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Sardinien: Die zweitgrößte Mittelmeerinsel im Portrait

Redaktion
Alghero mit seinem historischen Zentrum zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtbildern Sardiniens. Die massiven Verteidigungsmauern direkt am Meer, der Torre di Sulis und die Kathedrale Santa Maria aus dem 16. Jahrhundert prägen die Altstadt.

Alghero mit seinem historischen Zentrum zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtbildern Sardiniens. Die massiven Verteidigungsmauern direkt am Meer, der Torre di Sulis und die Kathedrale Santa Maria aus dem 16. Jahrhundert prägen die Altstadt.

(Foto: © Grzegorz - stock.adobe.com)
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Sardinien ist mit einer Fläche von rund 24.090 Quadratkilometern die drittgrößte Region Italiens und nach Sizilien die zweitgrößte Insel des Mittelmeers. Sie liegt zentral im westlichen Mittelmeerbecken, zwischen dem italienischen Festland, Südfrankreich und den Balearen, und ist durch die Meerenge Bocche di Bonifacio nur elf Kilometer von Korsika getrennt. Seit 1948 ist Sardinien eine der fünf italienischen Regionen mit Sonderstatut und hat eine eigenständige, verfassungsrechtlich verankerte Autonomie. Regionshauptstadt ist Cagliari im Süden, insgesamt leben auf der Insel rund 1,55 Millionen Menschen in 377 Gemeinden. Damit zählt Sardinien zu den am dünnsten besiedelten Regionen Italiens.

Geografie und Zahlen

Die Hauptinsel allein misst rund 23.800 Quadratkilometer, hinzu kommen mehrere größere und kleinere vorgelagerte Nebeninseln, von denen Sant'Antioco (109 km²), San Pietro (51 km²), Asinara (51 km²), La Maddalena (20 km²) und Caprera (16 km²) die bedeutendsten sind. Mit maximal 270 Kilometern Länge und 145 Kilometern Breite erstreckt sich die Insel zwischen dem Mar di Sardegna im Westen, dem Tyrrhenischen Meer im Osten und der Bocche di Bonifacio im Norden. Die Küstenlinie misst insgesamt rund 1.850 Kilometer und ist damit eine der längsten Italiens.

Das Terrain ist überwiegend hügelig: 68 Prozent der Fläche entfallen auf Hügelland, 18 Prozent auf Ebenen, 14 Prozent auf Gebirge. Die bedeutendsten Ebenen sind das Campidano zwischen Cagliari und Oristano sowie die kleinere Nurra im Nordwesten. Das Bergmassiv des Gennargentu im zentral-östlichen Landesteil erreicht mit der Punta La Marmora 1.834 Meter, den höchsten Punkt der Insel. Verwaltungstechnisch ist Sardinien in zwei Metropolitanstädte (Cagliari, Sassari) und sechs weitere Provinzen gegliedert.

Die Küstenregionen

Costa Smeralda und die Gallura

Im Nordosten erstreckt sich die Costa Smeralda, die „Smaragdküste", über rund 20 Kilometer im Gebiet der Gemeinde Arzachena, nördlich von Olbia. Entwickelt wurde sie ab den frühen 1960er Jahren vom Aga Khan IV als geplantes Luxus-Resort-Gebiet mit Orten wie Porto Cervo, Porto Rotondo und Baia Sardinia. Heute zählt die Costa Smeralda zu den exklusivsten Küstenabschnitten Europas und ist Fixpunkt für Yacht-Charter, Golfplätze und das internationale Jetset. Nördlich davon öffnet sich der Arcipelago di La Maddalena mit sieben Hauptinseln (La Maddalena, Caprera, Santo Stefano, Spargi, Budelli, Santa Maria, Razzoli), seit 1994 Nationalpark.

