Palermo ist die Hauptstadt Siziliens und mit rund 630.000 Einwohnern eine der sechs größten Städte Italiens. Sie liegt an der Nordwestküste der Insel, in der sogenannten Conca d'Oro, einer Ebene zwischen dem Tyrrhenischen Meer und den Bergen des Hinterlands. Im Norden wird der Golf von Palermo durch den markanten Monte Pellegrino abgeschlossen, der die Stadt wie ein steinerner Riegel vom Golf von Mondello trennt.
Wenige Orte in Italien zeigen die mediterrane Vielschichtigkeit so deutlich wie Palermo. Phönizier, Griechen, Römer, Byzantiner, Araber, Normannen, Staufer, Franzosen, Spanier und Bourbonen haben hier Spuren hinterlassen. Die Mischung aus arabischen Kuppeln, normannischen Kirchen, byzantinischen Mosaiken, barocken Palästen und Jugendstil-Villen macht Palermo zu einer der kulturell reichsten Städte des Mittelmeerraums.
Von Panormos zur Hauptstadt des Normannenreichs
Die Stadt wurde im 8. Jahrhundert vor Christus von Phöniziern gegründet. Der heute gebräuchliche Name geht auf das griechische Panormos zurück, was übersetzt so viel wie ganz Hafen bedeutet. Im 9. Jahrhundert eroberten Araber die Stadt und machten sie zur Hauptstadt des Emirats von Sizilien. Palermo zählte zu dieser Zeit nach manchen Angaben rund 300.000 Einwohner und galt als eine der größten Metropolen des Mittelmeerraums.
Ab 1061 begannen die Normannen unter Roger I. die Eroberung der Insel. Palermo fiel 1072. Christliche Herrscher regierten fortan in einem mehrheitlich muslimischen Land und integrierten dabei bewusst arabische und byzantinische Traditionen. Unter Roger II., der sich 1130 zum ersten König von Sizilien krönen ließ, entstand ein Hofstaat, in dem Latein, Griechisch und Arabisch gleichberechtigt gesprochen wurden. Später regierten die Staufer von Palermo aus, allen voran Friedrich II.
Das UNESCO-Welterbe Arabo-Normanno
Seit 2015 steht der Komplex Palermo arabo-normanna e le cattedrali di Cefalù e Monreale auf der UNESCO-Welterbeliste. Das serielle Welterbe umfasst neun Monumente, von denen sieben in Palermo selbst stehen. Dazu zählen der Palazzo dei Normanni mit der Cappella Palatina, die Kathedrale von Palermo, die Kirchen San Giovanni degli Eremiti, Santa Maria dell'Ammiraglio (La Martorana) und San Cataldo sowie der Palazzo della Zisa und die Ponte dell'Ammiraglio.

Die Kathedrale von Palermo wurde 1185 geweiht und zählt seit 2015 zum UNESCO-Welterbe Arabo-Normanno. Ihre Fassade und Portale zeigen Spuren aus arabischer, normannischer, katalanisch-gotischer und neoklassizistischer Zeit.
Der Palazzo dei Normanni gilt als älteste Königsresidenz Europas und beherbergt im ersten Stock die Cappella Palatina. Die Palastkapelle wurde unter Roger II. ab 1132 errichtet und 1143 geweiht. Sie verbindet lateinische, byzantinische und arabische Elemente zu einer einzigartigen Synthese. Die Kathedrale von Palermo, 1185 geweiht, zeigt in ihrer Fassade und ihren Portalen Spuren aus arabischer, normannischer, katalanisch-gotischer und neoklassizistischer Zeit. Im Inneren ruhen die sterblichen Überreste von Friedrich II., Roger II. und Konstanze von Sizilien.
Teatro Massimo und die kulturelle Bühne
Das Teatro Massimo Vittorio Emanuele an der Piazza Verdi ist das flächenmäßig größte Opernhaus Italiens und das drittgrößte Europas nach der Opéra National de Paris und der Wiener Staatsoper. Es wurde 1897 mit Giuseppe Verdis Falstaff eröffnet und ist bis heute die wichtigste Bühne Siziliens für Oper, Ballett und klassische Musik. International bekannt wurde das Gebäude unter anderem als Kulisse der Schlussszene von Francis Ford Coppolas „Der Pate – Teil III".
Nicht weit vom Teatro Massimo entfernt steht das Teatro Politeama Garibaldi, das zweite große Theater der Stadt. Zwischen den beiden Bühnen erstreckt sich die Via Ruggero Settimo, die wichtigste Einkaufsmeile Palermos. Die Quattro Canti, der barocke Vierkreuzplatz an der Kreuzung von Via Maqueda und Via Vittorio Emanuele, markieren das symbolische Zentrum der Altstadt.
Ballarò, Il Capo und die Vucciria
Palermo besitzt drei große historische Märkte, die seit Jahrhunderten das Leben der Altstadt prägen. Ballarò im Viertel Albergheria ist der älteste der drei Märkte und erstreckt sich zwischen Corso Tukory und Piazza Casa Professa. Hier dominieren Fisch, Fleisch, Gemüse und Obst aus der Conca d'Oro. Das Treiben ist am Vormittag am intensivsten.
