Hinter dem Brenner beginnt Italiens nördlichste Region. Trentino-Südtirol, auf Italienisch Trentino-Alto Adige, besteht aus zwei autonomen Provinzen: Südtirol mit Hauptstadt Bozen im Norden und Trentino mit Hauptstadt Trient im Süden. Die Dolomiten gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe. Zwischen Reschensee und Nordufer des Gardasees leben Deutsch, Italienisch und Ladinisch nebeneinander. Dazu kommen ein Nationalpark, mehrere Naturparks und ein gemeinsames Autonomiestatut aus dem Jahr 1972.
Zwei Provinzen zwischen Alpen und Gardasee: die Grunddaten
Trentino-Südtirol grenzt im Norden an Österreich, im Westen an die Schweiz und die Lombardei und im Süden und Osten an Venetien. Nach ISTAT-Zahlen zählt die Region zum Stichtag 1. Januar 2026 insgesamt 1.090.818 Einwohner und umfasst 282 Gemeinden. Südtirol stellt davon rund 542.000 Einwohner in 116 Gemeinden, das Trentino rund 549.000 Einwohner in 166 Gemeinden. Die südliche Grenze reicht bis an das Nordufer des Gardasees mit Riva, Arco und Torbole.
Der höchste Berg heißt Ortler, steht im Vinschgau und misst 3.905 Meter. Nach den Daten und Fakten der IDM Südtirol umfasst allein Südtirol 7.400 Quadratkilometer. Die drei großen Südtiroler Flüsse heißen Etsch, Eisack und Rienz. Die Etsch legt dabei 153 Kilometer durch Südtirol zurück; sie entspringt am Reschenpass im Vinschgau, nimmt in Bozen den Eisack auf, durchquert anschließend das Trentino und mündet als Adige in die Adria.
Zwei autonome Provinzen und drei Amtssprachen
Beide Provinzen haben ein gemeinsames Autonomiestatut, das 1972 in Kraft trat, und jeweils einen eigenen Landtag und eine eigene Regierung in Bozen und Trient. In der Praxis arbeiten die beiden Provinzen weitgehend eigenständig.
Drei Sprachen sind amtlich. In Südtirol geben nach IDM-Angaben 69,4 Prozent der Einwohner Deutsch als Muttersprache an, 26 Prozent Italienisch und 4 Prozent Ladinisch. Das Trentino ist überwiegend italienischsprachig; kleine ladinische Minderheiten leben im Fassatal (Val di Fassa). Ladinisch ist in den Dolomitentälern Gröden, Alta Badia und Fassa die alltägliche Sprache. Wer durch Südtirol fährt, liest Bozen und Bolzano, Brixen und Bressanone, Innichen und San Candido an einem Schild.

Im Fassatal treffen weite Almwiesen und herbstlich gefärbte Lärchen auf die hellen Felswände der Dolomiten. Das ladinisch geprägte Tal liegt im Trentino.
Dolomiten: Weltnaturerbe seit 2009
Die Dolomiten prägen das Landschaftsbild der Region. 2009 wurden die neun Dolomiten-Bergstöcke in die UNESCO-Liste des Weltnaturerbes aufgenommen. Das helle Dolomitgestein ist etwa 270 Millionen Jahre alt und ging aus Riffen und Atollen eines warmen tropischen Meeres hervor. Vor rund 30 Millionen Jahren hob die Kollision der afrikanischen und europäischen Platte den Meeresboden heraus. Das Ergebnis sind die „Bleichen Berge", die bei Sonnenuntergang in Rot und Orange leuchten.
Auf Südtiroler Seite liegen der Rosengarten, der Latemar, Teile des Sella-Massivs und die Drei Zinnen über Sexten. Zum Welterbe gehören auch die Brenta-Dolomiten als isolierte westliche Gruppe im Trentino sowie die Pale di San Martino. Besonders eindrücklich zeigen sich die leuchtenden Felswände im Herbst, wenn das letzte Licht des Tages auf Latemar und Rosengarten trifft. Das Grödner Tal, auf Italienisch Val Gardena, liegt zwischen Seiser Alm und Sella.
Trient, Bozen, Meran: die großen Städte
Trient ist mit 119.359 Einwohnern die größte Stadt der Region und zugleich Hauptstadt der Autonomen Provinz Trient. Sie liegt im Etschtal südlich der Dolomiten und ist historisch durch das Konzil von Trient (1545 bis 1563) weit über Italien hinaus bekannt. Südlich davon folgt Rovereto, zweitgrößte Stadt des Trentino, bekannt für das Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst MART.
Die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen hat 106.107 Einwohner. Sie liegt im Talkessel am Zusammenfluss von Etsch und Eisack, umgeben von Weinbergen, und ist Verwaltungssitz, Universitätsstadt und das einzige städtische Zentrum Südtirols.
Nordöstlich oberhalb der Stadt zieht sich das Hochplateau des Ritten hin, von dem aus die Dolomiten in Sichtweite rücken. In der Fraktion Oberinn steht der Mesnerwirt, ein kleiner Familiengasthof mit elf Zimmern, Dolomitenblick und selbst gemachter Pizza.
Meran folgt als zweitgrößte Stadt Südtirols. Sie liegt in einem geschützten Talkessel mit mediterranen Zügen. Besonders im Herbst färben sich die Weinberge und die Hitze weicht aus dem Tal. Dazu kommen Brixen im Eisacktal und Bruneck als Hauptort des Pustertals. Die kleinste Stadt Südtirols heißt Glurns, hat 937 Einwohner und liegt im Vinschgau.