Westen und Alghero

An der Nordwestküste liegt mit Alghero eine Stadt mit katalanischem Erbe: Ab 1354 unter aragonesischer, später spanischer Herrschaft, hat sich hier bis heute eine Variante des Katalanischen (Alguerès) erhalten, die als Co-Amtssprache geführt wird. Zum westlichen Küstenschwerpunkt zählen die Küste zwischen Alghero und dem Capo Caccia mit den Neptun-Grotten (Grotte di Nettuno) sowie die Insel Asinara im äußersten Nordwesten. Weiter südlich prägen die Costa Verde mit kilometerlangen Dünen und die Küste rund um Oristano das Landschaftsbild.

Südwesten und Südosten

Der Südwesten gehört zur historischen Bergbau-Region Sulcis-Iglesiente mit den vorgelagerten Inseln Sant'Antioco und San Pietro. Hier befindet sich auch das Weingebiet des Carignano del Sulcis. Im Südosten um Villasimius und entlang der Costa Rei liegen zahlreiche weiße Sandstrände, die zum charakteristischen Bild sardischer Küste gehören. Zu den bekanntesten zählt die Punta Molentis bei Villasimius, deren Zugang in den vergangenen Jahren zum Schutz der Dünen reglementiert wurde. Zu beachten ist, dass die Mitnahme von Sand, Steinen und Muscheln von sardischen Stränden gesetzlich verboten ist und mit Strafen bis 3.000 Euro geahndet wird.

Die wichtigsten Städte

Cagliari

Cagliari ist mit rund 146.000 Einwohnern die größte Stadt und das politische, wirtschaftliche sowie universitäre Zentrum der Insel. Die Altstadt gliedert sich in vier historische Viertel: Castello auf dem Hügel, Marina, Stampace und Villanova. Wahrzeichen sind der Bastione di Saint Remy mit Panoramablick, der romanisch-pisanische Dom aus dem 13. Jahrhundert, die punisch-römische Nekropole Tuvixeddu sowie das Amphitheater aus dem 2. Jahrhundert. Östlich der Stadt erstreckt sich der Lagunenpark von Molentargius mit einer der wenigen stadtnahen Flamingo-Kolonien Europas. Der Poetto-Strand direkt an der Stadt ist mit acht Kilometern einer der längsten Stadt-Strände Italiens.

Cagliari liegt im Süden Sardiniens zwischen dem Meer und den Lagunen von Molentargius. Der Poetto-Strand direkt an der Stadt ist mit acht Kilometern einer der längsten Stadt-Strände Italiens, der Lagunenpark östlich der Stadt beherbergt eine der wenigen stadtnahen Flamingo-Kolonien Europas.

Cagliari liegt im Süden Sardiniens zwischen dem Meer und den Lagunen von Molentargius. Der Poetto-Strand direkt an der Stadt ist mit acht Kilometern einer der längsten Stadt-Strände Italiens, der Lagunenpark östlich der Stadt beherbergt eine der wenigen stadtnahen Flamingo-Kolonien Europas.

(Foto: © Miller_Eszter - Pixabay)

Alghero

Alghero mit rund 42.000 Einwohnern ist nach wie vor von seiner katalanischen Geschichte geprägt. Das historische Zentrum mit den massiven Verteidigungsmauern direkt am Meer, dem Torre di Sulis und der Kathedrale Santa Maria aus dem 16. Jahrhundert gilt als eines der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtbilder Sardiniens. Alghero ist Ausgangspunkt für Bootsfahrten zu den Grotte di Nettuno am Capo Caccia und für Weintouren in das umliegende Weinbaugebiet.

Olbia und Sassari

Olbia im Nordosten ist mit rund 62.000 Einwohnern das wirtschaftliche Zentrum der Gallura und wichtigster Verkehrsknoten der Insel: Hier liegen der internationale Flughafen Olbia-Costa Smeralda und einer der verkehrsreichsten Fährhäfen Italiens. Sassari mit rund 120.000 Einwohnern ist die zweitgrößte Stadt der Insel und zweite Metropolitanstadt neben Cagliari. Die Stadt ist für ihre 1562 gegründete Universität, die Cavalcata Sarda (ein folkloristischer Umzug im Mai) und das Kandelaber-Fest I Candelieri im August bekannt.

