilweise erhaltene saracenische Befestigung. Die Corpus-Domini-Prozession findet nach ilturista seit 1594 statt, das Museo Civico „Pippo Rizzo" versammelt die wichtigsten Sammlungen des Ortes. Weitere Fassaden und Palazzi verweisen auf die mittelalterliche Entwicklung unter Normannen und Ghibellinen sowie auf die Rolle Corleones während der Sizilianischen Vespern und der Garibaldi-Züge.

Bosco della Ficuzza und Rocca Busambra

Südöstlich des Ortes erstreckt sich die Riserva Naturale Orientata Bosco della Ficuzza, Rocca Busambra, Bosco del Cappelliere und Gorgo del Drago. Das Reservat wird nach parks.it von der Regione Siciliana betreut und umfasst neben dem eigentlichen Wald das Massiv der Rocca Busambra sowie die kleineren Zonen Bosco del Cappelliere und Gorgo del Drago. Der Weiler Ficuzza, einst Jagdrevier der Bourbonen, grenzt direkt an den Wald und dient Wanderern als Zugang. In Corleone sind nach ilturista sechs von vierzehn Interessengebieten des Tourismusamts der Provinz Palermo sowie der Verbände Legambiente, WWF und LIPU dokumentiert; dazu zählt auch die Cascata delle Due Rocche am Ortsrand.

Mafia-Geschichte: Corleonesi, Riina, Provenzano

Corleone war über Jahrzehnte Hochburg einer der mächtigsten Fraktionen der Cosa Nostra. Luciano Liggio, Totò Riina und Bernardo Provenzano prägten den Corleonesi-Flügel. Bekannt wurde der Name international durch Mario Puzos Roman „Il Padrino" und Francis Ford Coppolas Verfilmung „Der Pate", in der die Hauptfigur ihren Namen vom Ort erhält. Die Stadt selbst stand vor der Kommunalwahl im November 2018 unter Zwangsverwaltung wegen Mafia-Infiltration des Gemeinderats; die reguläre Selbstverwaltung kehrte mit der Wahl von Nicolò Nicolosi zurück, der nach La Voce di New York rund 56 Prozent der Stimmen erhielt. Als Schwerpunkt seiner Amtszeit nannte er das historische Erbe und den Tourismus und positionierte die Stadt bewusst jenseits der Mafia-Erzählung.

CIDMA, Antimafia und die Maxiprozess-Akten

Im historischen Zentrum liegt das CIDMA, das Centro Internazionale di Documentazione sulle Mafie e del Movimento Antimafia. Die Dauerausstellung umfasst nach TP24 drei Räume: einen zur Entstehung Corleones mit Fotos aus der Stadt und dem Weiler Ficuzza, einen zu den Ursprüngen der Mafia mit Verweisen auf die Informanten im Bari-Prozess gegen Luciano Liggio sowie einen immersiven Raum mit Videoprojektionen zu den Etappen des Kampfes gegen die Mafia. Das Museum verwaltet nach LiveSicilia rund 200 Ordner mit Maxiprozess-Akten, darunter die Aussagen von Tommaso Buscetta und Salvatore Contorno. Die Digitalisierung begann 2013 mit 20.000 Euro aus dem Bildungsministerium; viele der vorbereitenden Unterlagen stammen aus der Feder Giovanni Falcones. Modernisiert wurden drei Räume des Erdgeschosses zuletzt im Oktober 2023 mit Mitteln der GAL Terre Normanne.

Beni Confiscati und Libera Terra

Corleone war 1996 nach BlogSicilia der Ort der ersten Unterschriftensammlung für ein Gesetz zur sozialen Nutzung konfiszierter Mafia-Güter. Die rechtliche Grundlage schuf die Legge Rognoni-La Torre, benannt nach dem Gewerkschafter und Politiker Pio La Torre, der den Mafia-Straftatbestand und die Einziehung illegal erworbener Vermögenswerte ins italienische Recht brachte. Heute bewirtschaftet die Kooperative Pio La Torre im Netzwerk Libera Terra beschlagnahmte Flächen rund um Corleone, darunter das Agriturismo Terre di Corleone in der Contrada Drago, rund sieben Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Kooperative beherbergt Teilnehmer des Projekts „E!state Liberi!" des Antimafia-Verbands Libera, das junge und ältere Menschen aus ganz Italien in die soziale Antimafia-Arbeit einbindet. Partner sind unter anderem die CGIL Palermo und die SPI CGIL Palermo.

Küche, Umgebung und Reiseroute

Die lokale Landwirtschaft produziert Getreide, Olivenöl, Käse und Wein; zur regionalen Esskultur zählen zudem die sizilianischen Spezialitäten Arancini und Cannoli. Die Strada Statale 118 führt in rund einer Stunde Fahrzeit ins Hügelland. Die klassische Reiseroute kombiniert Centro storico, CIDMA und einen Abstecher zum Bosco della Ficuzza und lässt sich zu einem langsameren Sizilien-Rundtrip ausbauen.

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