Blick auf Bozen von den Hängen oberhalb der Stadt: Die Südtiroler Landeshauptstadt breitet sich im Talkessel zwischen bewaldeten Bergen und Weinbergen aus.
Vinschgau, Pustertal, Fassatal: die Täler
Die Region lebt in Tälern. Der Vinschgau in Südtirol zieht sich von Meran bis zum Reschenpass hinauf; am Ende steht der versunkene Kirchturm im Reschensee. Der Vinschgau ist Apfelland und Ausgangspunkt zum Stilfserjoch sowie zu den Hängen des Ortler. Dort steht das Hotel Bella Vista in Trafoi, dem Matteo Thun ein neues Nest hinzugefügt hat.
Nach Osten geht es ins Pustertal, das sich von Bruneck bis Innichen und hinauf zum Hochpustertal bei Sexten zieht. Das Tal grenzt im Norden an Osttirol und ist Ausgangspunkt zum Pragser Wildsee, den Drei Zinnen und ins Gadertal, einem der ladinischen Täler. Zwischen Bruneck und St. Lorenzen eröffnete im Dezember 2025 das restaurierte Schloss Castel Badia als Boutique-Hotel wieder. Südlicher zweigt das Grödner Tal ab, Val Gardena auf Italienisch.
Im Trentino führt das Fassatal vom Rosengarten über Canazei bis an den Fuß der Sella. Das Val di Non ist Apfel- und Burgenland mit Castel Thun und der Marke Melinda. Das Val di Sole ist bekannt für Rafting auf der Noce und für Wintersport. Im Süden berührt das Trentino am Nordgardasee bei Riva, Arco und Torbole die wärmste Zone der Region.
Äpfel, Speck und Trentodoc: Marken der Region
Südtirol ist nach IDM-Angaben eines der großen Apfelanbaugebiete Italiens. Rund 7.000 Apfelbauern bewirtschaften die Hänge zwischen Vinschgau und Unterland. 13 Sorten tragen das Siegel „g.g.A." für geschützte geografische Angabe. Im Trentino liegt das zweite große Apfelrevier der Region: das Val di Non mit der bekannten Konsortialmarke Melinda. Dazu kommt der Südtiroler Speck g.g.A., für den laut IDM 28 zugelassene Hersteller nach festen Vorgaben produzieren: höchstens 5 Prozent Salzgehalt, mindestens 22 Wochen Reifung.
Beim Wein setzt jede Provinz eigene Akzente. Südtirol zählt nach IDM 5.400 Hektar Qualitätsreben, 36 Prozent Rotwein, 64 Prozent Weißwein; die autochthonen Rebsorten heißen Vernatsch und Lagrein. Das Trentino steht für den Trentodoc, einen klassisch flaschengegorenen Bergschaumwein mit eigener DOC, und für die autochthonen Rotweine Teroldego und Marzemino. Die Südtiroler Weinstraße zieht sich südlich von Bozen bis an die Sprachgrenze zum Trentino.

Die Drei Zinnen, auf Italienisch Tre Cime di Lavaredo, zählen zu den bekanntesten Gipfeln der Dolomiten. Am Fuß des Felsmassivs liegt die Dreizinnenhütte, das Rifugio Antonio Locatelli. Von hier aus führen Wanderwege zu den markanten Felsformationen und durch die umliegende Berglandschaft.
Tourismus zwischen Winter, Sommer und Grenzen
Die Zahlen sind groß. Nach IDM-Angaben zählte allein Südtirol 2022 insgesamt 7,8 Millionen Ankünfte und über 34 Millionen Übernachtungen. Der Winter läuft in beiden Provinzen über große Pistenverbünde, allen voran Dolomiti Superski mit 1.200 Pistenkilometern; die längste Abfahrt heißt Trametsch, startet an der Plose über Brixen und misst neun Kilometer. Im Sommer bieten laut IDM rund 800 Burgen, Schlösser und Ansitze allein in Südtirol sowie Themenwege wie die Waalwege bei Lana ein dichtes Angebot für Wanderer.
Dass der Tourismus Grenzen hat, ist auch der Landespolitik bewusst. Bozen hob die Ortstaxe zum 1. Januar 2026 an. Nach Bericht der Zeitung Südtirol News steigen die Nächtigungssätze in Vier- und Fünf-Sterne-Häusern von 3 auf 3,50 Euro, in Drei-Sterne-Hotels von 2,50 auf 2,80 Euro und bei einfacheren Unterkünften von 2 auf 2,10 Euro. Die Stadt rechnet mit rund 300.000 Euro Ortstaxe mehr pro Jahr bei etwa 940.000 Übernachtungen. 60 Prozent gehen an den Tourismusverein, 30 Prozent an die IDM Südtirol und 10 Prozent an die Gemeinde. Nach Angaben derselben Quelle haben weitere Südtiroler Orte Zugangsbeschränkungen oder Tageseintritte eingeführt.
Die beste Reisezeit hängt vom Vorhaben ab. Für Wanderer sind Juni bis September geeignet, mit Hochsaison im August; der Herbst zwischen Mitte September und Ende Oktober gilt wegen der Weinlese und der Farben in den Dolomiten vielen als die schönste Reisezeit. Die Skisaison läuft je nach Höhenlage von Ende November bis Mitte April. Angereist wird in der Regel über die Brennerautobahn A22 oder mit dem Zug über Verona nach Trient und Bozen; die kleinsten Täler, besonders der obere Vinschgau und das Hochpustertal, verlangen etwas mehr Fahrzeit. Der Flughafen Bozen-Dolomiten (BZO) verbindet Südtirol saisonal über die Regionalairline Sky Alps mit einigen europäischen Zielen. Für das Trentino ist der internationale Flughafen Verona-Villafranca (VRN) südlich der Region der nächstgelegene Großflughafen.