Nuoro und das sardische Inland

Nuoro mit rund 33.000 Einwohnern gilt als kulturelle Hauptstadt des sardischen Inlands und ist Geburtsort der Literaturnobelpreisträgerin Grazia Deledda (1926). Von hier aus ist das Bergmassiv des Supramonte mit seinen Dolinen, Grotten und Hochebenen zugänglich.

Nuraghen und archäologisches Erbe

Prägend für die Insel ist die nuragische Kultur, die zwischen dem 18. und 2. Jahrhundert v. Chr. hier bestand und über 7.000 Steintürme aus trocken geschichteten Steinblöcken hinterließ. Die Nuraghen sind kegelförmige, mehrstöckige Steinbauten mit teils militärischem, teils kultischem Charakter. Das wichtigste Beispiel ist Su Nuraxi di Barumini im Süden der Insel, seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe. Weitere bedeutende archäologische Stätten sind die Tombe dei Giganti (Riesengräber), die Pozzi Sacri (heilige Brunnen) und die phönizisch-punischen Städte Tharros (bei Oristano) und Nora (südlich von Cagliari). Diese Stätten machen Sardinien zu einer der dichtesten archäologischen Landschaften des Mittelmeerraums.

Die Nuraghen sind kegelförmige, mehrstöckige Steinbauten mit teils militärischem, teils kultischem Charakter. Sie gehen auf die nuragische Kultur zurück, die zwischen dem 18. und 2. Jahrhundert v. Chr. auf Sardinien bestand und über 7.000 solcher Steintürme hinterließ.

Die Nuraghen sind kegelförmige, mehrstöckige Steinbauten mit teils militärischem, teils kultischem Charakter. Sie gehen auf die nuragische Kultur zurück, die zwischen dem 18. und 2. Jahrhundert v. Chr. auf Sardinien bestand und über 7.000 solcher Steintürme hinterließ.

(Foto: © piquar - Pixabay)

Natur und Nationalparks

Sardinien verfügt über drei Nationalparks: den Parco Nazionale dell'Asinara im Nordwesten, den Parco Nazionale dell'Arcipelago di La Maddalena im Nordosten und den Parco Nazionale del Golfo di Orosei e del Gennargentu im zentralen Osten. Zu den naturräumlichen Besonderheiten zählen die Cala Luna und die Cala Mariolu an der Ostküste, nur per Boot oder langer Wanderung erreichbar, die Dünen der Piscinas an der Costa Verde (zu den höchsten in Europa gezählt) sowie die über 300 Grotten des Supramonte, darunter die Grotta di Su Palu. Charakteristisch sind die weißen Esel (asinelli bianchi) auf Asinara, die Cavallini della Giara (Zwergpferde auf dem Hochplateau Giara di Gesturi) und die Mufflon-Populationen des Gennargentu.

Wein und Kulinarik

Das wichtigste rote Rebsortenerzeugnis Sardiniens ist der Cannonau di Sardegna DOC, aus einer autochthonen Variante der Garnacha-Traube gekeltert, der als eines der mineralreichsten und tanninstärksten Rotweine Italiens gilt. Beim Weißwein führen der Vermentino di Gallura DOCG – die einzige DOCG-Klassifizierung der Insel – und der Vermentino di Sardegna DOC. Hinzu kommen der Carignano del Sulcis DOC aus dem Südwesten und der Vernaccia di Oristano DOC als Oxidativ-Weißwein mit Sherry-ähnlichem Charakter. Aus Myrten-Beeren wird der traditionelle Likör Mirto hergestellt, der zu den identitätsstiftenden Produkten der Insel zählt.