Il Capo liegt direkt hinter dem Teatro Massimo und reicht in seinen Ursprüngen bis in die arabische Zeit zurück. Die engen Gassen zwischen den Buden erinnern an einen nordafrikanischen Souk. Il Capo gilt als kleinerer, ruhigerer Markt im Vergleich zu Ballarò, bietet aber die gleiche kulinarische Vielfalt. Die Vucciria im Viertel Castellammare war lange der bekannteste Markt der Stadt und inspirierte den sizilianischen Maler Renato Guttuso 1974 zu einem seiner berühmtesten Gemälde. Heute ist die Vucciria tagsüber ruhig, erwacht aber am Abend als Zentrum der palermitanischen Nachtkultur.
Street Food als Lebensweise
Palermo gilt als eine der wichtigsten Street-Food-Städte Europas, mit einer Tradition, die bis in das Mittelalter zurückreicht. Panelle, frittierte Kichererbsenfladen, sind der Klassiker schlechthin und werden oft im Brötchen mit Sesam serviert. Dazu kommen Arancine, mit Ragù, Butter oder Spinat gefüllte Reiskugeln, Crocchè aus Kartoffelteig und Sfincione, eine dicke, weiche Variante der Pizza mit Zwiebeln, Caciocavallo und Sardellen.
Der absolute Prüfstein für Palermo-Neulinge ist jedoch das Pani ca' meusa, ein Brötchen mit gekochter und frittierter Kalbsmilz, serviert pur („schietto") oder mit Caciocavallo-Käse („maritato"). Weniger spektakulär, aber ebenso traditionell sind Stigghiola, gegrillte Lamm- oder Zickleindärme, meist um Petersilie oder Frühlingszwiebel gewickelt und abends an Straßenständen zubereitet. Palermitanisches Street Food ist konsequent einfach, günstig und für die lokale Bevölkerung gedacht, nicht für den Tourismus.
Monte Pellegrino und Santa Rosalia
Der Monte Pellegrino ist der Hausberg Palermos und steigt direkt am nördlichen Rand des Stadtgebiets auf 606 Meter an. Der Berg beherbergt eine Grotte, in der nach lokaler Überlieferung die Stadtpatronin Santa Rosalia im 12. Jahrhundert als Einsiedlerin lebte. Ihre Reliquien wurden 1624 wiederentdeckt, als die Stadt von einer Pestepidemie heimgesucht wurde. Als nach der Prozession mit den Reliquien die Seuche abklang, wurde Rosalia zur Schutzheiligen Palermos.

Marktauslage in Sizilien: Fisch, Käse, Obst und Gemüse werden auf den traditionellen Straßenmärkten der Insel bis heute wie vor Jahrhunderten feilgeboten. Die engen Gassen zwischen den Buden erinnern an einen nordafrikanischen Souk.
Zu Ehren der Santuzza, wie sie liebevoll genannt wird, findet jedes Jahr am 14. und 15. Juli das Festino statt. Die Prozession zieht mit einem großen allegorischen Wagen durch die Altstadt vom Palazzo dei Normanni bis zur Marina und wird von Zehntausenden Palermitanern begleitet. In der Nacht zum 4. September findet zusätzlich die Acchianata statt, der Pilgerweg hinauf zum Santuario auf dem Monte Pellegrino.
Mondello und die Küste
Nördlich des Monte Pellegrino liegt Mondello, das traditionelle Seebad Palermos. Der halbmondförmige Strand mit seinem feinen weißen Sand und dem flachen, türkisfarbenen Wasser gilt als einer der schönsten Stadtstrände Italiens. Das markante Gebäude des Ortes ist das Antico Stabilimento Balneare, ein Jugendstil-Seebad aus den frühen 1900er Jahren, das auf Pfählen im Wasser steht.
Weiter westlich entlang der Küste liegen die Fischerdörfer Sferracavallo und Isola delle Femmine. Am Golf von Castellammare folgt Trappeto. In östlicher Richtung erstreckt sich die Küste von Palermo bis Cefalù, einem der schönsten Küstenstädtchen Siziliens, dessen normannische Kathedrale ebenfalls zum UNESCO-Welterbe Arabo-Normanno gehört.
Reisezeit und Anreise
Palermo lässt sich das ganze Jahr über besuchen, der Hochsommer kann allerdings mit Temperaturen von regelmäßig über 35 Grad heiß werden. Die ideale Reisezeit liegt zwischen April und Juni sowie zwischen September und Oktober, wenn das Klima angenehm bleibt und die großen Touristenströme überschaubar sind. Im Winter bleibt die Stadt mild. Regen gibt es vor allem im November und Dezember.
Hauptflughafen ist Falcone e Borsellino in Punta Raisi, rund 35 Kilometer westlich der Stadt. Vom Flughafen fahren Shuttle-Busse und ein Regionalzug ins Stadtzentrum. Vom italienischen Festland erreicht man Palermo mit der Fähre, vor allem aus Neapel, Civitavecchia und Genua. Innerhalb der Stadt ist das historische Zentrum fast vollständig zu Fuß erschließbar. Buslinien und eine kleine Metro ergänzen das Angebot.
Wer Palermo wirklich kennenlernen will, braucht mindestens drei bis vier Tage. Die bekannten Monumente wie Palazzo dei Normanni und Kathedrale verdienen jeweils einen halben Tag, dazu kommen Zeit für die Märkte, einen Ausflug nach Monreale und einen Nachmittag in Mondello. Palermo belohnt dabei vor allem jene, die bereit sind, das offensichtliche Touristenprogramm zu verlassen und in die kleinen Gassen abzutauchen.