Die sardische Küche ist stark von Weidewirtschaft und Fischerei geprägt. Klassiker sind der Pane carasau, ein papierdünnes Fladenbrot aus Hartweizen, das Porceddu, am Spieß gebratenes Spanferkel, die Culurgiones, mit Kartoffel-Pecorino-Minz-Füllung versehene Teigtaschen aus der Ogliastra, sowie das Sardinien-weit präsente Pecorino Sardo DOP und das Fiore Sardo DOP. An den Küsten dominieren Thunfisch (vor allem bei Carloforte auf San Pietro), Hummer (aragosta alla catalana in Alghero) und Bottarga, der getrocknete Rogen der Meeräsche aus Cabras.

Beste Reisezeit und Anreise

Angenehm sind Sardinien-Reisen vor allem im späten Frühling (Mai bis Juni) und im Frühherbst (September bis Oktober): Wasser- und Lufttemperaturen sind mild, die Küstenorte und Nationalparks deutlich weniger überlaufen als im Hochsommer. Juli und August gelten als Hochsaison, besonders an der Costa Smeralda. Zu dieser Zeit erreicht die Nachfrage international Spitzenwerte; volle Strände und Spitzenpreise sind dann die Regel.

Die wichtigsten Flughäfen sind Cagliari-Elmas, Olbia-Costa Smeralda und Alghero-Fertilia, alle mit Direktverbindungen zu zahlreichen europäischen Städten. Fährverbindungen vom Festland bestehen von Genua, Livorno, Civitavecchia und Neapel nach Olbia, Porto Torres, Cagliari und Arbatax, zusätzlich saisonal von Toulon und Marseille. Wer einen eigenen PKW an die Insel mitbringt, nutzt die Nachtfähren der Betreiber Grimaldi, Grandi Navi Veloci, Moby, Tirrenia und Corsica Ferries. Eine Option, die sich besonders für individuelle Rundreisen mit dem Auto über mehrere Küstenregionen anbietet.

Mit rund 1.850 Kilometern verfügt Sardinien über eine der längsten Küstenlinien Italiens. Die weißen Sandstrände zwischen Costa Smeralda im Nordosten, Costa Verde im Westen und Costa Rei im Südosten gehören zum charakteristischen Bild der Insel.

Mit rund 1.850 Kilometern verfügt Sardinien über eine der längsten Küstenlinien Italiens. Die weißen Sandstrände zwischen Costa Smeralda im Nordosten, Costa Verde im Westen und Costa Rei im Südosten gehören zum charakteristischen Bild der Insel.

(Foto: © Sarch - Pixabay)

Ein Reiseziel im Wandel

Sardinien verzeichnete 2026 mit einem Übernachtungszuwachs von rund 8 Prozent eine der höchsten Tourismuswachstumsraten Italiens. Besonders stark gefragt sind inzwischen auch Angebote abseits der klassischen Costa-Smeralda-Pfade, kleine Agriturismi im Inland, Boutique-Projekte wie Casa Stones in der Gallura und das traditionelle Küsten-Hinterland. Parallel verschärfen sich jedoch die Konflikte zwischen Tourismus und Umweltschutz: Die Behörden haben in den vergangenen Jahren Zufahrten zu einzelnen Stränden begrenzt, Besucherobergrenzen für geschützte Buchten eingeführt und Verbote beim Umgang mit natürlichen Materialien am Strand konsequent durchgesetzt. Hinzu kommen die direkten Folgen des Klimawandels, etwa in Form wiederkehrender Waldbrände, die in den Sommermonaten 2026 erneut mehrere Küstenwälder in Mitleidenschaft gezogen haben. Wer Sardinien heute besucht, trifft entsprechend auf eine Region, die sich zwischen internationalem Luxus-Tourismus und einer wachsenden Besinnung auf Nachhaltigkeit und Regionalität neu austariert.

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